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Der Orient · 1841-05-29 · 22 (29.5.1841) · p. Spalte 329-330

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
22 (29.5.1841)
Article
Zeitstimmen der Dreiuneinigkeit ... [Rezension]
Date
1841-05-29
Page
Spalte 329-330 (sequence 2)
Language
German
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329 Zektstimmen der Drei Uneinigkeit im Judr'nthume v. Ernst. Oratorium v. Dr. Philippson. 330zwar nicht ungehj-rt — dafür klangen sie zu laut und wahr — oft nutz! os verhallten; und obgleich manches Heil dem Judenthum aus ihrem kräftigen Wort erwachsen, so ist doch die Wahrheit ihrer Rede von vielen unbeachtet geblieben. ■— Mit blinzelndem Auge, weil man den Strahl der hellen Wahrheit nicht vertragen konntewurden diese Feuersäulen des Rechtes und der Billigkeit angestiert, und dann schloß man das Auge wieder zu — ganz zu. Doch das Judenthum hatte wenigstens diese Feuerwone nicht vergebens anhören sollen, die Juden selbst hätten sie in ihre Herzen bewahren müssen wie ein theures unschätzbares Kleinod, hüten wie die heilige Lade. Sie hätten uns entzünden sotten zur flammenden Begeisterung, uns Herausreißen aus einer Lethargie, in der leider so viele und gewiß tatkräftige Jünglinge und Männer versunken sind. So lange diese Gleichgültigkeit das lebendige Wort der Wahrheit verdrängt, ft lange Zerrissenheit, Zwiespalt und Hader auf dem Gebiete unserer heiligen Religion dem Einheitssysteme derselben widerspricht, so lange steht uns das Dürgerthum und mit ihm die Freiheit nur lauschend gegenüber und mahnt sie uns an unsere Aufgabe. '— Was nützt es uns am Ende, daß einige Meteore unter uns erglänzen — nimmer für die Masse Ersatz — das Streben sei ein einiges — der Entwickelung Kräfte gleichmäßig, nur dann wird die Menschheit mit Liebe uns umarmen. In und aus uns selbst muß emancipirt werden der Gedanke des Allgemeinen, und das Universelle des Geistes muß die Glaubenskraft erweitern aus dem Gebiete der Wahrheit. — Also hat der Verfasser vorliegenden Buches den schönen Pfad betreten und diese Tendenz ihm zum Grunde gelegt. Ec hat Re Gebrechen seines Volkes gut verstanden und sie eben so gelungen geschildert. Seine Poesie — ist Wahrheit. Möge für dich Israel sich diese Stimme nicht nutzlos erhoben haben, und besonders auch, ihr Zionswächter, lasset euch an eure Pflicht erinnern. Er zürnet nicht, wenn er Euch bei euren Schwachen ertappt. Wer zürnet ob des Klangs der Wahrheit, verschließt sein Herz der Besserung. Fragt nicht, von wem die Stimme komme, vom Jüngling oder Greise. . Gott hat heiliges Feuer in seine Brust gelegt, und er ist zum Worte berufen. — Die Sammlung enthält fünf Gedichte und einen Anhang. Das erste ist ein Aufruf an die Hüter des Volkes, in den folgenden drei fast zu großen Gedichten wird die Zerspaltung des Iudenthums jetziger Zeit geschildert: die Orthodoxen, die Indifferenten, die Aufgeklärten , ein Epilog mit einem Oratorium vom Dr. G. Philippson schließt das Buch. Sv sehr wir mm im Ganzen dem Werkchen unfern ungetheilten Beifall nicht versagen können, dürfen wir doch nicht einige Reine Fehler übergehen, deren sich der Verfasser hier und da schuldig gemacht. Die Motto, meistentheils von ihm selbst gedichtet, entsprechen zu wenig dem Sinne eines Motto, schon dadurch, weil sie eigene Arbeiten des Dichters sind. Herr Ernst hat in seinem Buche oft genug Gelegenheit gefunden, sich auszusprechen, und der Inhalt ist zu faßlich dargestellt, als daß derselbe noch" eines Vorwortes bedurfte. Der Gebrauch fremder Wörter, die hier häufig genug in Anwendung gebracht, scheint im Ganzen sehr zu stören, und obgleich dadurch die Ironie sich lebendiger herausstellt, so bleibt es doch immer in einer deutschen Dichtung etwas Fremdes und Fehlerhaftes. — Reime ferner, wie: n ö t hi g auf Arith m etik und auf A esth eitik, können wir nur der Unachtsamkeit des Verfassers zuschreiben, eben so die Verstöße gegen das Dersmaaß, die dann und wann Vorkommen. Die Verse sind durchgängig in dem Versmaße des ersten Motto geschrieben, deswegen bedünkt uns folgende Stelle nicht ganz richtig „Haben die Gesetzfolianten Uns zu Gunsten schon Varianten, Die bewirkt der Heiltsruh? Wenn wir nun noch eine -Rüge mit der vorangegangenen verbinden, daß der Verfasser nämlich oft zu prosaisch wird und von der poetischen Würde abweicht, so hätten wir der Strenge der Kritik ziemlich genügt. Doch wie gesagt — seine Poesie ist Wahrheit — sie greift zu sehr ins Leben ein und wird oft gezwungen, den poetischen Schwung niederzudrücken. Die Wirklichkeit ist tzu unbiegsam für die Poesie. Daß die Gedichte sehr lang sind, wollen wir Hm. Ernst am wenigsten zum Vorwurf machen — in seinen Reden ist kein wahres Wort zu viel gesagt. Je verschlossener die Ohren, desto länger mag der Nachhall wahren; daß sie doch wenigstens wissen, daß geredet worden ist. Besonders kräftig fand ich: „Und so schwand ihm Gott ergeben Fromm — ein Sabbat — hin das Leben Stillen Friedens-Sitz die Brust — Sank er oft auch schwer getroffen Gläubig sah man doch ihn hoffen Seines Glaubens sich bewußt!" „Was der Talmud aufgeschichtet, Hielt er sich zu rhun verpflichtet; Und er hkelts mit remec Brust. Treulich hielt er am Gebote, Ob ihm Haß und Tod auch drohte, Seines Glaubens sich bewußt rc." Wollten wir alle die schönen Stellen hervorheben, wir müßten fast das ganze Werkchen abschreiben, darum schließen wir mit den Worten des genannten jungen Dichters: .„Auf! Erwacht, Ihr Zionswachter. Glaubenskämpfer, Heilsverfechter, Panzer, Schild und Schwerdt gefeyt! Nacht ist's eilt, die Fackeln zündet," Und den frommen Gläubigen kündet, - Kündet, was ist's an der Zeit?"

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