Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 17 (24.4.1841)
- Article
- Literarische Rundschau,
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Spalte 243-244 (sequence 2)
- Language
- German
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243 M.Sider: Lit. Rundschau^ einleit, in Skizzen z.Gesch.d.hebr. Poesie. Juden als arab. Dichter. 244 So jung nun auch die gelehrte Thatigkeet im Bereiche der hebräischen Poesie ist, so hat sie doch auch bereits Organe gewonnen, die dm Geschmack an Uebersetzungen und Nachbildungen in weitern Kreisen Hervorrufen, und eine günstige Rückwirkung versprechen. Dr. Krafft ist dem Berufe, ein Rückert für hebräische Poesie zu werden, mit Glück gefolgt. Seme Leistungen 33) und die seines nicht minder bedeutenden Rivalen, H. Zebner, fallen ins Äereich unsrer 2. und 3. Skizze. Auf verschiedenem Felde glänzen L. Stein^) und M. E. Stern^), ein'Stern am Horizont hebr. Originaldichtung selbst. Die hiermit beendete Rundschau der Hauptleistungen im Gebiete einer erst gewordenen Disciplin dürfte vielleicht schon an sich einen Platz in einem jüdischen Literaturblatt ansprechen. Ja es scheint uns wünschenswerth, von Zeit zu Zeit eine rasonnirende Uebersicht aller Thätigkeit in den verschiedenen Disciplinen unsrer Wissenschaft zu erhalten. Die Vergangenheit soll aber mit dem vorgenommenen Abschlüsse nicht blos eine Vorrathskammer für die Gegenwart, sondern auch eine Rathgeberm der Zukunft sein. Darum haben wir geglaubt, einige Winke und fromme Wünsche mit einstreuen zu dürfen. Hier aber war es zugleich unsre Absicht, den Standpunkt.anzudeuten, von dem aus wir selbst einen kleinen Beitrag zur Gesch. d. jüd. Poesie zu geben gedenken, dm Weg nachzuweisen, aus welchen wir zu jenem Standpunkt gelangt. Sprechen wir uns nun kurz und klar noch einmal darüber aus. Die Geschichte der jüdischen Poesie bedarf einer Auffassung im Zusammenhangs mit der religiösen und politischen Geschichte der Juden, und zwar von jüdischem Standpunkte. Unsre erste Skizze will als Versuch einer solchen für einen abgesteckten Zeitraum gelten. — Es sind aber auch nach dem Erscheinen des allgemeinen Werkes von Delitzsch manche bedeutsame Resultate neuerhöhter Tätigkeit in den verschiedensten Gebieten jüdischer Forschung niedergelegt, welche (zum Theil nur in den Schilderungen benutzt) uns verstattm, durch ihre Zusammenfassung ein skizzirtes Charakterbild einiger hervorstechenden Erscheinungen unsres Feldes zu gewinnen. Diese sollen nach ihrer innerlichen Seite und nach dem angegebenen Zusammenhang dacgestellt werden, und ungeachtet besangen Rahmens auch kleinere Züge mit aufnehmen. Wir' stellen in unsrer zweiten Skizze nach einer kurzen Charakteristik der jüdischen Poesie in Spanien, Jehuda Ha-Lewi und Charisi. als Polbezeichnungen jenes Kreises hin. Doch gilt uns Letzterer, wegen 33) S. noch aram. Gnomen übers» 2l. Z. d. I. 1837. Nr. 58 ff. . 34) KönicMrom. F. a.M. 1839.8.; vgl. Jsr.Annal. 1839, S. 84.; vgl. S. 300 und sein jüngst erschienenes Gebetbuch. 35) Vgl. Annal. 1839. S. 300, 390. vgl. 379. Orient 1840, S. 8. LB. 573. 753. der ausführlichen Behandlung desselben bei Dukes, mehr als Ueberleiter zu — Immanuel, der als konische Spitze unsrer gesammten Darstellung unsre dritte Skizze ausfchließend einnimmt. — Ein Anhang zu derselben soll in poetisch nachbildenden Uebersetzungen die Dichtungsweise Immanuels veranschaulichen. Nicht die Neuheit des Einzelnstosses, nur die Verarbeitung desselben wagt es, die Aufmerksamkeit des, Lesers und sein billiges Urtheil in Anspruch zu nehmen. Jude« als Arabische Dichter. MitgetheiLt von F, L e b v e ch t. (Magazin f. d. Lit. des Auslandes Nr. 35. 36.) Vor der Erscheinung Muhammeds lebten auf der arabischen Halbinsel viele jüdische Stämme unter eigenen Fürsten, unabhängig von Arabern und Christen, ja das ganze Land zu manchen Zeiten beherrschend. In dieser Zeit gab es unter ihnen Ritter und Dichter, welche nicht die Sprache der Väter, sondern die des Landes zum Ausdrucke ihrer poetischen Ergüsse wählten^ Die große arabische Anthologie bewahrt die herrlichsten Proben von Schlacht- und Minneliedern solcher jüdischen Ritter, die eben so sehr ein Denkmal der Sprachbildung, wie der Freiheit jener Tage sind. Muhammed fand an den Juden seine tapfersten Widersachererst nach langen^ heldenmüthlgm Kämpfen wurden sie von ihm, dessen Streitkräfte täglich wuchsen, überwunden und zu einem Vergleiche gmöthigt, der ihnen die Unabhängig- * fett raubte. Die Araber selbst horten durch die Einführung des Islam auf, im freien Zustande der Beduinen Zu leben. Durch die Vereinigung derselben zu einem Volke und unter einem Chalifen wurden sie aus der Einfachheit patriarchalischer Sitte hinaus in das stürmische Leben der großen Weltböhne getrieben, und hierdurch theilten sich auch dem Charakter ihrer Poesie ganz neue Züge mit. Die originalen Eingebungen des Gefühls, der ungekünstelte Hauch der Natur unterwarfen sich der poetischen Kunst oder wichen ihr ganz. Die Juden in Arabien und in den Ländern, die von den Sarazenen nach und nach unterworfen wurden, schlossen sich dieser Bewegung in der Poesie an, und sie zeichnen sich nicht blos in der Wissenschaft, überall aus, sondern sie wußten sich auch der Schönheiten des Gesanges in der Landessprache so zubemeistern, daß aus dem Munde der Muhammedaner selbst .häufig Lob und Genugchuung darüber erklingt. Nicht so wohlgefällig wie die Muhammedaner nah-