Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1841)
- Article
- Hamadan: Juden in dieser alten Stadt Mediens ...
- Date
- 1841-05-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360166-2365413--1685-2365440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elijah 1× ep/1004307
OCR text
138 Oriente besucht. Welche Verkettung von Ereignissen mag aber die Königin von Susa, die Gemahlin des Ahasweros, bestimmt haben, sich in Ekbatana (Hamadan) begraben zu lassen? Darauf ertheilen die Rabbinen keine Antwort". — So weit der neueste Bericht. — Vergleichen wir damit, was der Engländer Sir Robert Ker Porter in seinem 1821—22 zu London erschienenen Reisewerke aus eigener Anschauung vor 22 Jahren über diesen Gegenstand: berichtet. Derselbe erzählt nämlich, im zweiten Bande seiner Travels in Georgia, Persia, Anuenia, ancient Babyloniaetc. S. 101: „Gegenwärtig zählt die Stadt (Hnmadan) nicht mehr, als neun Tausend Häuser, von welchen der dritte Theil die Einkünfte der Kröne nicht vermehrt, da drei Tausend derselben von Staatsbeamten bewohnt sind, welche keine Steuern bezahlen. Die Bevölkerung rechnetman zwischen 40 und 45 Tausend Seelenunter, welchen sich etwa,sechs Hundert jüdische und fast eben so viel armenische Familien befinden.* * * 4) — Unter den niedrigen und dunkeln Wohnungen der dürftigen Ueberreste Israels, welche noch in dem Lande ihrer Gefangenschaft schmachten, erhebt sich die Kuppel des Gebäudes, in welchem sich die Gräber der Esther und Mordechai befinden. Sie werden von allen in Persien lebenden Juden als ein besonders heiliger Ort betrachtet, und zu gewissen Zeiten des. Jahres wird zu ihnen gewallfahrtet, mit demselben frommen Sinn, womit sie vormals ihren Blick gegen Jerusalem hin richteten.. Da. ich wünschte, einen Platz zu besuchen, welchem auch Christen ihre. Achtung nicht versagen können, so ließ ich den Priester, unter dessen Aufsicht das Gebäude steht, ersuchen, mich dahin zu geleiten. Er erschien sogleich, und ich. folgte ihm durch die Stadt zwischen Trümmern und Schutthaufen zu einem emgeschlosse.nen etwaS: höherliegenden Platz. Auf der Mitte desselben steht das jüdische Grabdenkmal) ein viereckiges Gebäude von Mauerziegeln tn Moschee ähnlicher Form, oben mit einer -länglichen Kuppel.. Das Ganze scheint zu verfallen und sich dem Zustande der daneben befindlichen, in Staub zerfallenen. Uebexreste von Mauern zu nähern,, welche früher mit dem Gebäude znsammenhingen und through Persia etc. London 1811 in Gro.ßquart mit Karten und Zeichnungen, heraus. In den Jahren 1810-—16 reifete Morier aber wieder in diesen Gegenden und er gab zu London 1818 in Großquart ein zweites Tagebuch heraus, Second JouiHiey etc. In dem zweiten Tagebuche hat er vorzüglich Ms das Biblische Rücksicht genommen, um manches aufzuhellen, und in diesem wird auch der. Juden und ihres Denkmals Kdachr. .s' Red., 4) Bejamin von Tu dela erzählt von Hamadan, daß sie. die größte und volkreichste Stadt in "Medien mit 50,000 Juden wäre, und daß dort vor einer Synagoge dieGräber von Mordechai und Ester sich'befinden. Daß. die Juden in Hamadan von den zehn Stammen herr.ühren, wird Kiduschrir 72a. erzählt.(s. K. CH. V.^S, 2H8, 211). Reh. den ganzen Platz umschlossen haben mögen. DieThüre welche uns den Eingang eröffnete, ist, nach Art der alten Grcibesthüren des Landes, sehr schmal, und besteht aus einem einzigen sehr dicken Stein, der sich in seinen eigenen Angeln von der einen Seite wendet. Dm Schlüssel dazu verwahrt immer der zu Hamadan wohnende Oberrabbine. Das ursprüngliche Gebäude soll bei der Verheerung der Stadt durch Timuc zerstört worden sein;? und/bald, nachher, M sich das Land wieder etwas erholt hatte, wurde aus der alten Stelle das jetzigemnansehnliche Gebäude errichtet. Einige fromme Juden in der Stadt bestritten die Kosten, und vor etwa 150 Jahren, beinahe 500 Jahre nach seiner Wiederaufbauung, wurde es durch einen Rabbi, Namens Jsmael (?), wieder ausgebessert. Nachdem wir durch den engen Eingang in einer sehr gebückten Stellung hinein gekommen waren, betraten wir eine kleine gewölbte Kammer, in welcher sich die Gräber einiger Rabbinen befanden, wahrscheinlich derer, welche die Wiederherstellung des Gebäudes bewirkt hatten. Am Ende dieser Kammer zeigte sich eine zweite kleine Thüre. Wir krochen durch dieselbe aus Händen und Füßen, und als wir uns aufgerichtet hatten, sahen wir uns in einem größeren Gemach unter der Kuppel. Gerade unter derselben standen zwei Sarkophage von einem sehr dunkeln Holze mit vielen schnörkelartigen verschlungenen Verzierungen und mit einer hebräischen Inschrift, die an dem obern Rande des Sarkophags herumlief4). An den Mauern befinden sich mehrere andere hebräische Inschriften; aber eine von sehr hohem Alter auf einer Platte von weißem Marmor ist in der Mauer selbst befestigt. Der Priester versicherte mir, sie fei aus den Ruinen des alten von Timur zerstörten Gebäudes gerettet, und mit den Sarkophagen selbst auf derselben Stelle erhalten worden". — 5) Ker Porter hat im zweiten Band seiner Travels S. 109. die Inschriften copiren lassen; auch Morier in seinem Second Journey p. 265 hat alle Inschriften copirt, aber beide haben es sehr fehlerhaft und ohne Kenntniß des Hebräi- : sehen veranstaltet und es ist oft sehr schwer einen Sinn zu : ermitteln. Von der einen Inschrift, welche Ker Porter copirt, sagt Rosen müller (Handb. d. bibl. Alterthumskunde 1. S. 398, Anm. 21.), daß außer der Stelle aus Megillat Esther 8, 15 und dem 16. Psalm, die Inschrift nur die Anzeige enthält, daß zwei Brüder, Elija und Samuel, dieses Mausolaum. hatten wieder Herstellen lassen im Jahre 5474, d. i. 1714 der gewöhnlichen Zeitrechnung. Bei Rosenmüll e r (a. a. O.) steht hier fälschlich „iin Jahr der Welt 4474 d. i. 1713" welches doppelt falsch ist; denn erstens gibt 4474 nur 714 und zweitens selbst 5474 macht nur 1713 aber nicht 1714. Eine andere Inschrift bei Ker Porter (a. a O.) hat Ro- - fenmüller wegen einiger Fehler gar nicht entziffern können; auch bei Morier sind die Inschriften sehr fehlerhaft copirt. Daß die Uebersetzungen bei beiden unrichtig ist versteht sich! diesem nach von selbst.' Nach Morier gehört das Denkmal; selbst seiner Bauart zufolge den ersten Jahrhunderten des Mu- hammedanismus an. Red.