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Der Orient · 1841-05-01 · Heft 18 (1.5.1841) · p. Seite 139

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 18 (1.5.1841)
Article
London: Verhandlungen wegen einer theilweisen Emancipation
Date
1841-05-01
Page
Seite 139 (sequence 1)
Language
German
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139 Großbritannien. London (Schl.). Nun erhob sich der Knegsminister, Hr. Macaul ap, für die Bill. Er fand die gegnerischen Einreden unerheblich. Die Behauptung, man müsse den Juden das jetzt Verlangte abfchlagen, weil sie spater mehr verlangen könnten, sey kein zureichendes Argument. Aus der Zulassung der Juden zu Gemeindeämtern folge nicht ihre Zulassung ins Parlaments das sey eine ganz andere Frage. Doch gesetzt auch/ sie kamen ins Parlament, so könne er darin nichts so Hochgefährliches sehen. Man habe das Gebet angeführt, mit welchem die Parlamentssitzungen eröffnet werden; aber diesem Gebet, wie überhaupt allen Gebetformeln, seyen auch die Quäker entgegen. „Was man, sprach Hr. Macaulay r gegen die Juden gesagt hat, ließe sich ungefähr mit gleichem Recht auch gegen viele Mitglieder dieses Hauses sagen. Hier sitzen Katholiken und Protestanten, Anglicaner und Disseyter, wohl auch Unitariec und Trinitarier. Jeder derselben behauptet die wahre Religion zu besitzen,§ aber alle können sie unmöglich Recht haben; es ist also offenbar, auch ohne die Juden, schon viele falsche Religion im Haus. (Der etwas schale Satz des geistreichen Macau- Icip erregte großen liberalen Applaus). Wenn Juden hier im Hause saßen, wie würden sie sich zu den religiöspolitischen Fragen, die man erwähnt hat, verhalten? Lächerlich wäre es gewiß, anzunehmen , daß sie z. B. die schottische Naüonalkirche zu stürzen und den Judaismus an deren Stelle zu setzen suchen würden. Im schlimmsten Fall würden sie nicht mehr thun, als dermalen Tausende von Protestanten und Katholiken, d. h. sie würden in Religionssachen das „System der Freiwilligkeit (the völuntary System)" einzusühren suchen. Das ehrenw. Mitglied gegenüber war aufrichtig genug anzuerkennen, daß die irischen Katholiken jabrhundertelangen Druck erlitten; aber was war die Bedrückung der Katholiken, was die Bedrückung der Dissenter gegen die Leiden des Judenvolks? Nichts, gar nichts im Vergleich mit diesen. (Hörtl) Man fragt, welche factische Beschwerde denn jetzt auf den Juden in England laste. Ich frage entgegen, ist es nicht factische Beschwerde genug, wenn ein Mensch seiner Religion wegen von den bürgerlichen Aemtern ausgeschlossen ist? (Hört!) Den Katholiken, sagt man, durfte man die politischen Rechte nicht länger vorenthalten, weil es ihrer sechs bis sieben Millionen sind; der englischen Juden sind es nur wenige Tausende, darum verweigere man ihr ähnliches Begehren. Eine schöne Argumentation! Der Herzog von Wellington äußerte 1829 im Hause der Lords, er könne sich der Emancipation nicht länger widersetzen, die Katholiken seyen ihm zu mächtig geworden. Die Juden hingegen, sagt man jetzt, sind nur gering an Zahl, wir brauchen sie nicht zu fürchten, wir brauchen wegen keiner Revolution im Unterrocksgäßchen (Peiticoat-lane) oder auf der Ouke's-Ptace (die Londoner Stadtgegenden, wo die meisten. Juden beisammenwohnen) in Sorgen zu seyn; ergo — bekommen sie keine politischen Rechte. (Beifall und Lachen.) Aber eben weil sie einen so unerheblichen Bmchrheil des Volkes bilden, ist es ja um so ungefährlicher, ihre bürgerlichen Rechtsunfähigkeiten aufzuheben. Die Juden, Sir! sind kein Proselyten machendes Volk; gewiß sie werden in unfern Stadtgemeinden keine Glaubenspropaganda stiften; es gibt für sie „anziehenderes Metall" (Heiterkeit.) Ich habe in neuern Tagen erlebt, wie wenig gewisse Glaubensartikel dm Scharfsinn der Casuisten zu fesseln vermögen, und es thut mir daher leid, daß das Haus seine Zeit mit solchen Discussmm verliert. Es sollte mit freuen, wenn unsere Casuisten in Oxford die Juden mit ihrem Scharfsinn bereichern, ihnen einenTheil ihres so schm regsam en Geistes eingreßen wollten, dann würden die Juden gewiß jede von ihnen verlangte Glaubenerklärung ablegen und so zu jedem Civilamte im Staat befähigt seyn. (Beifall und Murren.) Das ehrenwerthe Mitglied, das zuletzt gesprochen, gedachte des von den Juden verübten großen Nationalvecbrechens, aber ich glaube, es würde besser seyn, dergleichen erbsündliche Subtilitaten den Theologen vom Fach zu überlassen. Meine Ansicht ist, daß, nachdem wir die bürgerlichen Rechtsungleichheiten der Katholiken und protestantischen Dissenter aufgehoben, das Parlament ohne Ungerechtigkeit dieselbe Wohlchat den jüdischen Unterthanen I. Maj. nicht vorenthalten kann." Hr. G o u l b \ix n , Mitglied für die Universitär Cambridge, äußert sein Bedauern, daß einer der Minister Ihrer Maj. erklärt habe, zwischen Jude und Christ sey kein Unterschied. Hr. Macaula y verwahrt sich gegen diese Auslegung seiner Worte; er habe blos sagen wollen, über alle dem Parlament vorliegenden religiös-politischen Fragen herrsche unter den Christen selbst ein solcher Meinungszwiespalt, daß er zwischen Juden und Christen nicht größer sein könnte. Hr. Goulburn sprach dann nachdrücklich gegen die Bill. Abgesehen von der Erwägung/ ob hinter derselben eine andere auf Zulassung-der Juden ins Parlament laure, oder nicht, sey mir den Gemeindeämtern, um die es sich hier handle, Ausübung der Rechtspflege verbunden, diese aber dürfe nicht von Juden über Christen ausgeübt werden. Gesetzt, ein Mann würde wegen Blasphemie gegen das Christenthum vor die Municipalobrigkeit beschieden, mit welcher Consequenz könnte ihn ein jüdischer Magistrat verurtheilen, welchem selbst das Christenthum ein Gräuel sei? Wie könnte ein Jude auf Heilighaltung des christlichen Sonntags dringen, und wieder wie könnte er, ohne sein Gewissen zu verletzen, am jüdischen Sabbat seinen Amtspflichten obliegen? Die Juden seym scr ungemein eifersüchtig, die „Gojim" nicht an der Verwaltung jüdischer Angelegenheiten Theil nehmen zu lassen: mit. welchem Recht könnten sie also das von den Christen ver- 18*

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