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Der Orient · 1841-05-01 · 18 (1.5.1841) · p. Spalte 261-262

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
18 (1.5.1841)
Article
Damascia. Die Judenverfolgung zu Damaskus ... [Rezension]
Date
1841-05-01
Page
Spalte 261-262 (sequence 2)
Language
German
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26 L 262 Damascia. Eine historisch-publicistische Untersuchung v. Löwenstein. mern, und wir hätten diese Mängel um so weniger bei unserm Vers, vermuthet und erwartet, als ihm viele der herrlichsten französischen Sprichwörter bekannt zu sein scheinen, und er also des Montesquieux'schen Ausspruches „rl. ne 8n»it pas, de faire lire; il s’agi't, de faire penser“ eingedenk sein sollte. — Doch, wir gehen auf das Specielte des Buches ein. Das erste Kapitel, überschrieben das E r e ig n i ß, liefert bis S. 100 eine Sammlung von Berichten, Briefen und Zeitungsartikeln über das traurige Ereigniß in Damaskus. Statt daß nun Vers, die einzelnen Berichte, Zeitungsartikel und Privatbriefe nach einer gewissen Ordnung zusammenstellen und dann seine Schlußbemerkungen folgen lasten sollte, wirst ec vielmehr beide bunt durch einander, und der Leser kommt, wenn auch nicht unvermuthet und unbefriedigt, so doch etwas verwirrt an das zweite Kapitel, welches die Wirkungen bespricht. Auch hier reitet unser Autor sein Steckenpferd. Nachdem er nämlich seinen Lesern in diesem Kapitel einen Brief des Hrn. Mer lato an dessen Schwiegervater Permudain Triest und den überaus wichtigen Bericht des Missionar Wildon Pie ritz vorlegt, liefert er einen Auszug aus dem Protokoll der Deputictenkammersitzung vom 2. Juni 1840, und bespricht solches in einem journalistischen Tone bis S. 140, wobei ec natürlich nicht vergißt, sich über das Benehmen des Conseilpräsidenten zu mokiren und auf bittere Weise zu belustigen. — Die zwei nächsten Kapitel, von denen das eine „der Minister in der Paicskammer und das andere „das Ministerium Thiers" überschrieben, entsprechen ganz dem pubticistischm Charakter des Buches, sind im schönern Stille und mit vieler Gewandtheit abgefaßt und Liefern überdies noch einen Auszug aus dem Protokoll der Paicskammer in ihrer Sitzung vom 10. Juli 1840. Ueber Ratti-Menton spricht bas fünfte Kapitel, und bietet außer zwei interessanten Artikel der „Allgem. Zeitung" noch eine schöne Schlußdemeckung dar, die wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen. S. 177 es nämlich: Können wir von dem, was wir über dem Kapuzinermönch Franciscus von Sardinien und dem Diplomaten Ratti-Menton bereits erfahren haben, einen Schluß ziehen, so scheint zwischen beiden eine solche Gleichmäßigkeit der Deutungsarten und der Tendenzen zu bestehen, daß wir zu der Muchmaßung hingedeutet werden, daß Pfaffe und Diplomat hier unter derselben Decke spielen und wohl noch sonstigen Zusammenhang unter einander haben. Die Zetten sind vorüber, wo der Orden und die Diplomatie sich um ihrer abweichenden Dogmen willen, anfeindeten > Midjan und Moab stellten einst ihren hundertjährigen Haß ein, um sich vereint gegen Israel zu verschwören. .Und wie zweckdienlich m^g es wohl sein,, wenn der schwerfällige Mönch einem diplomatisch-feinen Bruder zur Seite hat" Dieser Bemerkung laßt unser Autor noch ein Gedicht folgen (wir erfahren nicht von wem es herrührt), welches aber zu schlecht ist, als daß wir unsere Leser damit behelligen sollten. Wir kommen jetzt zu dem sechsten Kapitel, das unstreitig das beste des ganzen Buches ist. Es enthält eine schöne Einleitung und einen „Auszug der interessanten Verhandlungen und Beschlüsse über die damascenec Affaire im englischen Parlament und in öffentlichen, desfalls abgehaltenen Meetings, so wie verschiedene Berichte, Gutachten und sonstige Dokumente" und zwar in der Uebersetzung, wie sie dje Allgem. Zeit, des Juden th. veröffentlicht hat. So sehr uns aber das bis S. 242, reichende Kapitel besriedigt hat, so ungern vermißten wir darin die Benutzung der, vom Redakteur dieser Blatter im vorigen Jahrgang Nr. 34 ff. unterm Titel „Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten" gelieferten Arbeit, welche unserem Verfasser wohl noch manche Aktenstücke über Britannien geboten, und ihn überhaupt von so mancher Behauptung und Aeußerung zurückgehalten hätte. — Das siebente Kapitel macht sichs zur Aufgabe, die judenfeindlichen Gelehrten Deutschlands, und besonders den berüchtigten Gelehrten von der Saale zu bekämpfen. So redlich, ehrlich und aufrichtig der Verfasser es meint, und so wahr auch seine Widerlegung ist, so können wir keineswegs die Art und Weise billigen, wie er seinen Kampf führt. Denn der Ton dieses sechs Bogen starken Kapitels ist durchgängig matt, breit und trivial und wir wissen eigentlich nicht, warum es denn dem Herrn Verfasser beliebte, seinen Lesern das „Wort zur Abwehr" eines Dr. Zunz, wie andere Apologieen, die Seitens achtbarer jüdischer Gelehrten in der neuesten und ältern Zeit gegen die Beschuldigung „Juden brauchen zur Osterfeiet* Christenblut" geschrieben wurden, vorzuenthalten. Wahrlich, die Zusammenstellung von den erwähnten Apologieen wären nicht nur historisch wichtig, sondern hätten selbst beim flüchtigen Leser nachhaltigere Erinnerungen zurückgelassen, als die Worte, welche wir S. 272 im Zusammenhänge mit mehreren trivialen Aeußerungen lesen, und die also heißen: Um des Himmels willen, lieber T., erschrecke doch den Herrn nicht so! — Aengstlgen Sie sich nicht, Hr. Orientalist; dieser Mann da ist ebensowenig ein Giftmischer als ein Christenftesser. Er ist, wenn auch nicht gleich aus Beiden ein Anbeter der Göttin Patientin, doch ohne Arg und Bosheit und die gutmüthigste Natur von der Welt; sein Rattenpulver enthalt nicht ein Atom Arsenik, und von seinem Appetite vollends haben Sie gar nichts zu fürchten, denn die ganze Stadt kennt ihn als einen der leckerstm Wohlschmeckec rc. Um uns und die geehrten Leser nicht länger bei diesem Kapitel aufzuhalten, gehen wir zu dem nächstfolgenden , dem achten Kapitel über. In diesem giebt der Verfasser eine Rechtfertigung des Judenthums und der Juden gegen die leidige Blut- 18 *

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