Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 31 (24.7.1841)
- Article
- The itinerary of Rabbi Benjamin of Tudela ... [Rezension]
- Date
- 1841-07-24
- Page
- Spalte 455-456 (sequence 2)
- Language
- German
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455 Die Masaot des Rabbi Binjamm von Tudela, beurtheilt von M. Sider. 456 min begegnen, so bezeichnet dies am treffendsten die reine Objektivität der Wissenschaft, die den Autorin dem Augenblick, wo er selbst ein Gegenstand der Wissenschaft wird, seine eigene Subjektivität gänzlich vergessen macht. Daß die Neuheit dieser Mittheilungen den andern beiden Eigenschaften nicht nachstehe , wird niemand bezweifeln. Ref. hat vorzüglich die Parthie der Talmude und Midraschim interessirt, weil überhaupt diese Werke noch wenig für empirische Wissenschaft, benutzt sind; so wie manche Notiz über annoch lebende Autoren, deren Verdienste und literarische Sünden mit einer Genauigkeit, wie sie nur bei Zunz zu suchen ist, und die einen wichtigen Apparat für eine künftige Kritik unsrer gegenwärtigen Literatur darbietet. Hierauf werden die vorgeführten Werke in ihrem Verhältnisse zur Geschichte charakterisi'rt, „nach dem dreimaligen Begegnen des jüdischen mit dem griechischen Geiste, dem Emancipator der Nationen." Das vorangestellte Resultat ist auch hier: die Wissenschaft manifestirt sich bei den Juden, wenn Freiheit und Culmr sie umgeben, steigt und sinkt mit beiden, darum ist auch von der nächsten Zukunft am meisten zu hoffen, denn seit der neuesten Zeit haben 18 deutsche Juden mehr über Geographie g-eschrieben, als alle in den verflossenen zehn Jahrhunderten, ob auch keine Anstellung ihre Thatigkeit ganz der Wissenschaft zu weihen zuläßt oder voranlaßt. Auch unter den 140 Personen, welche seit 740 uns Spuren geographischer Studien hinterlassen, waren nur höchstens 7 Beamte, die andern sind 17 Gaonim und Großrabbiner,' 9 Aerzte, wovon 5 Doctores Med., 4 Dottores Phil. (19. Jahrh.), 3 Karat len, 1 Proftlyt, 3 Abenteurer. 96 Kaufleute, Gelehrte, niedrigere Kirchenbeamte, Lehrer, Drucker und — Bettler. — Im ganzen ist dieser Theil der Abhandlung (S. 302 — 7) mehr als ein bloser Abriß der Geschichte der Geographie unter den Juden. Nachdem die ganze Masse der genannten Werke unter mannigfachen wissenschaftlichen Gesichtspunkten eingetheilt und der also der chronologischen Uebersicht eine begrifliche Vertheilung gefolgt (S. 307—14) macht den Beschluß ein alp Hab et. Verzeichniß der Autoren (S. 315 — 17), deren über 210 zu zählen sind, da manche derselben (z. B. Meir Latef mit Jsak Lates) nur Eine N. (62) haben. Den Schluß des zweiten Bandes bildet endlich Zunz's Abhandlung über die Geographie Palästina's nach jüdischen Quellen (S. 448). Diese Abhandlung kann gewissermaßen als eine Ehrenrettung der „jüdischen Quellen" betrachtet werden und die Einleitung (393—7) ist eine Castkgation v. Raum er's — als Prototyp jener Verächter alles dessen, was sie — nicht kennen — wie sie aus der gelehrten und feingespitzten Feder unsers Vorkämpfers für den „Grundbesitz" der jüdischen Wissenschaft weniger überrascht als anzieht. — „Nach feinem Verfahren zu schließen, schein: v. Raumer ein so herrlicher Geograph zu sein, als-er ein guter Christ ist; Ec schreitet in beiden Beziehungen — rückwärts." Nachzuweisen, welchen Schatz von geographischen Notizen v. Raumer, aus Unbekanntschast damit, verachtend zurückweist, dazu soll ein Auszug aus dem Kastor wa-Ferach des Estheri ha-Parchi ^), dem Zeitgenossen Abulfeda's, dienen, obwohl „Parchi kein Professor, von keiner Seite unterstützt oder bezahlt, einer von denen ist, auf die der Raumer'sche Fluch lastet, ein armer vertriebener Jude!" — dessen Drangsale eine rührende Stelle aus der Vorr. (f. 26) bezeugt. — Da aber Pacchi's Mittheilungen und Bemerkungen über Palästina m verschiedene Capp. seines Werkes zerstreut und mit talmudischen Materien vermischt sind, so war es passend, das Wichtigste unter 7 Cap. zusammenzustellen. L Jerusalem (S. 397— 400). II. Betsan Gadara (S. 400 — 4). III. Transjordanische Provinzen (S. 404—12). IV. Hör oder Amana (S. 412 — 20). V. Chorographie (S. 420—42). VI. Bezirke der Stämme (S. 443—5). VIL Besondere Bemerkungen (S. 446—8). Der Text enthält die Uebersetzung der verschiedenen angegebenen Stellen des K. w. F., welche nach ihrem Inhalte zusammengelesen sind. Dieser ist aber von Anmerkungen Zunz's begleitet, die „blos als Führer zu dem Vergangenen, und an einigen Stellen als Winke zu weitern Untersuchungen" (S. 397) gegeben werden. Diese Anmerkungen mögen ungefähr | vom Umfange des Textes ernnehmen, enthalten Notizen aus jüdischen, orientalischen und occidentalischen, ältesten und neuesten Schriften, vervollständigen alle bisher in diesem Fache erschienenen Schriften, und dienen also mitunter auch zur Beleuchtung des Binjamm, den sogar Parchi selbst citirt (z. B. S. 436^). Um dem Leser eine Probe zu geben, wieviel noch für vergleichende Geographie zu schöpfen, und wieviel Zunz in diesem Orte geleistet, nehmen wir eine Stelle mit Weglassung der reichen Citate: „die nordwestliche Grenze bildet der Berg Hör („der unbekannte Berg Hör" Raumer p. 26) bei Saadja Dschebt el Hör. Dieses Gebirge, das DUDD der Talmudisten ist, nicht der Hör Ahrons rc." soweit Pacchi (p. 413). Dazu be- 71) Der Name Esthori (f. „Znr Notiz" w. LB. 22, S. 336.) fand Zunz in der Vorrede des K. w. F. und gesteht, daß alle Gelehrten, vom 17. Jahrh. an bis auf ihn selbst herab, bisher den aus dem Titelblatt genannten Editor, Isaak (Cohen Scholal) für den Ai u t o r hielten. Parchi heißt „der aus Florenz (Andalusien) und Kastor wa-Ferach ist eine Anspielung auf Esthori Ha-Parchi. Interessant ist. es, daß Rosst' (cod. 347) nicht wußte, daß der von ihm Asdodi genannte Autor eben unser Parchi sei. 72) Wir haben in mehren unsecn frühern Anmerkungen diese Anmerk. Zunz zu den frühern Noten verglichen.