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Der Orient · 1841-05-01 · Heft 18 (1.5.1841) · p. Seite 144

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 18 (1.5.1841)
Article
Die Emancipationsfrage in dem Herzogenthume Sachsen-Meiningen
Date
1841-05-01
Page
Seite 144 (sequence 3)
Language
German
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- 144 — gemacht. Grundbesitz konnten sie nicht erwerben, der Zutritt zu den Zünften war ihnen versperrt, von der Bekleidung von Civil- und Militärdiensten waren sie ausgeschlossen, auf einen festen, gesicherten Wohnsitz konnten sie nirgends rechnen, der Handel aber kann allein einen solchen entbehren, und Geld war das einzige Mittel, wodurch sie sich einigermaßen Duldung verschaffen konnten. Ueberdieß war im Mittelalter Alles in schroff getrennte Kasten gesondert, und so hatte auch der Handel seine eigene Kaste an den Juden. Dazu kam, daß die Kirche allen ihren Bekennern das Verbot, Zinsen zu nehmen, auferregte, was die Juden nothwendig, aber auch gehässig machte. Sie erhielten ausdrückliche Verwilligungen zu bestimmten Zinsen, die bei der damaligen Seltenheit des baaren Geldes sehr hoch waren; doch waren neben ihnen auch die unter dem Namen Caorsinen (im Canzleistyl Gewerzschen, Kovertschen) bekannten lombardischen Kaufleute, die viele Leihhäuser errichteten, als Wucherer privilegirt. Der einzige Erwerbszweig, der den Juden außer dem Handel zugänglich war, war die Ausübung der Arzneikunde und diese ist in der That zu allen Zeiten von Einzelnen mit Eifer und Auszeichnung betrieben worden. Wie man die Juden in den meisten Städten in besondere Judenstraßen (Ghetti) sperrte, so war der Handel das gewerbliche Ghetto, auf das man sie beschränkterer abgeschlossene Kreis, in dem sie sich bewegen und den sie nicht überschreiten durften. Aber die Aufklärung hat auch dieses gewerbliche Ghetto geöffnet, sie, die Hohepriesterin unserer Zeit, ist, wiej ein versöhnender Geist zwischen die alte und die neue Zeit getreten, und hat die verpestete sociale Lebenslust gereinigt, wenn ihr das große Werk auch noch nicht ganz gelungen. Die neueste Zeit hat uns auch andere Erwerbskreise, als den des Handels, geöffnet, sie hat uns den Zutritt zu Handwerkern und Gewerben, zu Künsten und Wissenschaften , freilich hie und da noch unter großen Schwierigkeiten und Beschränkungen, gestattet, Und wir haben von dieser Gestattung auch schon vielfachen Gebrauch gemacht. . Wir sind im Stande, Letzteres auf das Evidenteste in Zahlen nachzuweisen. Die Zahl sammtlicher, seit dem Jahre 1825 aus unserer Schuleins Leben getretenen Jünglinge beträgt dreiunddreißig. Hiervon haben sich den Handwerken vierzehn, dem Lehrsache und den Wissenschaften sieben, der (regelmäßig erlernten) Kaufmannschaft neun, dem (nicht streng regelmäßig erlernten) Handel einer gewidmet, und zwei (die jüngsten) sind noch unentschieden- Gewiß ein nicht zu verachtendes Resultat! Und doch fehlt es nicht an Leuten (meist solchen, die einen Privatvortheil davon hoffen, die Juden von der Concurrenz, die der Gesammtheit der Consumenten nützlich ist, ausgeschlossen zu sehen), die uns noch immer unsere unüberwindliche Neigung zum Handel vorwerfen, und unwillig darüber sind, daß noch Ein Jude Handel treibt, und noch nicht Alle Handwerke erlernt haben, während den christlichen