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Der Orient · 1841-07-17 · Heft 29 (17.7.1841) · p. Seite 206

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 29 (17.7.1841)
Article
Smyrna: türkisch Ismir. Das jüdische Quartier ...
Date
1841-07-17
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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206 6 bis 7000 an, die einheimischen Juden jedoch auf 10,000, und sie verdienen hieein jedenfalls' mehr Glauben. — Wie die Synagogen unter den Gebäuden, eben so macht das Bet Ha-Kebarot oder der jüdische Friedhof eine Ausnahme. Dieser ist wahrhaft würdig und schön; er liegt terassenartig und nimmt sich schon von Ferne sehr gut aus. Er stößt hart an den Lodtenhof der Türken. — Von dem Geiste der ganzen jüdischen Bevölkerung wird das eine als Charakteristik hinreichen, man glaubt sich in eine Stadt Litthaums versetzt. Der Aberglauben hält die Gemüther gefangen, und die Unwissenheit sungirt als Rabbiner. Als am 12. Decbr. vorigen Jahres her Hattischerif von Gül-Chane verkündet wurde, fehlten freilich auch die Juden bei dieser großen Komödie nicht; die.Rabbinen und die Kinder der Talmud-Tora-Schule eröffneten sogar den Zug, allein mit den Worten des Vorlesers ist auch der Sinn der islamitischen Charte verschwunden und der Haß allein ist geblieben. Der Türke, der selbst Knecht ist, freut sich über den Juden herrschen zu können. — * CovfU (Hauptstadt auf der Insel gleichen Namens in den Vereinsstaaten der jonischen Inseln). Unter den 16,000 Einwohnern Corfu's zählt man gegenwärtig e. 3000 israelitische Familien, die so ziemlich in Wohlstand leben. Unter den unmittelbaren Schutz Englands gestellt, genießen auch die Israeliten dieselben Freiheiten, wie die englischen Juden, ja selbst als Mitglieder zu der aus 29 Deputaten bestehenden Volks- Versammlung haben Juden den Zutritt, wie der bekannte Oberrabbiner Rafael Vivas, der vor einem Jahre einen Theil Europa's bereist, ein Mitglied dieser Versammlung ist. Der Haupthandelöartikel der Juden besteht in Oel, wozu der reiche Oelbau die natürliche Veranlassung giebt; aber auch die Handwerke sind ausgebreitet, und die praktischen Wissenschaften, wie Medicin und Jurisprudenz (als Juristen sind sie bis jetzt nur Solicitoren), haben hier wie in Europa Eingang gefunden. Wenn aber unter ihnen weniger Gelehrte im Fache der jüdischen Literatur sich finden, so liegt der Grund mehr in der allgemeinen praktischen Richtung der Bevölkerung als irr Unempfänglichkeit der Einzelnen. Die größte jüdische weit und breit berühmte Bibliothek besitzt' der erwähnte Rabbiner Vivas, der in Livorno geboren und großgezogen den italienischen Sinn für Sammlungen urn so eher bewahrt hat, als ec von Jugend auf den Studien oblag und auch mit Vermögen dazu gesegnet war. Vorzüglich reich ist seine Bibliothek an kostbaren Handschriften und trefflichen philosophischen Werken. In Bezug auf das synagogale Ritual folgt die Gemeinde ganz den Sefardim mit höchst unbedeutenden Modisicationen, nicht aber, wie einige aus Unkenntniß haben glauben machen wollen, den Italienern, obgleich es wahr ist, daß nächst der neugriechischen Sprache die italienische am vorherrschendsten ist. Daß die Corft'otische Gemeinde wie jede andere wohlthätige Anstalten besitzt, versteht sich bei einer so wohlhabenden Gemeinde von selbst, aber Elementarschulen nach europäischem Sinne besitzt sie nicht, und erst jetzt geht die Gemeinde damit um, auf Veranlassung des nun wieder anwesenden R. Vivas, dergleichen einzurkchten. Unter den fünf Synagogen, welche in Corfu sind, ist die Hauptsynagoge sehr alt, und. der Volksglaube gibt ihr ein Alter von 500 Jahren, so daß sie 1300 gebaut sein muß. Jndeß ist dies möglich, obgleich Binjamin von Tudela über ein.Jahrhundert zurück nur einen Juden mit Namen Rabbi Josef auf dieser Insel (OWNj? ''dr) gesunden. — Auf der Insel Zante (in demselben Vereinsstaate) leben