Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1841)
- Article
- Zent-Miklos: Zustand der Gemeinde
- Date
- 1841-04-17
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
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124 dem Eifer für die Nation arbeiteten und arbeiten, angekaust, und der Erfolg dieses Mittels blieb nicht ganz wirkungslos. Es sind hier Männer? die von der bohren Idee der jüdischen Religion durchdrungen sind, und für das Wohl dieser Glarrbensgemeinde die größten Opfer zu bringen bereit wären. Man glaube.aber nicht, daß dieses von allen Einwohnern gesagt sei; auch hier smd noch treue Wächter der eingeschlichenen Mißbrauche, die wider jede Neuerung einen gränzenlosen Feiereifer an den Tag legen, und drohen, den Einheimischen oder Angesiedelten Aufgeklärten mit Stumpf und Stiel zu vertilgen. An der Spitze dieser falschen Eifrer steht der Rabbiner, ein im Talmud sehr bewanderter Mann, der aber alles Wissens bar, und geeignet dem natürlichen Lauf der Aeit wenn nicht zu hemmen doch aufzuhalten. — Seine Mittel sind erfolgreich. Nicht wie die Zeloten bedient er sich des Bannes und der Flüche; auch nicht der öffentlichen Reden, die geeignet wären die Herzm der Zuhörer nach Willkühr zu lenken; denn an Rednertalent mangelt es ihm zu sehr — sondern weit gefährlichere Mittel weiß er zu gebrauchen, die zwar das Ansehen der Unschädlichkeit an sich tragen, aber ihn sicher zum Ziele führen. Diese sind: Festigkeit des Characters, Beharrlichkeit und eine granzenlose Hartnäckigkeit. — Folgendes Beispiel diene zum Beweise des Gesagten: Neulich vecheirathete der reichste Mann dieses Ortes, und vielleicht dieser Gegend, Herr S. Diener, seinen einzigen Sohn. Er wollte, daß der heilige Akt der Copulation nicht wie gewöhnlich auf öffentlichem Platze, sondern in der Synagoge geschehe. