Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 19 (8.5.1841)
- Article
- Der Prophet Habakuk und seine neuesten Bearbeiter
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Spalte 281-282 (sequence 2)
- Language
- German
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282 Der Prophet Habakuk und seine neuesten Bearbeiter von M. A. Levy aus Mona. 281 in dem Aufsinden kühner und überraschender Combinationen zeigte und wir müssen auch da den Scharfsinn anerkennen, wenn wir ihm auch nicht bettreten. Allein seine Genialität überschreitet sehr oft das „nc quid nimis“ und -er Scharfsinn geht zuweilen in Spitzfindigkeit über. Vor Allem aber müssen wir das Anhausen der Cilate aus der Bibel, die wenig oder nichts begründen, und besonders das, wir möchten sagen ermüdende Paraphrasiren durch Vibelstellen rügen, die bei Hitzig selten recht treffend sind, und nur verwirren, zumal sie selbst äußerst selten, ausgeschrieben sind. Wir sind in der Lhat in Verlegenheit, ob wir mehr seine Belesenheit oder mehr seine Gewandtheit in der Benutzung der Concordaiiz bei diesem Citiren bewundern sollen. ,,Es ist eine alte Erfahrung, sagt ein trefflicher neuer Exeget 16)y daß nach Ci taten selten nachgeschlagen wird, und wem um die Ueberzeugung der Leser, nicht um ihren guten Glauben zu thun ist, der gebe die Citate wörtlich, und lieber eins das treffend ist, als eine bunte Maffe die nichts besagt." In dem Lexicalischen und Grammatikalischen ist neben manchem Originellen und Neuem, auch viel Unsicheres und Schwankendes mit apodiktischem und zuversichtlichem Lone gegeben. Für das Gesagte nur einige Belege. Cap. 1, v. 4 ,,denn der Frevler umringt den G." so daß dieser nicht NSP (vgl. 1 Sam. 14, 41), daß ihm jeder Weg zu seinem Rechte zu gelangen versperrt wird, vgl. Hiob, 3, 23. Was steht nun in der Stelle 1 Sam. 14, 41? DJim und Hiob 3, 23? HJJ3 T))h^ beides aber belegt'nichts. Ganz unverständlich ist mir aber die Note zu v. 5. hy%r sagt H., ist ganz recht als Particip (s. v. 6 und z. B. 1 Sam. 3, 11. 13) punktirt, die Person wie Jes. 31, 12. Jer, 38, 23 u. o/ff nicht ausgedrückt, ist die Anbestimmte dritte statt der ersten, wie 2 Sam. 6, 3. (?) 2, 24 statt der zweiten. Das erste Citat 1 Sam. 3, 11. 13. sagt nur, daß auch dort Participka stehen, und 2 Sam. 6, 3 gar nichts. Ueber die unpassende und unnütze Weise wie H. citirt vergleiche man noch zu v. 5 das Citat Ez. 12, 25. zu v. 16. Reh. 9, 25. Ps. 16, 9 zu 2, 4 Zer. 22, 27. und wie er paraphrasirt vgl. 2, 6. Gesucht ist die Erklärung 1, 13. D1.D bedeute Plünderer, Räuber, hiervon *Tp abgeleitet Zes. 24. 16. 21, 2. 33, 1, s. Ges. Wb. u. d. W'. und unpassend die 2, 1 gegebene von und 'aß, als hätte der Prophet eine wirkliche Warte gehabt; dagegen spricht schon die Wiederholung des Begriffes. Kap. 2, 1 „was ich zur Antwort erhalten würde", aber hat^nie diese Bedeutung und das dafür angeführte Citat 2 Sam. 14, 13 beweist nichts. —- (Hesselberg übersetzt ebenso unrichtig.) Der darauf folgende Vers giebt ein Beleg von Spitzfindigkeit, zu der sich der Verfasser, oft nur durch das Bestreben Neues und Originelles zu geben, hinreißen laßt. 3, 16. „der ich schweigend harre, auf den Lag der Noth, daß er herankomme dem Volke, das ihn dränget" wäre als Obj. in UDN1 wiederholt, das Volk (die Israeliten) drängen den Lag (führen ihn herbei, durch ihre Uebttthaten) ist originell aufgefaßt, aber noch nicht gehörig philologisch und dem Zusammenhänge nach gesichert. 