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Der Orient · 1841-05-08 · Heft 19 (8.5.1841) · p. Seite 151

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 19 (8.5.1841)
Article
Die Emancipationsfrage in dem Herzogthume Sachsen-Meiningen
Date
1841-05-08
Page
Seite 151 (sequence 2)
Language
German
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151 wiederum brüderlich mit den Juden handeln.-Aber nun wir sie nur mit Gewalt treiben, und gehen mit Lügentheidungen um, geben ihnen Schuld, sie müssen Christenblut Habens „ *, und weiß nicht, was des Narrenwerks mehr ist, daß man sie gleich für Hunde hält, — was sollten wir Gutes mit ihnen schaffen?^ In der Lhat zeigen sich überall, wo man die Juden ganz (wie in Nordamerika, Frankreich, Holland, Belgien, Kurheffen) oder doch mit nur wenigen Beschränkungen (wie in Dänemark, Württemberg, Baden, Preußen u. s. w.) emancipirt hat, die wohlchätigen Folgen der Emaricipation auf die unverkennbarste Weise. Nirgends haben sie sich derselben unwürdig bewiesen, wie dieses von den achtbarsten Staatsmännern anerkannt worden ist. So schrieb der Fürst van Hardenberg unterm 4. Januar 1815 an den Grafen von Grote zu Hambung: „Auch hat die Geschichte unsers letzten Kriegs wider Frankreich bereits erwiesen, daß sie (die Juden) des Staats, der sie in seinen Schooß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen und wir haben auch untere ihnen Beispiele des wahren Heldenmurtzs und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, so wie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich angeschloffen u. s. it>." Als im Jahre 1830 in der französischen Deputirtenkammer der fast einstimmig angenommene Gesetzentwurf über die Besoldung der jüdischen Geistlichen aus der Staatskasse discutirtt wurde, sprach sich der Minister des öffentlichen Unterrichts unter Anderm folgendermaßen aus: „Die Juden waren Wucherer, so lange man sie außer Stand setzte, etwas Anderes zu sein; ausgeschlossen, wie sie es waren,, vom Grundbesitz und allem ehenvollen Erwerb, mußten sie in. die tiefste Erniedrigung versinken,; aber die Schande fallt auf ihre Unterdrücker! — Doch seit den j Wohlthaten der ccmstituirmden Versammlung haben sie sich mit uns vereinigt, sie haben in unfern Heeren gekämpft, ihr Blut floß auf denselben Schlachtfeldern; sie theilen unsere Begeisterung, unsere Pflichten." Am 15. Juli 1837 sprach -er allgemein verehrte Staatsminister Winter in der Kammer der Abgeordneten des Großherzogthums Baden, nachdem er auseinander gesetzt, wie die badischen Juden seit mehr als 30 Jahren fast alle Rechte der Staatsbürger genießen: ,, Im Uebrigen bin ich den Juden das Zeugniß schuldig, daß sie, mit wenigen Ausnahmen, sichdieser Freiheit immer würdig benommen haben. Sie haben sich auf den Landbau, auf Gewerbe gelegt, so wie denn m hiesiger Stadt nicht leicht ein Gewerbe sein wird, das nicht von einem oder mehrern Juden betrieben wird. Nicht weniger gewährt es mir Vergnügen, bezeugen zu können, daß die Juden zu den treuesten Unterthanen gehören, die in der Zeit der allgemeinen Aufregung *) Diese teuflische Anschuldigung, deren wir uns im 19. Jahrhundert nicht mehr gewärtig waren, und die das Jahr 1840, das Jubeljahr der Lichtverbreiterin Presse, geschändet, hat leider auch in Deutschland noch Gläubige und eifrige Verbreiter gefunden und gibt dadurch einen traurigen Maßstab für die Cultur und Humanität der Zeit ab. nie aus den Schranken des gesetzlichen Gehorsams und der Anhänglichkeit an den Großherzog gewichen sind." So hat überall die Aushebung des Drucks, der früher auf den Juden