Handwerkern die Betreibung der Handwerke von Seiten der Juden nicht minder ein Dorn im Auge ist, als den Kaufleuten und Krämern der Handel derselben. Man kann sich eben nicht daran gewöhnen, den Juden auch als ein menschliches Wesen zu betrachten, das ein Recht hat, sich km Staate zu ernähren; er mag betreiben, was es auch sei, man wird es als eine Usurpation ansehen, da ja an der Stelle des Juden ein Christ im Besitze des betreffenden Erwerbszweiges seyn könnte. Und so sucht Jeder sein Sondrrintereffe ge¬ Verlag von C. L. Fritz sch e. gen den Juden geltend zu machen, verhüllt aber klüglich diese seine Absicht unter allerlei Vorspiegelungen. In der That würden ohne die unendlichen Schwierigkeiten und Chikanen, die der Israelit zu beseitigen und denen er entgegenzuwirken hat, wenn er sich einer Profession widmet, sich noch weit Mehre unter uns den Handwerken zugewendet haben. Schon die Unterbringung des jüdischen Jünglings bei einem Meister Behufs der Erlernung eines Handwerks ist zuweilen schwerer und kostspieliger, als die des christlichen. Hat der Jude die Lehrzeit zurückgelegt und tritt nun als Geselle seine Wanderjahre an, so findet er nicht unbedeutende Schwierigkeiten hinsichtlich seiner Unterkunft, wenn er nicht seinen Glauben sorgfältig verheimlicht. Kommt er nach mühsam zurückgelegten Wanderjahren in sein Vaterland zurück und will das Meisterrecht erwerben, dann beginnen erst die größten Schwierigkeiten, denn nun tritt ihm die Zunft feindlich entgegen und versagt ihm den Zutritt. Glücklich wenn er nach jahrelangem und kostspieligem Prozessiren endlich das Ziel erlangt. Fehlen ihm die pecuniären Mittel, diesen Kampf gegen Intoleranz und Eigennutz auszukampfen, so bleibt ihm nichts Anderes übrig, als auszuwandern oder heimlich zu pfuschen oder gar zum Handel seine Zuflucht zu nehmen. Unter solchen Umständen verdient es gewiß Anerkennung, daß dessenungeachtet eine verhaltnißmäßig so große Anzahl es gewagt hat, Handwerke zu erlernen. 4. Ein weiterer oft gehörter Einwand gegen die Gleichstellung der Inden lautet: ,,Sie sind noch nicht reif dazu, sie müssen erst zum Bürgerthum erzogen werden." Diesen Einwand hört man oft auch aus dem Munde höher gestellter und wohlgesinnter Männer; er ist aber eben so wenig haltbar, als die früher besprochenen. (Beschluß folgt.) Personalchronik und Miseellen. Das Namengesetz. Vorigen Sonnabend 10. d. ist in der Berliner Synagoge die Aufhebung des Na m en s gesetzes publiciert worden. Lächerlicher Weise sind noch immer 7 Namen z. B. Christian, Petrus u. dergl. verboten!! * * 4 Seit dem Abgänge des Dr. Hirschfeld predigt an seiner Stelle im (abwechselnd mit Pleßner) Herr Landsberg, Director des Naun'schen Instituts, und Lehrer am Seminar. Seine entschiedene Sprache ist geeignet dem Hrn. Pleßner daß Gegengewicht zu halten, und gewinnt bereits ein Publikum. Schade daß die gänzliche Sonderung dieser Predigten vom Gottesdienst ihnen sehr viel an Eindruck und — Publikum entzieht. Diese Feiertage versäumte Hr. K. durch seine Abwesenheit, die beste Gelegenheit mehr bekannt zu werden. * * * In Güstrow (Meklenb. Schwerin) ist Dr. Löwe als Lehrer und Prediger angestellt worden, nachdem er eine Probepredigt gehalten. Sonnabend d. 24. hält er' seine Antritts- Rede. — Druck von I. H» Nagel.

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