3, 17. in bezieht H. auf den Chaldäer, ganz gegen den Zusammenhangs in transitiver Bedeutung, dieser aber kann hier nur entscheiden, wenn auch IM als Trans, den Casus für sich 16) Herzfeld in der Vorrede. zu seinem Kohelet S. m hat. (Die Araber sagen allerdings iUJ! excisa est aqua i. e. deficit, vgl. Nos. Scholl 428 und Freitag Le).'. u. D. W. Jeden falls braucht man nicht, selbst wenn man DU transitiv faßt, den Chaldäer gegenwärtig zu denken, s. oben. Neben dieser Schattenseite des Commentars, dürfen wir aber die Lichtseite nicht vergessen, die jene entschieden überwiegt. Auf sie aufmerksam zu machen, hatten wir im Laufe der Recension oft Gelegenheit, und sic im Einzelnen aufzuzeigen halten wir für überflüssig, wenn wir nicht dem Geschmacke des Lesers vorgreifen wollten. Wir wenden uns nun zu Ewald's Bearbeitung. Einen Commentar im gewöhnlichen Sinne hat Ewald nicht gegeben, seine Exegese ist mehr eine paraphrastische Analyse des Inhalts, auf eigentliche grammatische und lexikalische Erklärungen läßt er sich selten ein, sie kommen nur beiläufig vor und dienen mehr jenem ersten Hauptzwecke, der auch mit Klarheit und ohne Weitschweifigkeit durchgeführt ist; sonst aber wird man wenig Neues und Originelles in den Erklärungen finden. Gegen folgende zwei wollen wir dies noch erinnern. 1, 9. HDIp, meint Ewald, stehe in dichterischer Bedeutung wie Hof. 12, 12 „nach Sturm" d. i. nach Unheil, Grausamkeit und Eroberung, wie hier deutlich im Zusammenhang liegt. — Diese Bedeutung von »DDIpan dieser Stelle können wir nicht zugeben; denn wenn auch Dip für Dip HiD stehen kann, so finden wir doch nie, daß DDIp mit dem H der Bewegung auch jene Bedeutung angenommen hatte. Was sollte es auch wohl heißen: er jagt nach Sturm Grausamkeit? Wo findet sich diese Metapher im A. T.? Die beigebrachte Stelle Hos. 12, 12 kann gar nichts beweisen, denn dort heißt NN und Dip, wie öfter, Eitles. „Ephraim hascht nach Wind und jagt nach Sturm" übersetzt Ewald selbst diese Stelle (S. 160), und in der Note giebt er dem „Sturm" die synonyme Bedeutung von DN Eiteles. 12. Ml is'b* Ewald will gegen die Masora und LXX. HiDD (Unsterblicher) lesen, und DB soll dem entsprechen und „wir werden nicht sterben und damit wir nicht sterben (LXX.)" wäre in keiner Weise ein hierher gehöriger Gedanke. Wir glauben indes;, daß diese Auffassung einen mit der Vorstellungsweise des A. T. (in dieser Ausdrucksweise) nicht passenden Gedanken enthalt, und nicht in den Zusammenhang paßt, denn v. 12 spricht sich die Hoffnung und das Vertrauen des Sehers aus, wie aus der andern Vershälste deutlich ist. — Merkwürdig ist die Lesart des Syr. der n e m u s, Dl Dl/ hat, wahrscheinlich nach dem Gehör ausgeschrieben, und einen Beleg dazu giebt, daß die jetzige jüdische Anssprache von den Syrern herrührt. — In der Uebersetzung, die nach seinem Systeme stro« phisch und nach dem Paralellismus geordnet ist, schließt sich Ewald dem Originale treu an, ohne jedoch der Deutlichkeit Eintrag zu thun, und was Schleiermacher (in seiner bekannten Abhandlung) als hohe und nicht zu losende Aufgabe an den Uebersetzer stellt: der Sprache eine Haltung zu geben, die ahnen (aßt, daß sie nicht ganz frei gewachsen, sondern zu einer fremden Aehnlichkeit hinüber gebogen sei, und dieses mit Kunst und Maaß zu thun, dem ist hier Genüge geleistet, und wir stehen nicht an, sie der Uebersetzung von -Nückert vorzuziehen. Ueber Hesselberg können wir uns kurz fassen5 der Vers, tritt sehr bescheiden und ohne große Ansprüche auf, obgleich sein Commentar zu den kleinen Propheten, die Frucht eines siebenjährigen Fleißes ist. Die Uebersetzung ist nicht ganz treu, liest sich aber im Ganzen gut; der Commentar giebt wenig Ausbeute; hier Einiges zur Probe.