gelastet, die herrlichsten Früchte gezeitigt oder zur Blüthe gebracht, und es gibt heutzutage kein Gebiet des Wissens und der Literatur, auf welchem nicht Juden sich ausgezeichnet hätten. Mit gewiß ungewöhnlicher Bildungssähigkeit haben diese Parias Europa's, die viele Jahrhunderte lang verdrängt waren vom Markte des öffentlichen Lebens, sich der allgemeinen Bildung angeschlosseu, und zwar nicht blos empfangend, sondern auch selbstthätig eingreifend. Es gehört wahrlich eine große Verblendung, ein absichtliches Verschließen der Augen dazu, wenn man die große geistige, sittliche und sociale Bewegung, die unter den Israeliten unserer Tage vorgehr, ignoriren und in bcm heutigen Juden noch den des vorigen Jahrhunderts finden will. Gewiß dürfen auch wir, ohne unbescheiden, zu seyri und als eingebildet zu erscheinen, zu behaupten wagen, daß wir hinter der Bildung der Zeit nicht zurückgeblieben sind, daß wir mit unfern christlichen Mitbrüdern auf gleicher Bildungsstufe stehen, und daß wir mit gleicher Anstrengung unsere Kräfte zu vervollkommen streben. Auch wir haben vor nunmehr 27 Jahren in dem Edict vom 11. Mai 1814 ein sogenanntes ErZrehungsgesetz erhalten; aber es sind gewiß nicht die darin uns auferlegten Beschränkungen, die uns vorwärts gebracht haben, sondern vielmehr die uns darin gewährte — wenn auch noch so beschränkte und selbst hinsichtlich des uns gesetzlich Gewährten noch vielfach verkümmerte — größere Freiheit. Oder liegt etwa für uns ein Antrieb zur Bildung in der Versagung des Or ts Bürgerrechts, auf das wir, nachdem wir uns zum Staatsbürgerrecht geschickt gemacht und es erworben gesetzlichen Anspruch haben? Oder in der, einen barbarischen Eingriff in die Rechte der Natur a la Pharao involvireuden Erschwerung der Verehelichung auch Derjenigen, die die gesetzlichen Anforderungen erfüllen (welche unnatürliche Politik so erfolgreich gehandhabt worden ist, daß es in 20 Jahren nur zwei Mitgliedern unserer Gemeinde gelang, einen eigenen Heerd zu gründen, während innerhalb dieses Zeitraums elf Familienhäupter gestorben sind und eine Familie ausgewandert ist, — wozu wohl schwerlich in Deutschland ein Seitenft ü ck gefunden wird)? Oder in der theils gesetzlichen, rheils nur factischen Ausschließung von allen Ehrenämtern? Oder in der Herabwürdigung, die der Jude vor-Gericht erfährt, in der verletzenden, alles Ehrgefühl ertödtenden, unzeitgemäßen Form des Jubeneidcs, in der, alle Juden zu Betrügern und Wucherern stempelnden Vorschrift, unsere Vertrage mit Christen gerichtlich verhandeln zu lassen, wenn sie gültig sein sollen? u. s. w. Nein, fürwahr, durch dieses Alles hat unser Ehrgeiz nicht geweckt werden, darin haben wir keinen Antrieb zur Bildung, zum Fortschreiten finden fömien! — Aber dennoch sind wir, nachdem das mehrerwähnte Edict einige Schranken niedergeriffen hatte, fortgeschritten. Unsere Söhne widmen sich, wie wir oben unter '3 dargethan, nicht mehr dem Schacherhandel, sondern den Handwerken, den Wissenschaften und, wenn dem Handel, dann dem kaufmännisch erlernten und betriebenen, der gewiß eher als nützlich, denn als schädlich, betrachtet werden kann. Unsere Kinder erhalten ihre allgemeine Bildung in den verschiedensten öffentlichen Anstalten des Staates und der hiesigen Stadt, unsere Lehrer erhalten ihre allgemein pädagogische, wie ihre religiöse Bildung in der Lehrerpflanzschule des Herzogthums, dem hiesigen Seminar^ und unsere eigenen Schulen stehen keineswegs den christlichen nach. Die mächtigen Laute unserer deutschen Muttersprache ertönen

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