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Der Orient · 1841-04-17 · 16 (17.4.1841) · p. Spalte 237-238

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
16 (17.4.1841)
Article
Der Prophet Habakuk und seine neuesten Bearbeiter
Date
1841-04-17
Page
Spalte 237-238 (sequence 1)
Language
German
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237 M. A. Levy: Der Prophet Habakuk und seine neuesten Bearbeiter. 238 Literarische Nebersichten. Der Prophet Habakuk und seine neuesten Bearbeiters von Sit A. Levy aus Altona. 9) Die zwölf kleinen Propheten erklärt von F. Hitzig. Leipzig 1838. 10) Die zwölf kleinen Propheten ausgelegt v.Heinr. Hesselberg. ö^dnigsberg 1838. . 11) Die Propheten des alten Wundes erklärt von Heinrich Ewald. Erster Band. Stuttgart 1840. 12) D D3 IN MDD -1NQÖ1 rmWN DJniDÖ PlpIlN 7DD b\ Breslau 1837. Es gehört gewiß zu den erfreulichen Resultaten der exegetischen Forschung, daß uns, nachdem das Terrain durch eine auf historisch-philologische Kenntniß sich gründende Grammatik geebnet ist, die Bücher des A. T. immer mehr zugänglich gemacht werden. So sind bereits die Bücher des A. T. durch die meisten und bedeutendsten Männer der Exegese, durch einen Gesenius,de Wette, Credner, v. Lengerke, Movers,Tuch,Hitzig, Ewald u. And. mit Erfolg bearbeitet worden, und wenn auch einzelne, z. B. I e r e m k <t und Ezechiel, bis jetzt nur stiefmütterlich behandelt wurden, so dürfen wir von dem rüstigen Fleiße der neuern Schule erwarten, bald auch diese Klage abgestellt zu sehen. Noch vor 2 Jahrzehendm hatten die kleinen Propheten, deren genaues Studium so Vieles zur Aufklärung der heiligen Schriften beiträgt, keine nur einigermaßen befriedigende Bearbeitung erfahren, während in der neuesten Zeit, binnen weniger Jahre die Commentare von Hitzig, Maurer und Ewald erschienen sind. Dennoch wünschten wir wohl, daß jeder einzelne der kleinen Propheten eine besondere ausführliche Bearbeitung (wie etwa Joel von Cr ebner) erfahren möchte. Ref. hat nun einem derselben, und zwar einem der schwierigsten dem Habakuk seine Aufmerksamkeit zugewandt, um auch zugleich an ihm die Leistungen der in der Anzeige genannten Schriftsteller zu prüfen. — lieber das Leben und Wirken des Propheten Habakuk haben wir durchaus keine zuverlässige Nachricht, wir sind daher genöthigt aus dem Buche selbst auf dem Wege der Interpretation , das Nähere zu ermitteln. Diese läßt uns auch nicht lange in Ungewißheit, in welche Zeit wir den Propheten zu setzen haben. Habakuk führt uns nämlich die Chaldäer, als ein ihm noch nicht naher bekanntes, im Wachsen begriffenes Volk vor 1, 6 ff., folglich lebte er im Anfänge der chaldäischen Periode; denn daß der Prophet noch nicht näher mit diesem Volke bekannt war, beweist die Art und Weise seiner Schildederung, diese ist zwar deutlich und kräftig, doch setzt sie keincsweges eine nähere Bekanntschaft mit ihm voraus; im Gegentheil zeigt sich deutlich, daß Juda noch keinen Angriff dm jetzt von ihm erlitten hat 2) und es fehlt auch nicht die Hoffnung, daß es auch bei diesem Ueberfall nicht untergehm wird (1, 12). 