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Der Orient · 1841-04-17 · 16 (17.4.1841) · p. Spalte 227-228

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
16 (17.4.1841)
Article
Literarische Rundschau,
Date
1841-04-17
Page
Spalte 227-228 (sequence 2)
Language
German
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227 M. Sider: Lit. Rundschau, einleitend in Skizzen z. Geschichte der hebr. Poesie. 228 Die herangebrachte Kunde fremder Idiome verdanken wir in großem Maaße den zugleich lernenden und lehrenden Bekehrern.- Eigenthümlich ist die Betrachtung und Behandlung der hebräischen Poesie, bei der wir gleich hier eine später sich zu ergebende Sonderung der biblischen von der nach biblischen im Auge behalten muffen. — Das Buch der Bücher, das einzige Denkmal der aus dem Himmel niedertonenden Gottessprache, hörte mit dem gläubigen Anerkennen seines übermenschlichen Ursprungs auf dem Juden ein Gegenstand ausschließend ästhetischer Betrachtung zu sein 2)« — Wenn beim Juden des Mittelalters Literaturgeschichte mit der jüdischen Geschichte überhaupt unbearbeitet geblieben, so darf uns dies nicht wundern. Der blutgetränkte Griffel mag wohl den Händen des zitternden Schreibers entsunken sein. Und der Schwindel, die Uebertäubung der Gegenwart, ließen es nicht zu, mit der Todtenruhe der Kritik die Gräber der Vergangenheit zu eröffnen, um ihre Leichensteine2 3 4 5 6 7 *) zu verzeichnen. Denn nicht an Gelehrten, sondern an Wiffenschast im eigentlichen Sinne fehlte es uns so langes. Das Wort für diesen Begriff: „Wissenschaft des Judenthums" ist noch keine zwei Decennien in Umlaufs). Bis dahin wurde an keine Geschichte, vielwemger an eine Geschichte der Poesie gedacht. Erst durch Zunz") und Rapa- 2) Die bei Delitzsch, z. Gesch. d. yebr. Poesie cap. 1. aufgezählten spätern Bearbeitungen der Formenlehre gehören mehr der Philologie an (s. S. 10 tu vgl. uns. Anm. 17); vgl. Zunz: Etwas üb. die rabb. Liter.S.25. Dukes Denksteine (Ehrens. S. 47ff). Nachfragen: Luzzatto inr Orient 1840, L.B. S. 6 ff. und Saalschutz m A. Z. d. I. 1838 (vgl. Orient a. a. O. Anm.). Ueber eAe Abhandlung von Seligmann s. 2t. Z. d. I. 1837, S. 323. 3) Zunz a. a. O. S. 23. Häufig klaget hierüber Jost z. B. Gesch. d. Lsr. B. I. Anh. S. 10. B. IV. Anh. S. 264ff. Bd. V. S. IV. ff. S. 346 u. s. w. Emen inneren Grund gibt Maimonides bei Dukes a. a. O. Anm. 4) Au uz a. a. O. S. 34. 5) Zunz a. a. O. S. 38 — 41. Dukes a. a. O. 6) Unsres Wissens zuerst ün Titel der Zeitschriftv. Zunz, die nur ein Jahr (Berl. 1822) erschien. Die Geschichte ihres Entstehens und baldigen Eingehens wäre für eine Charakteristik der geistigen Bestrebungen jener Zeit sehr lehrreich, und würde, etwas ausführlicher gegeben, vielleicht das im Orient, 1840 LB. S. 647 nackt hingestellte Urtheil modisicirt, oder auch anders motivirt haben. 7) Etwas über die rabbin. Litteratur 20. Berl. 1818. 