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Der Orient · 1841-07-10 · 28 (10.7.1841) · p. Spalte 429-430

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
28 (10.7.1841)
Article
Gedanken über Religionsphilosophie und Judenthum
Date
1841-07-10
Page
Spalte 429-430 (sequence 2)
Language
German
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429 430 Julius Friedsohn: Gedanken über Religionsphilosophie und Judenthum. ruft jener Weise aus, „das sich vergebens abmühet, etwas zu glauben, was sein oberer Kollege — der Kopf — unbedingt verwirft." Andererseits durften die religiösen Zeremonien eben so wenig allgemein faßlich und bloß für den Kopf berechnet sein; denn diese würden das Gemüth eben so kalt zurücklassen, als eine kahle logische Definition oder eine algebraische Formel. — Noch ein anderer Umstand ist überdies hiebei zu berücksichtigen; nämlich, die religiösen Zeremonien sollen ja immer auf die religiöse Idee zurückführen, wie man etwa ein Zeichen auf dem Felde aufstellt, um einen darunter vergrabenen Schatz anzudeuten. Hatten jene ihre eigene selbstständige Bedeutung und ihren eigenen Glanz, so würde es Niemandem einfallen, noch hinter diesem glänzenden Aeußern ein noch schöneres Innerehinter diesem blendendem Schimmer ein noch helleres intensivere Licht aufzusuchen; man würde am Aeßeren, an der Zeremonie hasten bleiben und das Inneredie Idee, ginge für uns verloren, wie wir dieses in der heidnischen Kultur auf so mannigfache Weise bewährt finden. Andererseits aber durften die Zeremonien, wie in unserm Beispiele des vergrabenen Schatzesnicht ganz unansehnlich sein, well es sonst unbeachtet geblieben wäre, und nicht den aufmerksamen Blick des Beobachters aus sich zu ziehen vermöchte^ denn wer würde hinter dem Unansehnlichsten das Erhabendste, wer unter gemeinen Erdschollen gediegenes Gold aufsuchen wollen? — Die große Aufgabe jeder positiven Religion überhaupt ist also klar — das Iudenthum hat öiese Aufgabe vollkommen gelöfet; denn es ist die vergeistigteste positive, aber doch auch keine kalte Vernunftreligion. Es hat rellgiöse Zeremonien und Formen, die farbig und bedeutsam genug sind, um das Dasein einer von ihnen umhüllten Idee unverkennbar anzudeuten, aber doch nicht so sehr in die bunte Sinnlichkeit herabgezogen, um den Blick des Geistes für sich ganz zu absorbiren. — Einen einzigen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, einen GottZebaot (nldW "'), lehrt uns das Judenthum. Dies ist die klarste Quelle, aus welcher der reinste Monotheismus hervorquillt. — Gott ist das ewige Sein (rpHK liäW mnu), aller Welten Leben (in die unendliche Güte (non und der g erechte Richter (pv?tj bti) :c. Dieses alles sind eigentlich die ewigen Dogmen einer klaren Vernunft religio n, aber dabei hat das Judenthum nicht sein Bewenden. Israel wurde auserkohren von allen Völkern der Erde, um diesem großen Gotte näher zu stehen. Es wird sein Volk, sein Priesterreich, um mit der Fackel der Wahrheit allen Völkern der Erde voran zu leuchten; eine heMge Nation, um die Heiligkeit und Majestät Gottes auf der Erde zu verkünden (2>np 'Ui D'jrp rchüü h von ßnni). — Der raison»,- renden Philosophie klingt es freilich etwas fabelhaft, daß der Herr von Miriaden Welten., gegen welche die kleine Erde als ein Sonnenstäubchen verschwindet, daß Er, eine kleine mesopotamische Familie zu seinem Volke erwählen sollte, um in dessen Mitte in einem ihm geweihten Tempel als Königlein (regulus) zu rcfibtim Aber, frage sch, konnte denn die Idee einer positiven Religion,, der Sinn einer gemeinsamen Verbrüderung je aufkvmmen, wenn nicht diese besondere Beziehung zwischen Gott und Menschen, hier zwischen Gott und Israel, hervorgehoben wäre?— Von einem nationalen zu einem localen Gotte ist ein großer Unterschied; dieser ist vernunftwidrig, jener aber nicht. — Die locale Gottesverehrung ist der Charakter des Heidenthums, die nationale hingegen diejenige, welche Judenthum und später alle übrigen geoffmbarten Religionen haben. Der nationale Gott des Judenthums ist zugleich der Gott der Geister alles Fleisches (vttvW W hd? mnnn), der Herr der ganzen Erde (pun to jnx) und insofern der Mensch als Individuum und nicht bloß als Gattungsglied seinen besondern Standpunkt im Universum einnimmt, und daher der Mensch dem Menschen nicht wie öie Biene der Biene, oder wie die Eiche der Eiche gleicht, kann immer eine besondere Bevorzugung einer Familie oder eines Volkes neben der Idee der allgemeinen Gottherrschast wohl bestehen. Hingegen kann ein Gott dieses Berges oder jenes Thales, dieses Baumes oder jenes Strauches, unmöglich zugleich ein Gott der ganzen Erde sein, weil in .keinem Wesen der Erde außer dem Menschen, die Möglichkeit einer sittlichen Gradation, wodurch allein ein Geschöpf der b e s o n d e r n A u s z e i cfi n u n q von Seiten des Schöpfers sich erfreuen könne, vorhanden ist. Der Gott dieses Berges ist also auf dm Fluren jener Ebene nicht mehr zu Hause; wir können sie nur in den Thälern bezwingen, denn ihr Gott ist der Gott der Berge D'nnn infcfi* D’ipDJjn V1&N), meinten daher die Heiden. — Ferner, war im Heidenthume der Locale Gott ein Eigenthum des Volkes, das ihn verehrte, hingegen findet im Judenthum das Umgekehrte statt. Israel ist ein Erbtheil, ein vorzügliches Eigenthum Gottes, und das kann's neben der göttlichen allgemeinen Weltherrschaft wohl sein, aber nicht umgekehrt. Jehova ist keineswegs ein ausschließliches Eigenthum Israels, sowie etwa der Baal der Gott derPhilistaer und der olympische Jupiter der Gott der Hellenen war, d. h. ausschließlich nur ihnen angehört hatte. — Und gesetzt, die Nationalauszeichnung der Israeliten wäre wirklich eine Fabel, — was übrigens keiner von uns zugeben darf und wird — so sehet doch wie tolerant, wie unschuldig, wie rein menschlich sie ist! Denn neben jener Ernennung Israels znm Priesterreiche Gottes, was folgt darauf „doch mein ist die ganze Erde" pNH 'b O d. h. „Ich dm Vater aller Menschen, Alle seid ihr meine Kinder, es giebt unter euch keine a l l e i n s e'! i g m a ch e m d e Re! i g L o ns g e m e i n s ch a f t, und anderswo „denn auf allen Orten wird mir geräuchert und geopfert und reine Gabe dargebracht". Ferner „wo man meiner gedenkt, da segne ich das fromme Gemüth." (Ende des ersten Paragraphen.)

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