Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1841)
- Article
- Preisaufgabe des Cultur-Vereins in Berlin
- Date
- 1841-07-24
- Page
- Seite 209 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang1. Berichte, Studien «qd Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt beiallen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Iabr. ffit jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von IVi Julius Fürst. Don dieser Zeitschrift - erscheinen wöchentlich, . das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. JVl 30* Leipzig, den 24. Juli 1841» Preisaufgabe des Cultur-Vereins in Berlin. Diese ist: „Was war, was ist, und was soll der Rabbiner seinDer Preis ist 200 Thlr. — Deutschland. (Trier, jüd.-religiöses Fest in Bitburg. M. Heß. Ackerbau unter den Juden im Trierschen. Dresden. Lasten und Geldverlegenheiten der Gemeinde.) — Ungarn (Leipzig, üb. Bedürfnisse d. Gegenwart in Ungarn» Rabbinen-Collegien. Seminarcen.) — LB. d.O. — Dazu Titel und Inhalt zu Nr. 26. IS* Preisaufgabe *^8 des Gultur - Vereins in Berlin. §)er jüngst in Berlin gestiftete Cultuv-Verein zur Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Bestrebungen unter den Juden, ist, indem er den §. 2 Nr. 4 seiner Statuten, Preisaufgaben zu stellen, welche eine besondere Beziehung auf Juden haben, hiermit zum ersten Male in Ausführung bringt, von der Ansicht geleitet worden, daß er eine Frage vorzulegen habe, deren würdige Beantwortung für Wissenschaft und Leben gleich ersprießlich sei. Als Gegenstand einer solchen Frage, bedeutsam in den Beziehungen zu dem religiösen und zu dem bürgerlichen Leben dev Juden, daher reich an Theilnahme und vielbesprochen, und dennoch einer wissenschaftlichen Aufmerksamkeit noch sehr bedürftig, erscheint uns das Rabbinerthum, oder: Bedeutung, Stellung und Wirksamkeit der jüdischen Rabbiner. Als geistliche Führer der Gemeinden bilden sie ein bedeutendes Moment in den Bewegungen, die im Schooße derselben und auf dem Gebiet der theologischen Literatur sich kund geben; ihre Befugnisse beschäftigen die Behörde, ihre Wirksamkeit das Interesse der Gemeinde. Und doch ist Nichts so schwankend, als die Meinung über Bedeutung und Wirkungskreis der Rabbiner, als die Ansicht von dem gegenwärtig an dieselben zu machenden Anforderungen. Ist demnach eine klare Einsicht in das Wesen des Räbbinerthums in unsrer Zeit höchst wichtig, so kann solche nur wissenschaftlich und zwar auf geschichtlichem Wege erlangt werden; erst wenn wir erfahren, woher diese Institution stammt und wie sie sich entwickelt hat, was sie den früheren Zeiten gewesen, in welchem Verhältnisse sie zu den Bedürfnissen und der Verfassung der Gemeinde gestanden, erst dann erhalten wir das Verständniß von dem, was heute geschieht, und erkennen das Recht und das Rechte für unsre eigne Zeit. Demzufolge macht der Cultur-Verein die historische Erörterung des Rabbinerthums zum Gegenstände dieser seiner Preisaufgabe, und fordert zur Beantwortung der Frage auf: „Was war, was ist, und was soll der Rabbiner fein?" Es wird eine, aus Quellenstudium hervorgegangene, die Quellen nachweisende, wissenschaftliche Darstellung verlangt, die Aufschluß giebt über Ursprung und Fortgang der Rabbiner-Institution; über die religiöse Bedeutung der Rabbiner und deren Stellung zu Gemeinde und Vorstand; über ihre Amtstätigkeit als Communalbeamte, Richter, Geistliche, Lehrerund Prediger; ihre Vorbildung, Qualisication, Erwählung, Anstellung, Einkünfte und Gerechtsame; endlich ihre Wirksamkeit und ihren Einfluß im Allgemeinen. Irr der geschichtlichen Betrachtung sollen die verschiedenen Zeiträume, und, wo der Gegenstand es erheischt, auch die verschiedenen Lander berücksichtigt werden. Bei der neuern Zeit wird die Erörterung folgender Punkte erwartet: 1) Beruf und Stellung des jüdischen Theologen nach allen Richtungen seiner Wirksamkeit, auch in seiner Eigenschaft als Mitglied eines Eollegiu ms (Rabbinat, Consistorimn, Synode); 2) die vorhandenen oder die erforderlichen Anstalten zur 30