8. Dieses kleine (und vielleicht deshalb im Orient 1840, LB., S. 646 gänzlich übergangene, aber LB. S. 221. erwähnte) Schriftchen, das sich selbst nur für eine R e c er» si o n (s. Vorw.) gibt, ruft als Herold einer neuen Zeit die Thatigkeit und auch den Kampf in allen Feldern, auf denen seitdem gekämpft und geleistet worden. Für unfern Text wichtig ist das „Jnhaltsverzeichniß von Wissenschaften" der jüdischen Gesammtliteratur (S. 9—32), eine „enzyklopädische Uebersicht^ im Kleinen, die etwa mit dem portL) ist auch die Idee einer Literaturgeschichte und Encyklopädle aufgetaucht und gilt heut zu Tage für die höchste theoretische Aufgabe der jüdischen Wiffenschast 9). Aber zu einer solchen an Abschließung grenzenden Höhe kann sie erst durch gründliche Durchforschung ihrer Theile bis aufs Einzelnste herab und durch eine zusammenfassende Thatigkeit, zur Aufhebung der einseitigen isolirten Forschung in ein harmonisches Ganze, gelangen. Beide Arten von Bestrebungen sind unstreitig zur Auffassung des Judenthumes in seiner Ganzheit, zur Entwicklung seiner gegenwärtigen Erscheinung aus der gesummten historischen Vergangenheit nothwendig io). Höchst schwierig ist aber die Wahl des einzuschlagenden Weges, wo es eben so sehr gilt, eine Wissenschaft der Welt, als die Welt einer Wissenschaft zu gewinnen, gegen die von vornherein Fanatismus und Befangenheit von der einen, Vorurtheil und Verachtung von der andern Seite sich zu erheben drohen^). Es mußten da Resultate gebracht und in Aussicht gestellt werden. Die Einheit des Grundgedankens mußte durch die nothwmdige Erörterung allererst jüngst durch Geigcr (vgl.Annalen 1840, S.366b.) uns bekannten Brief d e l Medigo 's zu vergleichen wäre. Del Medigo's encyklopädische Schriften (Melo Chofnajim S. XXIX. XLV. 35—7. vgl. S. 93) würden gewiß durch eine frühere größere Verbreitung auf die Bearbeitung dieses Feldes von rvohlthätigster Wirkung gewesen sein. Es scheint aber das Gegentheil mit der ganzen Richtung der nachfolgenden Zeit zusammenzuhängen. 8) Vorzüglich durch seine Proben und Aufsätze in den Bikture Ha-Jttim (die wohl etwas mehr als „einzelne Data zur trockenen Knochenlehre der Bibliographle liefern" Orient, LB. S. 647; s. Zunz Gottesdienst!. Vortr. S.X111. Geigers Zeitschr. f. wiffensch. Theo!. Bd. I. S. ... Bd. 11. S. 51 ff. Bd. IV. S. 261 ff. vgl. Dukes Ehrens. S. V.-**). sRap. hat das jüdische gelehrte Publikum wohl zunächst zu seinem Schuldner gemacht. Aber bald dürfte es ein unablässig mahnender Gläubiger werden. Das stillschweigende Versprechen, seine riesenhaften umfassenden Forschungen unter günstigen Umständen zum Gemeingute zu machen, hält vielleicht manchen begabten Gelehrten ab, sich auf einem Felde abzumühen, dessen schönste Früchte bereits in der reichen Vorrathskammer eines Andern aufgchauft liegen. Ganz Israel hungert also, und glaubt, es sei a n der Zeit die Speicher nach und nach aufzuthun!] 9) Interessante Beiträge zur Innern Entwicklung und Charakteristik literar - histor. Zeitabschnitte sind Geigers „zwei , ersten Jahrhunderte re. (Zeitschr. Bd. 1.) und Nr. 1 der Einleitung zu Melo Chofnajim (S. IX—XXII.), Nicht minder wichtige Beiträge sind: Zunz's Abhandlung über jüdische Geographen in Ashers Binjamkn v. Tudela Bd. 11. und die zur Concordanz versprochene (in Hambergers de Rossi oft citirte) Gesch. d. hebr. Grammatik, an die wir uns erlauben Hr. Dr. F ü r st zu mahnen. — Wir erwähnen hier noch Dr. Uri's: Eneyklop. und Methodologie der jüd. Theo- •logie in A, Z. d. I. 1837, Rr. 20 ff. 10) Zunz. Etw. üb. rabb. Lit. S. 4. 7—9. 43- 11) Z unz a. a.O. S. 35—41. Gottesd. Vortr. S. VI1. 12) Geiger Ztschr. Ul. S. 111. Orient LB. S. 693.

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