Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 23 (5.6.1841)
- Article
- Von der Zeitrechnung
- Date
- 1841-06-05
- Page
- Spalte 345-346 (sequence 3)
- Language
- German
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Die' neueste Ausgabe des Kusari van M. Sider. 346 343 welche (Zeitdauer) also jedesmal einen Lag für den vorletzten Himmel geben muß, 24,000 irdische Jahre. Um nun endlich vollends zu den das All umfassenden, größten^ letzten Himmel zu kommen, so wisse, daß die Zeit, in der er mit seinem Lichtmeer den vorletzten Himmel und mit diesem zugleich Alles anderewas dieser wiederum einschließt, umkreist, 50,000 Erdenjahre betragt. Wisse, daß der Tag ein Cyclus ist; da nun aber ein Eyclus einen solchen Anfang haben muß, in den sein Ende wieder zurück laufen kann , so entsteht auch der Tag durch den einmaligen Kreislauf der die Erde zunächst umgebenden Sphären, dessen Ende zugleich sein Anfang ist. Dagegen spricht nicht, daß der Tag in zwei Tyeile, in Tag im engeren Sinne und in Nacht zerfällt, weil diese Erscheinung nur von dem Auf- und Untergang der Sonne bewirkt wird. Denn der erste Tag, welcher bei genanntem Kreisläufe der Sphären für die Erde entstand, trat ein, ohne daß dabei zugleich durch die Sonne Licht und Finsterniß wäre vorhanden gewesen. Dies geschah erst, nachdem die Sonne geschaffen worden war. Beides übrigens, sowohl der allererste Tag, als auch die Existenz und der Aufgang der Sonne, trat in Zeichen des Widders ein. Noch ist zu bemerken, daß jeder Tag im Paradiese 1000 Jahre und eine Stunde dieses Tages 83 Jahre 4 Monate nach unserer Art zu zählen beträgt. Diese letzteren Bemerkungen habe ich compendiarisch aus meinem Buche genommen, welches betitelt ist: „Das Buch dessen, der der Nützlichkeiten Sternenglanz verbreitet und'aus dem Meere seiner Eröffnungen die schönsten Perlen bringt." Diesis Buch handelt nämlich von diesen Zweigen des edlen Gartens, diesen Quellen des paradiesischen Stromes (d. h. von diesem speciellen Theil der Astronomie). Preis sei Gott ohne Grenzen und Dank ohne Ende. Literarische Ueberfichten. Die neueste Ausgabe -es Kusari, beurtheilt von M. S r d e r» ^Schluß.) Eine Anm. desinirt „neuh eb r.", in gleichem Sinne, wie Dr. Fürst im LB. 1840 S. 677.; und so wie wic erst dann eine wissenschaftliche Bearbeitung des Talmud in allen Theilen und "von allen Seiten erwarten dürfen, wenn erst zunächst eine Grammatik und dann ein brauchbares Lexicon für sein Idiom die äußersten Pforten dieses abgeschlossenen Studiums eröffnet: so wird auch ein streng wissenschaftliches Studium der arabistisch-hebr. Literatur nur durch eine besondere Bearbeitung dieses eigenthümlichen Idioms, dessen Elemente in der ganzen nachfolgenden hebr. Literarur überhaupt zu finden, sind, möglich sein. — Eben daher rührt es auch^ daß man in Hinsicht auf Korrektheit des Textes noch etwas weniger als rnasoretische Aengstlichkeit gewahrt, wo der Sinn nicht allzusehr gefährdet ist 6). — Was nun in neuesten Zeiten eine kleb Ersetzung in eine Landessprache ist, das war für jene Zeiten eben die hebräische Uebers. des arabischen Originals, und der Commentar durfte also btos sehr schwierige Stellen in einem leichtern Style paraphrasiren. — So hätten wir denn versucht, indem wir der Vergangenheit und Gegenwart geschichtliche Gerechtigkeit wiederfahren lassen, in der Sache selbst den Grund für das zu finden, was das Vorwort als bisher zu wenig geleistet bezeichnet. —- Es erübrigt uns nun noch auf dieselbe Weise das Zuviel in den bisherigen Eommentaren zu begründen. Sehen wir zunächst auf den Inhalt dieses Uebersiusses an sich, ohne Beziehung auf dm erklärten Text, so wird das darin sich vorsindende Unrichtige nicht als charakteristischer Fehler der Comrnentare bezeichnet werden können, sond-rn die Unwissenschaftlich k eit der ihrem Inhalte nach richtigen Auswüchse muß natürlich im Mißverhaltniß zum Text liegen, welches etwa unter zwei, freilich nicht streng geschiedene Punkte zu fassen wäre. — Entweder sucht der Commentar seinen eigenen Geist gewaltsamer Weise in seinem Autor zu finden, und sündigt also gegen Geschichte und Kritik; gleichviel ob dabei Selbsttäuschung, oder ein, auf schlechten, oder praktisch guten Motiven, beruhender Unterschleif stattfmde. Oder er knüpft an irgend einen Gegenstand Untersuchung, die für das Verständnisses Autors 'keinen Gewinn bringen, und von Rechtswegen abgesonderte Abhandlungen oder ganze Werke bilden müßten. Wer wird nun nicht in diesen Hauptzügen sogleich jene Richtung des jüdischen Geistes überhaupt erkennen, deren Produkte mit dem Namen Midrasch bezeichnet werden, und deren Spuren schon in einzelnen Theilen der Bibel selbst gefunden, worden''). Diese Unselbst- 6) Wir werden im Verlaufe dieser Beurtheilung Gelegenheit haben, dies an manchen Varianten nachzuweisen. Eine auffallende und instruktive Erscheinung ist der Text des Emunot we-Deot in der Ausgabe Benseebs, von dessen unbeschreiblicher Nachlässigkeit wir bereits oben (Col. 290in d. Anm.) ein Pröbchen gegeben, und die nur in seiner damaligen Jugend eine karge Entschuldigung findet. Merkwürdig ist es aber, wie er grade die arabistische Färbung des Styls durchgehend ausmerzt, weßwegen wir spater immer die Ed. Anist. citiren müssen, die B. allein vor sich gehabt, und die er willkührlich so verstümmelt har, daß das erste Blatt derselben .nicht weniger als Hundert geringere oder größere Va riariten darbietet! Nil admirari! 1) Zunz. d. g. V. S, 35 ff.