Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1841)
- Article
- Breslau: Geschichte der Wilhelmschule
- Date
- 1841-06-05
- Page
- Seite 180 (sequence 3)
- Language
- German
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lau 1810) darüber mehr enthaltevermögen wir für den Augenblick nicht anzügeben. Die Feierlichkeit, an der mehrere königliche und Stadt- Behörden, Professoren der Universität und der Gymnasien und viele andere Freunde des Schulwesens und nicht wenige Gemeindeglieder Thril nahmen, begann gestern im Lokale der Anstalt um 11 Uhr Morgeys mit einem kurzen Gesänge der Schüler und einem diesem sich anschließenden Gebete, welches der Lehrer Herr M ico in hebräischer Sprache hielt. Nach einem abermaligen Gesänge betrat Herr Oberlehrer Dr. Franco lm die Rednerbühne und sprach über die Gründung, den Fortgang und die Wirksamkeit der seiner Leitung anvertcauren Schule, welche, wie er mit ergreifenden Worten darzuthun sich bestrebte, ihre Verpflichtungen in vollem Umfange erfüllt habe. Hierauf sprach ein Schüler.der Anstalt nächst Worten des Dankes die Versicherrngen aus, mit seinem Mitschülern den Erwartungen ernstlich entsprechen zu wollen, welche man von ihnen, als durch so tüchtige Lehrer geleiteten, zu hegen wohl berechtiget sei. Nachdem sodann Herr Francolm den Versammelten eröffnet, daß ihm eben ein ehemaliger Schüler der Anstalt, Hr. M. P. Ollendorf die diesem vor 50 Jahren bei Eröffnung derselben geschenkte goldene Medaille zu beliebiger Anwendung übersandt habe,, und er diese einem würdigen Schüler zur Anerkennung seines Fleißes und seiner Führung als Geschenk übergeben hatte, folgte der Vortrag eines Psalmgebets durch einen andern Schüler, nach welchem ein Schlußgesang die Schulfeieclichkeit endete. Des Nachmittags versammelte sich eine große Amahl von Gemeindegliedern im Gasthofe zum blauen Hirsch zu einem solennen Diner, zu welchem auch die höchsten Behörden in hiesiger Stadt geladen waren., Ein Toast auf Se. Majestät unfern edelmüthigen, Wissenschaft und Kunst hochherzig befördernden, alle seine Unterthanen mit Huld und Liebe umfaffenden König, und Ihre Majestät die Königin, die mit gleicher Gesinnung Ihrem hohen Gemahle zur Seite steht, ausgebracht von Hrn. De. Günsburg und ein zweiter, den königlichen Prinzen und Prinzossinnen geweihter, ausgebracht von Hrn. Gemeindevorsteher Lev y, boten den Versammelten die erwünschte Gelegenheit dar, ihre Begeisterung für König und Vaterland aufs freudigste zu erkennen zu geben. Hr. Ober-Bürgermeister Lange setzte hierauf auseinander, wie es unter den seit 50 Jahren obgewalteten Zeitumständen für die Königl. Wilhelmsschule eine äußerst schwierige Aufgabe gewesen sei, den an sie gestellten Anforderungen vollkommen zu entsprechen, und wie diese gleichwohl allen Erwartungen genügt habe. Herr Lange schloß damit, daß er die Versammelten aufforderte, auf das Wohl der Anstalt, der Vorsteher und der gewesenen sowie der zukünftigen Schüler zu trinken. Herr Oberlehrer Francolm dankte für diese freundlichen Worte m ansprechender, herzlicher Rede, deren auf nomen «it omsn! angewendeten Schlußworte „Lange, lebe Er hoch!" den allgemeinsten Anklang fanden. Der nächste, von dem Herrn Vorsteher Beyersdorf gesprochene Toast galt dem Herrn Polizei-Präsidenten, Geh. Ober-Regierungsrath Hsinke, dessen mannigfache Verdienste um das jüdische Gemeindewesm mit dankerfüllten Worten hervorgehoben, wurden, worauf Herr Geh. Ober- Reg.