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Der Orient · 1841-05-01 · 18 (1.5.1841) · p. Spalte 265-266

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
18 (1.5.1841)
Article
Israelitische Glaubens- und Pflichtenlehre ... [Rezension]
Date
1841-05-01
Page
Spalte 265-266 (sequence 2)
Language
German
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265 Sätze sind die Stellen Jes. 26/ 19 und Daniel 12, 13 angezogen, die nur durch eine gewaltsame Interpretation sich so verstehen lasten. Alles übrige nun, was andern unter den Rubriken Heilmittel, Berufung, Erleuchtung rc. einzeln aufführen, ist hier unter denschonen Hauptabschnitt und Gesichtspunkt: Offenbarung gebracht. Wir sehen hier Gott in den Vordergrund der Menschenerziehung treten und auf den Sinai dieses hochselige Institut gründen. Als Mittel dienen: 1) die von Gott gegebene und eingegebene Schrift, Tora, als dessen beglaubigte Organe und Interpreten die Gesandten Gottes, die Propheten, namentlich Moses, dastehen; ferner den Talmud als Ergänzung dessen, was die Ausübung des Gesetzes herbeiführte, aber nicht lehrt; als heiliges, ideales Ziel, das Messias-Reich, d. h. die große Epoche, „wo die wahre Verehrung deS einigen Gottes so verbreitet sein wird auf Erden, daß alle Völker einmürhig den-Allvater verherrlichen, sich unter einander brüderlich lieben, und durch Bruderliebe, Gottesfurcht und Tugend glücklich werden." Wir erlauben uns zu bemerken, daß dieser dritte Hauptabschnitt, so schön wie er uns ausgeführt erscheint, gerade der zu sein dünkt, welcher an einiger Durcheinanderwerfung der Gedanken leidet. — Im zweiten Theile stoßen wir nun auf die P flichtenlehre. Unsre Pflichten gegen Gott werden aus der richtigen Kenntniß Gottes hergeleitet und darum der zweite Theil durch den ersten bedingt. Als Haftpflichten werden genannt: Ehrfurcht und Liebe. Als Hauptmoment der Ehrfurcht, die aus der heiligen Scheu vor Gottes Vollkommenheit entspringt, wird das dadurch bedingte Abstehen von der Sünde genannt, und hier, wenn auch im Praktischen sehr nützlich, doch logisch etwas unverhältnißmaßig dem Eide ein eignes großes Kapitel gewidmet. Merkwürdig genug hat hier der Hr. Verf. den Faden verloren, erzählt nicht mehr zwei Hauptpflichten auf, sondern deren neun, nämlich: II. die Liebe; III. Demuth; IV. Gehorsam; V. Dankbarkeit; VI. Vertrauen; VII. Ergebung; VIII. Freude an Gott; IX. Annäherung an Gott; obwohl er, ohne feinem Werke Gewalt anzuthun, diese einzelnen §§♦ unter eine der zwei Hauptrubriken oder unter beide zugleich, als daraus resultirend, hatte bringen können. Auch noch eine Bemerkung möge ec uns erlauben: Hinter dem Kapitel von dem Gehorsame gegen Gott, ist von der Sund e und der Buße die Rede. Warum diese Trennung, da schon bei der Ehrfurcht von der Bewahrung vor Sünden die Rede war, warum überhaupt dies Kapitel nicht lieber ans Ende bringen, da ja die Sünde als eine totale Verletzung aller Pflichten gegen Gott erscheint? . So spricht der Herr Verf. in diesem Abschnitte zugleich auch über das Gebot, um späterhin erst auf die Dankbarkeit, das Vertrauen, die Ergebung gegen und in Gott zu kommen. Wir hätten eine umgekehrte Anordnung gewünscht, auch hat ec das selbst gefühlt, und redet darum nach 266 dem neunten Kapitel von der Annäherung zu Gott noch einmal von dem Gebete. Schön schließt sich an das letzte der Abschnitt von den Sabbat-, Fest- und Fasttagen und letztlich von den religiösen Gebrauchen. Wenn nun der Hr. Verf. zunächst auf die Pflichten gegen uns selbst übergeht, so sind wir ganz seiner Meinung, nur diejenigen, welche sich und der Menschennatur ein Compliment mit der Uneigennützigkeit machen wollen, konnten auf die unlogische Aufstellung gerathen und von den Pflichten gegen unsre Nebenmenschen eher sprechen, als von den Pflichten gegen uns selbst. Gott ist alles in Allem. Aus seinem Wesen und Wirken erkennen wir erst uns selbst und unser wahres Verhältnis nur nach richtiger Selbstkenntmß. und Selbstschätzung ermöglicht sich auch das rechte Betragen gegen unsre Brüder. Als Hauptbestandtheile der Pflichten gegen uns selbst erscheint dem Hrn. Verf. 1) weise, 2) gut zu werden; und treffend und klar entwickelt er diese Erkenntniß von uns selbst und allem dem, was in Beziehung zu uns steht, um darauf das praktische Moment der Tugend zu bauen. Die Hilfsmittel zur Tugend und die Behinderungsmittel derselben sind aus das Eindringendste daran geknüpft. Wie von selbst ergeben sich dann die Pflichten gegen Andere und die Hinweisung aus die stete Beziehung zu uns selbst und der Hauptmoment, der sich durch das Ganze hindurch zieht, daß wir stets unser eignes moralisches Grab uns graben, wenn wir des Nächsten moralische Würde oder sein zeitliches und ewiges Gut beeinträchtigen, ist eben so wahr und treu, als innig und rührend. Ueberhaupt zieht sich diese ganze innige Vereinigung durch das ganze Buch hin, eins ist so fest, so treu, so zwingend an das andere gekettet, daß das ganze moralische Gebäude zusammenstürzt, unser ganzer Glaube wankt, unser Leben seinen Stützpunkt verliert, wenn wir ein Glied aus der großen Kette reißen; und das ist der echte Probirstein des Ganzen, das ist das gute an dem Wecke, das auch das kleine, das anscheinend Zufällige als nothwendiges Stück in das Ganze gehört. Man möchte es mit einem einzigen Gedanken begreifen, mit einem einzigen Worte aussprechen, um nicht durch Wörter es zu zerstückeln und seiner großen Einheit zu berauben. Die Form ist dieses Systems würdig. So nothwendig die große Verknüpfung auch erscheint, so klar, so praktisch, so lebendig sind doch die Worte. Da ist von keiner abstrakten Idee die Rede, da ist nichts todter Begriff, sondern alles lebendige Thar, Anschauung, verwirklichter Gedanke. Die Bibelstelten, welche beigedcuckt sind, sind eben so mannichfaltig als treffend, die biblischen Beispiele, auf welche hingewiesen worden, sind jederzeit treffend gewählt und Zweideutige Charaktere vermieden; die angezogenm Lieder aus Johlsons israelitischem Gesangbuche und den Hamburger Gesangbücher sind eine Zugabe, wofür man dem Verf. nicht genug danken kann; kmz das ganze Merkchen, das in SSi:aclttifd;e (S$Iaubcn§^ von Dr. Hercheimer.

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