c. 2000 Juden, bei einer Bevölkerung von 40,000, und ihr politisch - bürgerlicher Zustand ist dem auf der Insel Corfu gleich. Diese Gemeinde ist fast eben so alt, und mehrere Zandioten zieren unsere Literaturgeschichte. Ungarn. Leipzig, Ende Juni. Die Verhandlungen des letzten ungarischen Landtages über die bürgerliche Gleichstellung der Juden haben den Israeliten daselbst einen solchen Aufschwung in ihrer innern Entwickelung gegeben, daß wir mit Vergnügen die Wünsche und Hoffnungen eines Landsmanns, des Hrn. Dr. Daniel Ehrmann, niedergelegt in einer Broschüre: „Betrachtungen über jüdische Verhältnisse" (Pest, 1841), vernehmen, die in klarer, trefflicher Uebersichtlichkeit in dem speciellen Aufsätze: der ungarische Landtag im Jahre 1640 ausgesprochen sind. Dieser treffliche Aufsatz lautet: „Die hochherzige Nation der Magyaren hat durch ihre edlen Repräsentanten m den Landtagssitzungen des verflossenen Jahres die bürgerliche Gleichstellung der Juden ausgesprochen. Dieser den Begriffen der Civilisation und den Fortschritten der Intelligenz schuldige Tribut wurde von den wahrhaft aufgeklärten und gänzlich vorurtheilsfreien Vertretern der Nation mit einer so großartigen Würde, mit einem so unvergleichlichen Edelmuthe dargebracht, daß die Verhandlungen über diesen Gegenstand, abgesehen von ihrem Erfolge, in den Annalen des Fortschritts einzig in ihrer Art dastehen, und einen neuen Beweis liefern, welche herrlichen Früchte das geistige Aufblühen eines Volkes verspricht, dessen hoher Werth so lange nicht die gehörige Würdigung erhielt. In den meisten Staaten, wo die Emancipation der Juden zur Sprache kam, scheiterten die eifrigsten Bestrebungen der besten Köpfe und trefflichen Menschenfreunde, die das Interesse unserer Glaubensgenossen vertheidigten, an den Motiven, die eine so wichtige Frage der Zeit in Anregung brachten, Motive, die an und für sich erfreulich sind, die eine magische Kraft besitzen, die Herzen zu gewinnen, die wirklich in manchen Staaten durchdrangen, die aber nicht in philosophischem Nexus mit dem zu erreichenden Zwecke stehen, und daher denselben oft verfehlten. Zur nähern Verständniß muß ich ein wenig ab ovo beginnen. Der jetzige Beruf Israels ist dem Geschichtsforscher ein Problem, dessen Lösung viele Schwierigkeiten darbietet. —- So lange es noch seine ungeschwächte Nationalität besaß, so lange es unter Heiden und Götzendienern die Fackel der Gotteserkenntniß trug, da war seine Eristenz zur geistigen Weltentwicklnng nothwendig, und als Missionär zur Verbereitung des Monotheismus wurde es vom lieben Herrgott mit dem Lande „das Milch und Honig fließt" besoldet, aber seitdem welthistorische Unfälle, deren Erzählung außer dem Bereiche dieser Abhandlung liegt, diese Nationalität zerstört, seitdem ein Zusammenfluß trauriger Umstände die Nachkommen Jakobs nach allen 32 Winden zerstreute, schien man sich solcher armseligen Würdenträger zu schämen, und selbst diese Charge der Proselytenmacherey am Hofstaate des Himmels entbehrlich zu finden. Man mußte daranf bedacht sein, diese quiescirten Beamten für die treue Erfüllung ihrer Pflichten zu belohnen — da ist der Knoten. Ich bin überhaupt nicht geneigt, jeder Nation eine eigene Tendenz als Mittel zum Zwecke der Heranbildung des einzelnen Menschen anzuweisen, weil einerseits schon jede Nation die allgemeine Tendenz hat, daß sie Nation ist, anderseits, weil die Heranbildung des einzelnen Menschen nach dem lex parsimoiiiiae unmöglich mit so vielem Aufwands von Mitteln erzielt werden darf. Der Gelehrte aber, der sich um die Cultur seines Landes Verdienste erworben hat, wird, sobald seine Bedienstung entbehrlich ist, entweder mit dem Titel „Hofrath" in Ruhestand versetzt, oder zu einem mit weniger Beschwerlichkeiten verbundenem Amte berufen. — Aber was ist der Beruf des heutigen Judenthums? Den Fluch dar Unter-

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