-Rath Heinke dm Gemeindevorstehern für die ihm zu erkennen gegebenen Gefühle der Zuneigung und Anerkennung seiner Bestrebungen seinen Dank aussprach und die Versicherung beifügte, daß die Gemeinde auch ferner auf seine lebhafteste Teilnahme an ihrem Wohle rechnen dürfte Nachdem noch Hr. Ober-Reg. - Rath Sohr einige kräftige Worte in Bezug auf die unberechnenbar wohlthätigen Folgen der geistigen Bildung und Aufklärung gesprochen hatte, weihte Hr. Rabbiner Dr. Geiger den Todten einen Toast. „Es ist eine schöne, jüdische Sitte", bemerkte er, ,/bei freudigen Gelegenheiten auch der Todten zu gedenken, und unsrer größten Dichter einer ruft aus: Auch die Todten sollen leben! Bei einem Jubelfeste, an welchem wir uns einer langen, ereignißreichen Vergangenheit erinnern, wo Viele schon, die mit hochherzigem Ernste und unermüdlichem Eifer die Förderung des edlen Unternehmens sich angelegen sein ließen, von uns geschieden sind: da ziemt es sich, namentlich der Heimgegangenen zu gedenken. Ja, auch die Todten sollen leben in unserm dankbaren Andenken, da mit ihrem irdischen Dahinscheiden ihre That nicht geschwunden ist und die Idee, in der sie gewirkt, fortlebt, die Früchte ihrer Bemühungen von uns gepflückt werden. (Beschluß folgt.) Böhmen. Pvtlg, Ende Mai. So wie in allen Zweigen im Gebiete der Kunst und Wissenschaft hier rastlos vorwärts geschritten wird, so verdient gewiß das was in neusten Zeiten in unserer Stadt für Lrtopedie, einen bisher sehr wenig gepflegten Zweig des medizinischen Wissens, geschah, die rühmlichste Erwähnung. Med. und Chrg. Dr. Lumbe har durch glückliche Nachahmung des Dieffenbachischen Verfahrens Ausgezeichnetes geleistet, und viele die sich Jahre lang schwerfällig und unbeholfen mit Mühe sortschleppten danken ihm den freien Gebrauch ihrer Glieder. Nicht minder zeigt die von den Dr. der Med. u. Ehirg. I. H. und D. G. S. ins Leben gerufene ortopedische gymnastische Anstalt das lobenswerthe Bestreben, diesen Theil der Heilkunde zum Wohle unserer Jugend und der Menschheit zu benutzen, und wenn den Unternehmern auch viel Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, so glauben wir dem Beginnen doch ' erfreuliches Gedeihen vorher sagen zu können. Denn Dr. H., sin sehr achtbarer Practiker, hat unter den vielen Vorzügen, die ihn zu einem der beschäftigtesten Aerzte Prags machen, die seltne Gabe, durch ein angenehmes, umsichtiges und sehr gewandtes Benehmen, durch eine wichtige Kenntniß des Publikums, dieses für die gute Sache empfänglich zu machen, voll regen Unternehmungsgeistes war er es, der das Bedürfniß einer solchen Anstalt fühlte, und ihm abzuhelsen sich entschloß. Nicht minder tüchtig, wenn auch noch etwas weniger gewandt, steht ihn Dr. S. zur Seite, an der hiesigen Universität in allen Zweigen der Med. und Chirg. gründlich gebildet, ist die Richtung seines Strebens die rein Scientisische, weniger besorgt um die äußere Form ist er durch beharrliche Konsequenz, und gründliches Wissen ganz geeignet, die so viel Ausdauer und Umsicht erforderende Heilung solcher Kranken zu erzielen, so daß durch das thatige Zusammenwirken dieser Äerzte die Anstalt die besten Früchte in Zukunft. verspricht. —s. Vertag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel-