Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1841)
- Article
- Damask: Nachrichten üb. d. Familie Farkhi
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Seite 213 (sequence 1)
- Language
- German
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- Aleppo 3× ep/1047811
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* Zweiter Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken fltt Das Abonnement für ein Jahr ist 6 Lhlr. Man abonnirtbeiallen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblattrnitgerechnel, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. Dr. Julius F ur st. 81. Leipzig, den 31. Juli 1841. .—f!'■!!——F—1 .* *11! 11 —jl-L "1 Orient. D am ask (Nachrichten üb. S. Familie Farkhi. Haleb. Die Familie Picciotto. Türkei. Schutz-Ferman des jüd. Cult, in Palästina. Syrien. Schreiben Naf. Farkhi's an Montefiore.) — Deutschland. (H a l berstadt, religiöser Zustand.) — Ungarn (Replik v. Chorin.) — Lichtu. Schattenbilder aus der jüd. Gesch. d. Gegenwart: Jüd. Zustande in Italien. Mantua. Verona. Padua. — LB. d.O. Orient. Dttmask. Der erste Bankier oder Sercaf Ra fall Farkhi inDcrmask, in dessen Hause der brittische Oberbefehlshaber in Syrien so glänzend empfangen wurde (s. oben Orient No. 24), ist jetzt zum Magistratsmitgliede gewählt worden, so daß seine politische Bedeutsamkeit für diese Stadt, so weit nämlich von bürgerlicher Reputation die Rede ist, wieder wie vor der Damaskusgeschichte erscheint. Der Leser wird es vielleicht gern sehen, wenn ich das über diesen erwähnten Rafail herstelle, welches der bekannte Reisende Otto Friedrich von Richter auf seiner Reise in Syrien 1815 in dem nach seinem Tode (Berlin1822) erschienenen Werke: „Wallfahrten im Morgenlande" erzählt. „Am Lage nach meiner Ankunft in Drmask begleitete mich ein französischer Arzt zu dem jüdischen Serraf Rafail, der ein Bruder des in Atre herrschenden Chajim Farkhi*) und eben so mächtig ist. Es war aber gerade das jüdische Neujahrsfest (der 6. Ott.), und Herr Rafail war für mich unsichtbar. Einige Lage darauf begab ich mich nochmals in Begleitung einiger,Franzosen zu Rafail in das Judenquanier, welches auch hier, wie überall, schmutzig ist. Die Wohnung des vielbedeutenden Mannes kündigt sich von Außen sehr bescheiden an, überrascht aber um so mehr durch ihre Pracht im Innern. Ein geräumiger Hof mit buntem Marmor gepflastert, mit Wasserbecken , Orangerie und Blumen geziert, ist von schön bekleideten Divans umgeben und führt zu den Wohnzimmern, die schon äußerlich reich verziert sind. Ich wurde artig empfangen und von dem Wirthe in einen Saal begleitet, in dessen Mitte über einem Marmorbeckm ein Kronleuchter hing, umher drei erhöhte Estraden, welche dem Zimmer fast eine Kreuzgestalt gaben. Diese Erhöhung 1) Das traurige Schicksal dieses Chajim, nach dem erst seitdem ein Dierteljahrhundert abgelaufen, werden wir nächstens unter dem Artikel Ak re geben. Red. war von unten mit Perlenmutter geziert, mit schönen Matten, Teppichen und Polstern bedeckt. Die Wände glänzten von goldenen Verzierungen auf Marmor oder Azur; zum Lheil waren sie, gleich den Decken, mit Holz getäfelt, welches man mit Perlenmutter, Gold und Spiegelglas ausgelegt hat. Das Schlafzimmer war eben so prächtig. Diesen angemessen die Bedienung. Uns wurde Scherbet, Kaffee und Confituren auf schön gearbeiteten Silberservicen gereicht und zum Abschiede die ersprießlichsten Dienste versprochen. Seit einem Jahrhundert schon ist die Familie dieses Juden, die jetzt hier, wie in Akre herrscht, im Besitze ihres Ansehens, welches ihre Mitglieder durch ausgezeichnet Talente zu erhalten wissen, indem sie sich der Negierung unentbehrlich machen, aller türkischen Vorurrheile zum Trotze. Als ich einige Tage später Herrn Rafail besuchte, fand ich ihn von türkischen Kaufleuten, Geschäftsträgern, Arabern und Bauern umringt; es war spät Nachmittags, und nach deren Abfertigung wurde ich von ihm zum Pascha geführt, dem ich meinen Ferman übergab. Ein anderer bedeutender Bankier hier ist Meyer Gabbak, der sich aus Haleb hier niedergelassen. Zum Abschiede gab mir Hr. Rafail noch die nöthigen Briefe mit, welche von dem Mutessilim unterzeichnet wurden". So weit Herr v. Richter über Rafail Farkhi in Damask; nun möge hier folgen, was derselbe russische Reisende über die schon oben unter Haleb erwähnte jüdische Familie Picciotto in Aleppo sagt. „In Haleb angekommen begab ich mich zum russischen Consul Rafail Picciotto, der mir sofort seine Zimmer zur Wohnung anbot, welches ich aber ausschlug. Hr. Rafail Picciotto ist ein Jude, aber mit seiner Familie von dem österreichischen Kaiser in den Ritterstand erhoben worden. Diese Familie verdient allerdings eine konsularische genannt zu werden, La ihre Glieder, außer dem russischen, auch das österreichische, neapolitanische, schwedische und dänische Consulat Hierselbst bekleiden. Ich fand alle, mit Ausnahme des dänischen Consnls, in orientalischem Costume, welchem sie jedoch, wo sie öffentlich erscheinen, einen dreieckigen Hut beizugesellen pflegen, als Zeichen des Europaismus. In diesem war der 31