Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 18 (1.5.1841)
- Article
- Le livre d'Henoch sur l'amitié [Rezension]
- Date
- 1841-05-01
- Page
- Spalte 259-260 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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259 Das Buch Henoch v. Pichard. Dirmascia. Eine historisch-publicistische Untersuchung. 260 besorgt ist. Wir können hier schließen. Ein allgemeineres Interesse erregt nur der Name des Buches. Das Buch selbst ist wiederum ein Beweis mehr, dafür, wie lebendig der Berkehr zwischen christlichen und jüdischen Gelehrten im Mittelalter gewesen ist, und wie das von den einen geleistete bald auch Eigenthum der anderen ward. Allerdings mußte das Werk des erst 1106 im 4L. Jahre seines Alters getauften Alphonsus, welches in Inhalt und Form so viele Spuren morgenlandischen Ursprungs an sich trägt, ganz besonders das Interesse der Juden in Anspruch nehmen. Für die, welche sich vorzugsweise mit der Literatur des Mittelalters beschäftigen , ist die Ausgabe des Hrn» nicht ohne Bedeutung. Und für diese mögen denn auch die wenigen, aber großen Raum einnehmenden Mittheilungen aus bekannten "orientalischen Schriften berechnet sein. B. (©< g. Anz.) 14) Damascia. Die Judenverfolgung zu Damaskus und ihre Wirkungen auf die öffentliche Meinung, nebst Nachweisungen über den Ursprung der gegen die Juden wiederholten Beschuldigung, als bedienten sie sich des Menschenblutes bei rituellen Zeremonien» In, Laufe der Ereigmffe dargestellt und beleuchtet von Löwenstein. Rödelheim, Brrlag von I. Lehrberger und Comp. 1840. XXX. und S. 416. Die Gräuetthaten, welche im Laufe des verflossenen Jahres an den Juden in Damaskus, und bekanntlich wegen eines vorgeblichen, an dem Pater Thomas von Seiten der Juden begangenen Mordes, verübt worden sind, haben den Unwillen aller Menschlich- und Edeldenkenden erregt, und auf's deutlichste dargethan, daß Vorurtheil, Wahnwitz und Aberglaube gar sehr noch wesentliche Bestandcheile europäischer Aufklärung und Volksbildung sind. Denn nicht etwa rohe Asiaten und abergläubische Moslemen waren jene schändlichen und abscheulichen Verläumder, welche aus dem Kehrichtfasse längst vermoderter Voructheile, die grausenhaste Beschuldigung hervorsuchten „die Juden brauchen zurOsterfeier Christenbluc"; rein civitisirte Europäer und aufgeklärte Christen, freie und freiheitsliebende Franzosen und deutsche Gelehrte waren es. Darum wird auch dieses Faktum ewig als Schuld des christlichen Europa's in die Annalen der Weltgeschichte eingetragen bleiben, und , der umsichtige Historiker wird stets emsehen, daß die bei jenen Gräuelthaten sich kund gegebene mchtswürdige Thätigkeit eines Scherif Pascha und Consorten, nur durch die Machinationen des Judenhassers Ratti-M enton, französischen. Consuls in Damaskus, bewirkt worden sind. So betrübend auch diese Behauptung ist, so laßt sich doch deren Wahrheit weder durch die phrasenhafte, gleißnerische und diplomatische Rednerei eines Thiers, noch durch jene elende Buch- und Schartekengclehrsamkeit eines Gelehrten von der Saale wegdemonstriren, und hätten sich nicht inmitten jener Gräuelscenen die menschlichen Stimmen der österreichischen Consuln Merlato und Laurin, der frommen Christen Robert Peel, Pieritz, M'Caul, Veit u. dgl. m. vernehmen lassen; wahrlich, bald hätte Israel in allen europäischen Landen die mittelalterliche Verfotgungswuth über sich hineinbrechen sehen, und seinen Geist, gleich den unschuldigen Opfern in Damaskus, unter Folterqual oder Henkershänden aushauchen müssen. — „Aber siehe, d er Herr sch lum m ert ni cht und läß t die Behüter Israels nicht schlafend Es standen auch wackere christliche Männer auf, sprachen und schworen öffentlich für Israels Unschuld, und Israel selbst trat in seiner so großen und weiten, aber zum Heile der Menschheit von Gott bewerkstelligten Zerstreuung, wie Ein Mann auf, wacker und im vollsten Bewußtsein seiner Unschuld, rüstig und standhaft kämpfend, für die Reinheit und Lauterkeit seines Glaubens, für die Schuldlosigkeit seiner, zur Schande und Schmach der gestimmten Menschheit, so schmählich gemißhcmdelten damascener Brüder, und zeigte aller Mett, daß „seine Hände rein sind, und nicht jenes Blut vergossen ha ben". Dieses alles geschah um das Jahr 1840, und damit ein späterer Historiker an diesem Ereignisse nicht wirre, oder aus purer Menschlichkeit gar versucht werde, dasselbe in den Sagen- und Mythenkreis zu ziehen, hat es unser Verfasser unternommen, in seinem Buche die wichtigsten und meisten Aktenstücke hierüber zusammmzutragen, und sie mit publicistischen Betrachtungen über die einzelnen Phasen der blutigen Begebenheit zu begleiten. Mit Recht dürfen wir also das Buch eine historisch-publicistische Untersuchung nennen, und wollen wir durch nachstehendes Referat diese Benennung zu wotiviren suchen. Als Vorwort schickt der Verfasser seinem Buche das 32. Kap. des Buches Hiob von den Worten: Bin jung an Jahren noch, und Ihr ehrwürdig: bis: Ss will ich reden, daß mir leichter werde, die Lippen öffnen und erwiedcrn: Will keines Mannes Ansehen schonen, Will gegen keinen Menschen heucheln; Denn ich verstehe nicht zu heucheln: voran; sodann folgt der zwei Bogen starke Eingang, der in der Tbat mit einem Vollgefühl der Persönlichkeit, mit Umsicht und publicistischer Gewandtheit geschrieben ist, und in welchem Verfasser die Blößen und Flecken heutiger Aufklärung auf eine schöne Weise aufzudecken, und die damascener Judenverfolgungsgeschichte ui scharfen und sichern Zügen zu zeichnen weiß. Es ist aber zu bedauern, daß Verfasser nicht fortfuhr, die andern 386 Seiten seines Buches mit eben solchen Worten und einem gleichen Bewußtsein und Vollgefühl zu schreiben, ja es ist sehr zu bedauern, und thut uus sogar recht leid, daß wir den Verfasser der Eilfertigkeit anklagen und der Unklarheit zeihen müssen, welche fast durch alle Kapitel des Buches hindurchschim-