Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1841)
- Article
- Palästina: Dreißig Tausend Juden in Palästina
- Date
- 1841-07-10
- Page
- Seite 201 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360176-2365911--1871-2365935- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Zweiter Jahrgang. SfIIS: Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirtbei allen löbl. Postämtern And allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr.. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Für st. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblattmitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. *88» Leipzig, den 10. Juli 1841. Orient. Palästina (Dreißig Tausend Juden in Palästina. Zehn Kehilot daselbst. Versammlung in Carlow für eine jüdische Kolonisation Palastiira's. Schreiben an Palmerston. Antwort.) — Deutschland. (Hannover. Das Iudengesetz in den Kammern. Ehen zwischen Luden und Christen.) — Ungarn (Szent-Miklos. Replik. Ueber Errichtung von Elementarschulen.) — Lichtu. Schattenbilder aus der jüd. Gesch. d. G-egenwart: Iüd. Zustande in Italien. Die Gemeinde in Mantua. LB.d.O. S t i nt t II Palästina. Mehr als sonst zu irgend einer Zeit, das kreuzzügliche Mittelalter nicht ausgenommen, sind jetzt die Blicke aller Welt auf Palästina gerichtet, auf das heilige Land, auf das Land der Israeliten, das man jetzt unter dem Namen Syrien mitbegreift. Palästina ist der eisernen Herrschaft Mehmed M's entrissen, dem tyrannischen Joche Ibrahims und seinen grauenhaften Erpressungen für immer entzogen; dafür garantiren die vier größten Machte Europa's, daffir bürgt die welthistorische, wunderbare Entwickelung, die sich in diesem Lande der Wunder zu enthüllen beginnt. Aber nicht für Abdul Medstzid, für den Sultan zu Konstantinopel, überhaupt nicht für Len Islam hat die (Zivilisation und die Gesittung Europa's gesiegt; denn das wäre ein unverantwortliches Vergehen gegen den Fortschritt, gegen die Geschichte und gegen die Sympathien der Volker, die immer mächtiger und bewußter erwachen und vor deren Gewalt nichts bestehen kann. Die Versuche der Türkei, dieses Land als Provinz des großen Sultanreiches zu betrachten und eine türkische Herrschaft zu orgamsiren, ist nun nach den neuesten Nachrichten gänzlich mißlungen, nicht so schnell schlummert das erwachte Gewissen der Völker wieder ein, und überdies ist der Islam ohne belebende Kraft und dem Untergänge anheimgefallen. Das heilige Land ist buchstäblich herrenlos, es ist eine Zeit, in der nicht König, nicht Herrscher, nicht Richter in dem Lande Israel waltet; die türkischen Beamten werden von den Einwohnern aus dem Lande gefegt; denn eine Regierung, die nicht Kraft hat zu schützen, wie will sie das Recht geltend machen zu herrschen? Die Völker des Libanon, die Maromten und die Drusen, sie fühlen, daß sie in diesem Lande geboren und wollen sich nicht mehr neigen vor einem fremden Stamme, das sich bei einer Unmündigkeit Europa's eingedrängt; die verschiedenen christlichen Bekenner PakSstina's wollen frei in ihrem Glauben, ungehöhnt in ihrem Gottesdienste und unbeschränkt in ihren Sitten leben; und schon leben sie so. Die Anwesenheit 'der großen und mächtigen englischen Flotte gewährt ihnen hinlänglich Schutz vor Gewaltthat, und im Diwan zu Konstantinopel haben die vier Machte bereits die Berathung oder vielmehr Beschließung aufgegeben, die bereits existirende Religionsfreiheit der Christen gesetzlich auszusprechen. Was geschieht aber für die jetzt vorhandenen dreißig Tausend Juden im Lande ihrer Vater? Wer nimmt sich der armen jüdischen Gemeinden an, die da in Jerusalem, Hebron, Liberia, Safed, Jaffa, Kaifa, Tyr u s, S i d o n, A kr e, Nablus und in den D o rfsch a ften Galiläa's (Kasir-Birchom, Merona, Jermach, Berkah u. A.) recht- und schutzlos wohnen, und eben deshalb in Armu.th verkümmern? Unsere Großen und Reichen bis jetzt noch nicht; denn die Aufopferung ist groß und der Dank oder der Lohn gering. Die vier Mächte aber auch nicht; denn warum sollen diese etwas thun, was man von ihrer unverantwortlicher Lauheit nicht verlangt. Die Gemeinden selbst, die zehn Kehilot, fühlen zu sehr, daß sie mehr als bloße Religionsfreiheit zu fordern haben; sie die da wohnen im Lande ihrer Vater, im Lande, das ihnen Gott gegeben bis auf ewige Seiten. Auch die Völker fühlen dasselbe, sie sprechen es laut aus in ihren Sympathien für Israel und ihr heiliges Vaterland, und wenn die Großen Israels für diese Sache etwas thun wollen, so werden sie bei den vier Mächten ein offenes Ohr finden. England zeigt sich auch hierin praktischer und für die Auferstehung des heiligen jüdischen Landes begeisterter vor allen andern Völkern, und nicht ohne Wirkung können Englands Schritte in dieser Beziehung bleiben. In Carlow bei Dublin ward am 22. Febr. d. I. eine öffentliche Versammlung gehalten, um die Nothwendigkeit, in der gegenwärtigen Lage der Umstände kräftige und gemeinsame Schritte zu thun, wie die dermalige englische Regierung dringend zu ersuchen sei, den Juden in Palästina mit allen ihr jetzt zu Gebote stehenden Mitteln vollkommenen Schutz zu sichern und für sie gänzliche bürgerliche und religiöse Freiheit zu erwirken, — in Berathung zu ziehen. Der ehrwürdige Decan von Leighlin hatte den Vorsitz, und folgende Beschlüsse wurden gefaßt: : 1) Daß nachdem der Allmächtige das Land Palästina vorzüglich durch die brittischen Waffen von der Macht der Egyp- 28