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Der Orient · 1841-04-17 · 16 (17.4.1841) · p. Spalte 233-234

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
16 (17.4.1841)
Article
Literarische Rundschau,
Date
1841-04-17
Page
Spalte 233-234 (sequence 5)
Language
German
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233 Lit. Analekten. Notizen v. Dr. Carmoly: Mose di Rieti. Dark bar Patach. 234 Zeit beschämende Ausnahme machen die, die Ansichten ihrer Zeit zurnTheil voranstrebenden, Gelehrten der letzten Jahrhunderte, die der Aufzeichnung und Beschreibung hebräischer Schriften und des Lebens ihrer Verfasser beinahe' ihr ganzes Leben gewidmet. Allem die lebensgeschichtlichen Resultate sind nur von der äußerlichen Oberfläche geholt; an eine zeichnende Charakteristik, aus den innersten Ansichten der Schriftsteller geschöpft, ist nicht zu denken. Die Kataloge, welche wir von dm schätzbarsten hebräischen Büchersammlungen in Europa besitzen, liefern nur Büchertitel, höchstens Epigraphe, welche nur eine literarische Knochenlehre begründen^), Um den innersten Gehalt und die Genesis der hebräischen Poesie wahrhaft zu erkennen, bedarf es auch mehr als bloßer Kenntniß der poetischen Literatur allein^); denn diese ist der Brennpunkt aller Strahlen des jezritigen Geistes, und kann ohne Eindringen in religiöse und politische Geschichte der Juden nur oberflächlich und einseitig aufgefaßt werden. Was für dre Formenlehre der hebräischen Poesie (freilich größtentheils der biblischen) die christliche Gelehrsamkeit geleistet, enthalt Vorw. und Cap. II. des bekannten Werkes: Zur Geschichte der hebräischen Poesie rc,, dessen zweiter Titel Formenlehre der jüdischen Poesie, nebst einem einleitenden Borentwucf einer Geschichte der jüdischen Poesie rc. von Dr. Fr. Delitzsch (Leipzig 1836. 8.2"). Dieses, noch heutzutage von einer und der andern Seite schief beurtheilte Buch, muß hier vor allen andern unsre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, und wir wollen versuchen, seine Stellung zur Wissenschaft einerseits, und zum Judenthume andrerseits, im Allgemeinen unpartheiisch anzugeben. Sehen wir zuvörderst, was der Vers. selbst hierüber meint. Vor allem ist die Bescheidenheit des (zweiten) Titels zu beachten. Der Vers., des Quellenmangels sich bewußt, will „eine längere Reihe vorbereitender Studien eröffnen" (S. V.) — Es ist zu bemerken, daß die erste Monographie von Dukes, mit geringerem Srossumfang, also näherem Detail, kurz nach jenem Werke erschien, wodurch die unabhängige und verschiedene Richtung beiaber wie es scheint zu nennen scheut (vgl. z. B. S. 56. 57. mit Geiger S. 103 ff.). — (Indem wir im Begriffe sind gegenwärtigen Aufsatz abzusenden, erhalten wir das erste Heft der theol. Stud. u. Krit. 1841 worin Geigers erwähntesWerkchen von Umbreit recensirt wird. Auch bringt uns der Orient eine Rezension von Prof. Dr. Fleischer, dessen humane (nicht blos tolerante) Ansicht und Gesinnung den Gelehrten unsrer Zeit ein Muster fein möge. Wir erlauben uns, m einem kurzen Anhang zu diesem Artikel, einige Worte über den angeregten Gegenstand. 25) Dukes, Ehrens. S. V. vgl. Zunz. Etw. üb. d. rabb. Lit. S. 30 ff. 26) Vgl. Anm. 10. Delitzsch, z. Gesch. d. j. P.S.17. 2?) S. Geiger, Miss. Zeitschr. Bd. III- Blatt, f. lit. Unterh. 1837. der sich klar herausstellt28). Der mannigfaltige Nutzen derselben wird sehr beredt dargestellt (S. VII —XI.). (Beschluß folgt.) Literarische Analekten. I. Notizen von Dr. Carmoly. 1) Mose di Rieti. Isaak Samuel Reggio hat bekanntlich über diesen großen neuhebräischen Dichter in der Vikure-Jttim (Iahrg. 1829) eine kurze Notiz gegeben, aber wie.es a:«S jener MittheiLung scheint, besitzt er nur einen Kheil des großen Werkes des di Rieti, weil nur daraus sich seine unrichtige Angabe über Zeit der Abfassung und über Inhalt erklären. Er hat ihn unrichtig mit Dante verglichen und noch unrichtiger J&TT genannt. Da ich das Werk vollständig besitze, so will ich hier in diesem gediegenen literarischen Blatte einen ausführlichen Bericht darüber geben. Das große Werk des Mose di Rieti führt den allgemeinen Titel .i&HpD (nach Ez. 11, 16), es zerfallt aber in zwei große Thelle, von welchen der eine dVinH der ander! “DO heißt, zu welchen noch Anmerkungen kommen, die den Namen ^2*7 tragen. Der Verfasser gibt zu Anfang seines Werkes selbst die genaue Namengebung an, indem er singt: OJ? M3^> 1DD 10I1N1 iw by -wn mbo Vn ’D0 i?J? Kip’ DJfD STIpD i’Jöb piai h'piN o o “03 "inw fa Wnni : pjdn by “iöt ,1013 di Der erste Theil, welcher den Namen Sefer Ha-Ulam führt, zerfällt in fünf Abschnitte, welche über die Wissenschaften und ihren Nutzen im Allgemeinen handeln, wie man schon Arbeiten der Art viele findet. Im ersten Abschnitt findet sich die biographisch wichtige Bemerkung, daß er siinem Vater Iizchak Rieti im Jahre 5176 d. i. 1416 geboren wurde, welches, nach seinen Worten, von der Lempetzerstörung (im Jahre 3328) an zwölf Jahre über: TODK nrfen macht; d. h. 1336 28) Ohne darauf hier einzugehen, ob Hr. Dukes, dessen Verdienste ich hochschätze, unabhängig gearbeitet, will ich hier nur bemerken, daß er das Werk v. Drv Delitzsch schon vor sich gehabt und so Manches daraus entlehnt. Es war weder wissenschaftlich noch ehrlich, über Delitzsch's Buch so ganz und gar bei. einem Gegenstände zu schweigen, das abgesehen von Allem, doch dieses Verdienst gewiß hat, das erste in diesem Fache gewesen zu sein. Daß er es wirklich früher gekannt, hat sein erster Brief an mich selbst ausgesprochen, und selbst wenn er es nicht benutzt, so hatte er dasselbe erwähnen müssen. R.

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