1) Diesem Aufsätze über Habakuk, welcher den neuesten Schriften gewidmet ist, wird «eine kritische Besprechung des schon altern Commerrtars von Dr. Wolfs in Kopenhagen folgen , da er bis jetzt noch in keinem jüdischen Journal besprochen wurde. Red. 2) Ueber die Erwähnung der Chaldäer bei Jes. 23, 13 s. die Commentare v. Ewald «.Hitzig zu dieser Stelle. Die früheren Schilderungen bei Jeremia sind ähnlicher Art, und fallen ungefähr um dieselbe Zeit.3 4) Dieß führt uns dahin den Propheten am passendstem in die erste Zeit des Zojakim zu setzen, also zwischen Ü06—-604. (vgl. 2 K. 24, 1 ff.), d. i. bei dem ersten Einfall der Chaldäer in Palästina, nachdem bereits Nebukadnezar die Schlacht bei Charkemisch gegen Pharao Necho 606 (Jer.4 6,2) gewonnen, und mehrer, kleine Völker unterjocht hatte. *) Mit diesem Resultat stimmt auch der ganze Inhalt und die Vorstellimgsweise des Propheten überein, und was man dagegen geltend gemacht: die Reinheit der Sprache, die Nichterwähung des Götzendienstes (vgt. jedoch weiter unten) u. s. w., um ihm ein anderes Zeitalter anzuweisen, kann weiter kein Gewicht haben; man braucht nur zum Ueberfluß die Schilderung 1, 2—4 zu vergleichen, um ein grelles Bild des Abfalls vom Herrn zu sehen. Damit wir aber nicht in den Fehler verfallen, den man der Kritik oft vorgeworfen: durch die äußere Bestimmung den innern Geist und die Notwendigkeit der Dichtung zu vergessen, wollen wir auf die Stellung der Propheten zur Zeit unsers Propheten einen flüchtigen Blick werfen, und besonders die Momente hervorheben, die auf ihn besonders Bezug haben. Da die Weissagungen der Propheten nicht auf die bloße abstrakte Idealität ging, wenn auch in dichterischer Begeisterung jene wohl berührt wird, so ist cs klar, daß bedeutende Ereignisse der Geschichte die größten Propheten Hervorrufen konnten, und daß diese dann, abgesehen von mannigfachen andern Zwecken, jene dem Volke erst zum Bewußtsein brachten, und sie als Momente der göttlichen Weltregierung aufzeigten. So erfaßten die Ereignisse schon die früheren Propheten, die, weil sie durch höhere Anschauung das Selbstbeweißtsem vermittelt hatten, auch über ihnen standen; sie konnten daher wahre Lehrer der echt theokratischen Gesinnung sein, weil bei ihnen die unmittelbare Weise der extatischen Erregung zur selbstbewußten Anschauung übergegangen war, welche die Totalität der Momente der einzelnen Begebenheiten umfaßte und zu würdigen verstand.5) Den Propheten war es deshalb auch weit eher vergönnt, die historischen Verhältnisse klar in ihrem Zusammenhänge anzuschauen als den weltlichen Machthabern, zumal diese, wie es meistens der Fall war, Götzendiener und mithin schlechte Regenten waren. Als nun aber der fromme König Iosia die Cultusreform eingeführt (625) hatte und was man nicht erwartete, bei Megiddo gefallen war (611); die heidnischen Völker Juda immer mehr bedroheten und Verwirrung im Innern dadurch zunahm, so war es natürlich den jetzigen verhältnißmaßig frommer» Zustand der Nation mit dem früherm bei weitem schlimmer» zu vergleichen; und so sehen wir jene Reflexion auftauchen, die gegen das Exil hin immer mehr hervortritt: man stellte nämlich die untrügliche Gerechtigkeit Gottes, die sich im Bunde mit Israel gcoffenbart, mir der 3) Vgl. Knobel, der Prophetismus der Hebräer. Breslau 1837. II. B. S. 290 ff. 4) Zunz (in der Zeittafel über die gesammte heil. Schrift Berl. 1839.) sehr unfern Propheten etwas spater unter Zedkia. — Wir können nicht umhin bei dieser Gelegenheit auf die Zweckmäßigkeit dieser Zeittafel (die auch abgesondert von der Bibel zu haben ist) zur Grundlage bei dem Unterricht in der biblischen Geschichte, in welcher Absicht sie auch im Seminar zu Berlin gebraucht wird, aufmerksam zu machm. Man wird hier manche Data finden, die man selbst in größer» Werken der Geschichte vermißt, und diese sind mit solcher Umsicht geordnet, wie es sich nur von einem Zunz erwarten läßt. 5) Vgl. Vatke's biöl. Theologie, S. 480.

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