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Der Orient · 1841-04-17 · Heft 16 (17.4.1841) · p. Seite 125

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 16 (17.4.1841)
Article
Zent-Miklos: Zustand der Gemeinde
Date
1841-04-17
Page
Seite 125 (sequence 3)
Language
German
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125 Einheimischen, wie sie glauben, ihren Nahrungszweig Abbruch gethan. Lange sah man es geduldig zu, d. h. man ließ öffentlich darüber kein Wort fallen, aber im Stillen waren die Gemüther in Aufregung, es bildeten sich mehrere zu ganz entgegengesetzten Zwecken geschloffene Gesellschaften, bis endlich die mit Brennstoff gefüllte Miene sich Luft machte und eine heftige Explosion verursachte.— Die über den ausgedehnten Handel des erwähnten Fremdlings Zeter schrien machten Schritte, die keineswegs zu entschuldigen sind. Sie Unterzeichneten eine Petiton, die zum Zwecke hat, alle Angesiedelten auszuschaffen, und überreichten es dem löblichen Comitate. Natürlich konnten sie um die Ausschaffung der beabsichtigen Person nicht ansuchen und commodiren, friedliche, harmlose Eingewanderte — das ist die gewöhnliche Folge jeder ungerechten Handlung. — Die Gegner machten Schritte daß das Unternehmen scheiterte, und da diese die einflußreichsten und angesehensten sind, um so größer das Bemühen jener, ihre einmal gemachten Schrilte dmchzusetzen — die Folgen dieser Eonflikce sind sehr bedeutend. Drei Brautpaare, deren männliche Candidateu aus anderen Erbstaaten sind, werden verhindert sich zu verehlichen. Paare die durch Umgang schon an einander gekettet, und durch die Hinderniffe noch mehr zugethan, warten auf Verrichtung der Geistlichen, die man ihm streng untersagt hat. — Was soll aus ihnen werden, wenn man sie mit tyrannischer Gewalt von einander reißt. Was sollen die, die ihre Existenz hier gesichert haben in ihre Heimath unternehmen, welche sie vielleicht aus drückender Noch verlassen haben? Das Davidi sch e : Sie haben mich verjagt, daß ich mich dem Erbe Gottes nicht anschließen kann, kann man wirklich hier in Anwendung bringen. — Ich weiß, daß mancher Leser dieser Gemeinde darüber den Kopf schüttln wirdaber das soll und wird mich in meiner Liebe znr Wahrheit nicht abhalten, das Unrecht der Welt zu veröffentlichen. — M. Astmeyer. Pest!) (Schluß.). Es ist jedoch hier keineswegs unsre Absicht, tiefer einzugehen in die materielle Stellungder Israeliten zum Bürgerthu'me; ihre Basis liegt in den jüngsten Reichstagsbeschlüffen ausgesprochen vor uns, und das ist die gewisse Zuversicht, die uns beseelt, von nun an wird es auf der Bahn des Rechts und der Sicherheit immer weiter vorwärts gehen. Was wir davon hier andeuteten, geschähe nur, um zu zeigen, welche Mittel, welche physischen Kräfte vorhanden sind, um das Gemeinde- Leben der Israeliten sicher zu stellen oder zu kräftigen, damit durch Wohlstand und sociale Macht das ganze israelitische Volk sich zu heben im Stande sei. Das ist es, worauf in neuester Zeit unser vorzüglichstes Augenmerk gerichtet sein muß. Die moralische Kraft Israels soll sich mehr und mehr heben, und sie kann es, wohl gemerkt, zum großen Theil nur durch physisches Wohlsein. Darum gilt uns auch von dieser Seite ein wohlthatiges Gemeindeleben so viel. Israel ist auch in dieser Hinsicht meist auf sich beschrankt. Der Staat bekümmert sich nicht, wie bei der christl.. Bevölkerung, so nachdrücklich um Bolkserziehung, denn man hat ja die Israeliten bisher als Fremde betrachtet. Nur in neuester Zeit hat man diesen unglücklichen Jndisserentismus aufgegeben, aber an Unterstützung zur Errichtung von Institutionen, die auf Erziehung des Volkes abzwecken, ist nur höchst ausnahmsweise zu denken, und wo daher etwas der Art unter den Israeliten sich, vorsindet, ist es meistens, lediglich ihr Verdienst. Daher die Erscheinung, daß man noch so wenig Volksschulen hat, daß der Unterricht der israelitischen Jugend Ungarns noch so im Argen liegt. An ein Schulwesen, wie es bereits in Deutschland sich etablirt hat, ist nur an garwenigen Orten zu denken, von einem allgemeinen Plane, von bestimmten Unterrichtsmitteln, von allgemeinen Schul- und Lehrbüchern nicht die Rede, und nicht selten vernichtet der häufige Lehrerwechsel die Früchte wieder, die sich hoffen ließen. Kurz die Schule hat noch keinen Bestand in Ungarn. Doch die zuversichtliche Hoffnung darf uns beseelen, daß es auch darin bald besser werden wird und muß; denn nicht allein der Staat wird sich .von nun an gewiß um den Unterrichtszweig bekümmern, und die Linien angeben, bis zu welchen heran der Jugendunterricht gebracht werden muß, sondern auch der Dürstigern annehmen. Der Handwerksmann tritt jetzt in die Reihe der Stimmfähigen und verlangt Erziehung für seine Kinder, verlangt ein Gemeindeleben. Schon zeigen sich bereits die Vorboten dieser Wünsche und Bestrebungen und es fangen sich sogenannte Handwerksvereine zu bilden an, die nicht seltm schon der Grund zu Fonds und Mitteln für Wohlthatigkeits- und Unterrichtsanstalten geworden sind. Wir hegen sogar die Hoffnung, daß das Schulwesen sich eher empor bilden wird, als das kirchliche uud Synagogenleben und daß vielleicht erst von der Schule die Reform der Synagoge ausgehen wird. Wenigstens ist der Wunsch nach wohleingerichteten Schulen so ziemlich allgemein und aus ihre Einrichtung wirkt der Zwiespalt nicht, der sich in religiöser Hinsicht hier und dort fühlbar macht und das kirchliche Leben nicht selten darnieder halt. Nur das in tüchtigen Schulen erleuchtete, gleichmäßiger erzogene und emporgebildete Geschlecht wird daher auch auf die Gestaltung der Synagoge und des Gottesdienstes einen wohlthätigen Einfluß äußern, und manches in dieser Hinsicht erst nach einem Menschenalter besser werden. Jetzt bringt jeder seine Privatanst'cht, seinen Privatglauben mit zu den Verhandlungen über kirchliche Einrichtungen und kirchliches Leben, hier verlangt man einen ungeschminkten, ehrlichen Talmudisten zum Rabbinen, der aller Weltweisheit fremd sein soll, dort ruft man in einem Athem: „Predigt! Predigt!" und ist enthusiasmirt oft über die seichteste Production dieser Art; dieser will die alte liebgewonnene Synagogen-

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