Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1841)
- Article
- Pesth: düstere Zustände des religiösen Lebens ...
- Date
- 1841-05-22
- Page
- Seite 168 (sequence 3)
- Language
- German
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— 168 — ■Ö' der Talmud-Tora-Institute mit ihrer edlen Tendenz des Volks - und Jugendunterrichtes und die Verwendung ihrer Fonds (wo es deren bereits gibt) für Religions¬ und sonstigen Unterricht. Und wirklich wird dieses Bedürfniß immer mehr und lebendiger gefühlt, hie und da wohl auch Anstalt getroffen, demselben entgegen zu kommen. Dasselbe gilt von dem eigentlichen gottesdienstlichen Vorträge, der nun beinahe von jeden anzustellenden Rabbiner gefordert wird. — So mangelhaft nun die ersten Versuche eines einseitig gebildeten Autodidakten (und das sind hier die meisten Kanditaten in mehrfacher Hinsicht) sein mögen, dennoch arbeitet sich manches tüchtige Talent glücklich durch und erfaßt noch früh genug, das was eigentlich noch chut, um seiner Pflicht zu genügen. Freilich kommt auf 5 bis 10 Rabbinate oft nur Einer und wenns gut geht, zwei fähige Männer, während die übrigen Bewerber zum Tröffe gehören und sich auch spater kaum über ihren frühern Standpunkt erheben. Von diesen Einzelnen nun, besonders aber von hier, wo das Landvolk vier, Mal des Jahres durch die geistreichen Vorträge des Hrn Oberrabbiners L. Schwab in der alten Synagoge (bekanntlich hält unser verehcungswürdiger Oberhicte seine Predigten in Tempeln, während die Deraschot im andern Bethause, wie jetzt in reinem Deutsch und durchgängig ethischen, echt religiösen Inhalts, ' sich mehr zur alten Form Hinneigen) für ein Besseres vorbereitet und empfänglich gemacht wird, geht ein kräftiger Sinn für Ordnung und Zweckmäßigkeit auf das ganze Land aus. Sehr wichtig in seinen wohlthätigen Folgen dürfte das von meinem Freunde, Hrn. Moritz Bloch, beantragte Lehrer - Seminar für die ungarischen Juden werden; doch wäre zu wünschen, daß die Zöglinge dieser Anstalt zugleich auch-zu Kantoren gebildet und jene Einrichtungen im off. Gottesdienste, die die Mode — bei Einigen wohl auch eine richtige Würdigung der Zeitumstände, nöthig gemacht haben, aus solche Weise nach und nach vorbereitet und so der oft kostspieligen Anstellung von Ehordicigenten durch Vereinigung des Lehramtes mit dem des Vorsängers, der sich ja in seiner Singschule ein Chor heranbilden kann am leichtesten begegnet werden. Das Unternehmen findet hier bei den ausgezeichnetsten Celebritäten, des hohen Adels sowohl wie des Gelehrtenstandes,-den wärmsten Beifall — die hiesigen Israeliten fasten freilich die Idee eines solchen Institutes, als noch nicht da gewesen, nur langsam und — fast mit Kälte auf; desto erfreulicher ist die Theilnahme, deren sich dieses Projekt bei den Landgemeinden erfreut; namhafte Beitrage sind bereits zugesagt, und es.wäre zu wünschen, daß diesem sehr löblichen Versuche von unseren geistlichen Führern jene Aufmerksamkeit zugewandt würde, die er schon um des Mannes Willen verdient, von dem er empfohlen wird; da Herr Bloch selbst jede Absicht, für sich selbst auf solche Weise eine Stelle zu bekommen (so verzeihlich dieses auch wäre) aufs bestimmteste ablehnt, sollten unsere Rabbinen, die den Mangel an tüchtigen Lehrern (der beiläufig gesagt, mit Schuld ist, daß so manche Anstalt schon im Werden — eingegangen ist) am besten wahrzunehmen, Gelegenheit nehmen, sich dieser Idee mit gleicher Uneigenützigkeit bemächtigen, und auf solche Weise den Vorwärtsstrebenden (von dem man Hierlands gewiß nicht sagen kann, daß sie vorwärts getrieben werden) sich rathend und befördernd anschließen.— Ich behalte es mir übrigens vor, über dieses wie über Anderes Ihnen nächstens Ausführlicheres mitzutheilen. Noch muß ich dreier Posten, die seit kurzem besetzt worden sind, mit dem Bemerken Erwahnug thun, daß meine frühere Behauptung von der Art, wie die Rabbinate Hierlands besorgt werden, sich auch in Folgendem bestätigt. Agram, Groß-Kanischa und Kecskemet haben Rabbiner und Prediger bekommen; unter den drei Neuangesiellten ist es aber nur Einer, der Tüchtigkeit und — vielleicht auch redlichen Willen mit in's Amt bringt; die beiden Andern haben für sich nichts, als das — Staunen der Welt, sie angestellt zu sehen. — Jener Eine, Herr L. Löw aus Czernahora in Mähren, vereinigt talmudisches und klassisches Wissen und dürfte in Groß-Kanifcha an seinem Platze sein. Ueber die andern spreche ich das Gebet DJ non übt? DipDH und will der Rückkehr ruhiger Zeiten denken; denn nur in solchen ist es der Mittelmäßigkeit möglich, sich 'einigermaßen zu behaupten. Möge Groß-Wardein darauf bedacht sein, einen Mann dahin zu berufen, der der schweren Aufgabe eines Rabbiners unserer Zeit gewachsen ist, der aber auch talmudische Studien durchgemacht haben muß, um Autorität und Vertrauen zu genießea; möge endlich auch Altofen (dem Range nach die dritte Gemeinde Ungarns) endlich mit sich einig werden und die Forderungen der jetzigen Periode wohl bedenken und das Heil ihrer Seelen nicht von Polen abhängig machen: auch Deutschland hat noch ausgezeichnete Talmudisten, wenn sie auch außer den 2^0121 2^ noch a nd ere Studien gemacht haben. Das ist doch wahrlich kein Fehler! Verfäumniß und Lästigkeit aber verderben weit Mehr, als von dem reformsüchtigsten Neuerer, der doch irgendwie abhängig, und in keiner Gemeinde unumschränkt ist, im schlimmsten Falle zu befürchten steht. Gott stärke sie mit seinem Geiste! —r* Personalchronik und Miseellen. Berlin. Der Erfinder des Oelbilderdrucks Liepmann, hat nach Utretung seiner Erfindung an den Staat, von._Sr. Majestät dem König 500 Thlr. jährliche Rente erhalten. Druck von I. H. Nagel. Vertag von E. L. Fritzsche.