Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 24 (12.6.1841)
- Article
- Paragraphe zum Verständnis des mündlichen Gesetzes
- Date
- 1841-06-12
- Page
- Spalte 359-360 (sequence 4)
- Language
- German
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359 Paragraphe zum Berständnkß des mündlichen Gesetzes. Uebec die Pijutim v. Dr. Aniani. 360 , 3 hören: 1) die Rabbot, eine weitschichtlge, ausführliche exegetische Hagada zu Pentateuch und fünf Megillor, 2) Tanchurna oder Jelamdenu zum Pentateuch, 3) eine hagadische Exegese zu dm Psalmen, den Sprüchen und einigen Kapiteln des Samuel, betitelt 2ii0 ‘Ujift', 4) die Pesikta zu den Haftara's, 5) Barajta des Rabbi Elieser, oder vr>;p*iD, 6) Jalkut über die ganze Schrift. — Alle genannten Klassen der Hagada haben ihren Ursprung in der Act der Auffassung des Gesetzes. Das Streben, das Alterchum aufzufasseu und zu repcoduciren, schuf die Targumim , die Betrachtung des Gesetzes in seiner praktischen Gestalt rief die HaLacha und die aus Halacha bestehenden Schriften (Kr£*]2 Nnbo, nDDr nidd, wd, ins Leben, die Sage und die Geschichte lockte die historische Hagada hervor, und die Betrachtung und die Lehre die ethische Hagade. Zu der ethischen Hagada gehört nna yiD, eig. nQN (^d). (Wird fortgesetzt.) Heber die Pijutim, gesammelt und zugerufen dem Geschlechts dieser Zeit von ABiam Iben Seliemicla. (Fortsetzung) ») Jbn-Eöra (1090 — 1170). Bei Jbn-Esra zu Kohelet 5, 1 heißt es nach einer getreuen Übersetzung wie folgt: „Ich erachte es für höchst unerlaubt, Pijutim, deren ursprünglichen Sinn man nicht mehr versteht, unter die angeo-rdneten Gebete aufzunehmen. Wer könnte oder wollte sich überhaupt auf die eigentliche Meinung der Verfasser derselben jetzt noch stützen. Da sowohl sie selbst, — das Loos mit allen Sterblichen gemein habend —- als ihre späteren Abschreiber sich geirrt haben könnten. So lassen sich z. B. gegen die Pijutim des Rabbi Elieser Ha-Kalir folgende vier Punkte aufstellen, die wohl schwer zu widerlegen sein möchten. 1) Sind feine Pijutim Ln parabolischen, sprichwörtlichen Redensarten geschrieben; und zufolge eines solchen Styls, dürste eben so gut eine 'Gebetformel lauten: Gelobt seiest Du Löwe, nach jener Bibelstelle „Gott brüllt wie ein Löwe". 2) Ist die Sprache dieser Pijutim mitunter die Sprache des Talmuds, so wie es auch allgemein anerkannt ist, daß diese keineswegs rein hebräisch ist, wie daher die Rabbi- ' nen selbst lehren : die Sprache der heiligen Schrift ist wesentlich verschieden von der, in welcher der Talmud abgefaßt ist. O, über den verderblichen Mißbrauch, in 4iner profanen Sprache zu beten! Hat ein Nchemia das damalige Israel aufs Strengste getadelt wegen des asdodischen Dialekts, wiewohl es dessen sich nur im 3 gesellschaftlichen Leben als Sprache des Umgangs be- '1 diente, um wie viel mehr erst trifft uns mit Recht jener harte Verweis, wenn wir uns dessen sogar zum; Gebete bedienen wollten. Warum frage ich, warum nehmen wir "das vorgeschriebene Gebet nicht zum Muft ster, da es doch durchgängig rein hebräisch ist, und warum wollen wir in einer Sprache betend die [; zusammengesetzt ist ans medischen, persischen, edomitischen und israelitischen Dialekten! 3) Sind selbst die hebräischen Wörter darin fehlerhaft, indem dabei weder von den Schreibnoch Sprachregeln richtiger Gebrauch gemacht ist, wie (hier folgen Exempel), und dennoch beten wir täglich nach Vorschrift unserer ältesten Lehrer: „O Gott fei du mit den Vorbetern in deinem Volke Israel, auf daß sie nicht in ihren Vortragen in der Sprache straucheln". %— 4) Sind alle diese Pijutim voll von Midraschim und Agadot, und ist von ft den Rabbinen schon in Beziehung auf die Erklarungsft weift der heiligen Schrift der Lehrsatz aufgestellt: Die ft einfachste sei die richtigste, um wie viel mehr erst; sollten und müßten wir uns im Gebete einzig und allein der einfachsten und nicht der gcheimnißvollen, parabolischen Redenweift bedienen!...... Der Fehler in den Pijutim sind so viel und viele, daß ich mir nicht einen unter tausend erklären kann; ich finde es daher am ft Richtigsten, daß außer den vorschriftsmäßig angej ordneten Gebeten (der großen Synagoge) Niemand sie beten sollte, obgleich jene auch nur wenige sind, so ist's doch besser, als durch eine größere Zahl sich die Strafe i Gottes zuziehen". So Ibn-Esra. 5 b) Mosche!) Moimuni (1133—1206). ft In den Gutachten des Maimuni, betitelt Peer ha-Dor, Gutachten 64, kommt über Pijutim Folgen- 8 des vor: „Auf die Frage: inwiefern man recht daran j rhue, das tägliche Gebet zu unterbrechen durch das Sagen der Pijutim und dergleichen zwischen den Segenssprüchm vor und nach Schema-Lesen, erwiederte dieser wie folgt: das vorgeschriebene Gebet darf auf keinerl lei Weift durch Nebengebete unterbrochen werden, | denn anderer Dinge halben darf ein heiliges Gebet l weder unterbrochen noch inne gehalten werden"! i In demselben Werke, Gutachten 129: „Auf die Frage: jj ob man etwa noch langer gestatten ftlle, den leider so - sehr um sich gegriffenen Gebrauch, zwischen die Segens- E sprüche vor und nach Schema-Leftn im Morgen- und [j Abendgebete, Lobgesange und Lieder, Hymnen für Neuvermählte und Beschneidungen, einzuschalten, insbesondere den Mißbrauch an den Festabenden das sogenannte M araboc fmmyD) ins Abendgebet emzuschalten, wodurch die meisten Gemeindeglieder in die größte Verwirrung geralhen und kaum wissen, ob der Vorsänger die Berachot oder die Pijutim vortragt, und so unmöglich mit