Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1841)
- Article
- Preisaufgabe des Cultur-Vereins in Berlin
- Date
- 1841-07-24
- Page
- Seite 210 (sequence 2)
- Language
- German
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210 Bildung dieser Theologen; 3) Gesetze und Verfügungen m Bezug auf deren Anstellung, Amtsverhältniß und Autorität; 4) die Forderungen der Gegenwart, der Meinungskampf und etwanige Vorschläge als Ergebnis; der Untersuchung. Die beste Lösung dieser hier gestellten Aufgabe, d. u die gekrönte Arbeit, erhält von dem Vorstande des Cultur- Vereins einen Preis vo| zweihundert Tliaiern. Die Ztrbeiten werden dem Sekretär des Unterzeichneten Vorstandes eingeschickt, und müssen spätestens am Listen December L8iT eingegangen sein, indem spätere Zusendungen unberücksichtigt bleiben. Die Handschrift muß in deutscher Sprache und deutlich geschrieben, an der Spitze mit einem Motto versehen sein. Dasselbe Motto befindet sich aus dem versiegelten Umschläge eines Zettels, der Namen und Adresse des Verfassers enthält. Den HZ. 8 bis 10 der Statuten zufolge veranlaßt der Vorstand, nachdem die concurrirenden Arbeiten eingegangen drei competente Männer, inner- oder außerhalb des Vereins, mit begründetem Urtheil, die beste so wie die nächstbeste zu bezeichnen und deren Preiswürdigkeit anzugeben. Nur Diejenige Arbeit erhält den Preis, welcher die Preisrichter mit Stimmenmehrheit ihn zuerkennen. Wird eine Arbeit, wenn auch nicht für preiswürdig im Sinne der Aufgabe, doch für die beste erklärt, so kann nach Ermessen des Vorstandes derselben der Preis ganz oder Lheilweise zuerkannt, oder dieser unter mehrere Concurrenten getheilt werden. Ist beides-micht der Fall, so wird kein Preis ertheilt. Nachdem der Preis zuerkannt worden, wird der zur gekrönten Arbeit gehörende versiegelte Zettel geöffnet, die übrigen verbrannt, beides in einer und derselben Sitzung des Vorstandes. Das Ergebnis der Preisbewerbung wird öffentlich bekannt gemacht. Die gekrönte Arbeit bleibt Eigenthum des Verfassers; sie muß binnen Jahresfrist gedruckt werden, widrigenfalls der Druck durch den Vorstand auf Kosten des Vereins veranlaßt wird, ohne weitere Verpflichtung gegen den Autor. Berlin, den 11. Juli, 1841. Der Vorstand des Cnltnr-Vereins, Dr. Zunz, Ludw. Lesser, Direktor. Sekretär. Deutschland. o°Tri ev, 8. Juli. Die hiesige Zeitung No. 177. hat folgenden Artikel: „B i t b u r g (im Regierungsbezirke Trier) 26. Juni. Heute fand eine seltene Feierlichkeit, hier zuverlässig zum erstenmale, statt. Der hiesige sehr geachtete Kaufmann C. Pelzer ließ nämlich auf eigene Kosten eine pergamentene Gesetzesrolle, enthaltend die fünf Bücher Mosis, zum synagogalen Gebrauche unfertigen, zu deren Einweihung viele Fremde aus dem Regierungsbezirke gastfreundlichste eingeladen waren. , Schon gestern Abend, nach dem mit Musikbegleitung ausgeführten Abendgöttesdienste, bereitete der Rabbinatskandidat Moses Heß aus Trier durch eine erbauliche Rede die Gemüther auf das bevorstehende Fest vor, welche auch auf die zahlreich versammelten christlichen Zuhörer einen erhebenden Eindruck machte. Doch die eigentliche Festrede wurde erst heute gehalten, welcher der königliche Landrath, der Oberbürgermeister und die übrigen Honoratioren des Ortes beiwohnten. Nach Beendigung der Rede stattete der Landrath, Herr Thilmany, dem gedachten Herrn Heß aus Trier seinen Dank ab für die herrlichen und patriotischen Gesinnungen, die hier ausgesprochen worden, und äußerte hieraus bei einem Toaste den Wunsch, der Geist, welcher in dieser Rede herrschte, möchte die Versammlung immer beseelen." Da ich nun daselbst gegenwärtig war, so hatte ich Gelegenheit Manches wahrzunehmen, was unsere Zeit und Gegend charakterisirm mag. Besonders siel hier das freundliche Benehmen zwischen Juden und Christen aus. Denn da der Herr Pelzer in seinem Hause nicht alle diese emgeladenen Gaste aufnehmen konnte, so erboten sich viele Christen— Israeliten wohnen nur wenige da — jene zu beherbergen. Und so räumte denn der Dechant einer-katholischen Pfarrei dem Rabbinatskandidaten Heß aus Trier seine schönsten Zimmer mit der größten Bereitwilligkeit ein. Das Wort Jude, welches hier fast gar nicht gehört wird, schien überhaupt seine, ihm oft beigelegte, Gehässigkeit verloren zu haben. Die innigste Theilnahme von Seiten der Christen an dem jüdischen Feste kam weder den heimischen Juden noch den Christen auffallend vor, so daß man glauben sollte, es wäre immer und allenthalben so gewesen. Auf meine Erkundigung nach dem Zustande des Ackerbaues bei den Israeliten, erfuhr ich, daß letzterer überall in unserm Regierungsbezirke im Zunehmen ist, wie ich dieses denn auch von meiner eigenen Umgebung und meinen nächsten Verwandten bezeugen kann. Selbst die Armen, welche kein eigenes Land besitzen, pachten solches, um das Nöthigste für ihre Haushaltung mit dem Schweiße ihres Angesichts dem Boden abzugewinnen. Solches scheint zuträglicher, als um den Tagelohn für andere das Feld zu bearbeiten, welches neulich in guter Absicht, aber irrtümlicherweise, den Israeliten unserer Gegend angerathen worden. Der Iugenduntern'cht hingegen liegt noch sehr im Argen und würden die schulpflichtigen Kinder nicht vermöge der Landesgesetze die Elementarschulen besuchen müssen, so wäre es hiermit in unserm Lande noch an den meisten Orten wie allenthalben in Deutschland vor fünfzig Jahren. Man findet da noch immer Menschen, die nur deshalb Lehrerstellen suchen und erhalten, weil sie" zu Nichts in der Welt Laugen. Mehrere Gemeinden, die wohl einen ordentlich geprüften Lehrer zu halten im Stande sind, lassen ihre Kinder lieber von einem Individuum, das nichts weniger als Lehrer ist, blos weil er zu nichts Anderm fähig ist, unterrichten. Dazu tragt vorzüglich die Scheu vor einem Lehrer bei, den man, einmal angenommen, nach den Gesetzen nicht mehr nach Belieben entlassen kann. Man zieht gar nicht inBetracht, daß die Schüler nur auf diese Weise wahrhafte Bildung erlangen können, sondern denkt blos an den unerträglichen Zwang. Veranlaßt wurde allerdings dieses Vorurtheil durch einige von der Regierung bestätigten Lehrer in hiesiger Gegend, welche weit entfernt sich als Untergebene ihrer Gemeinden zu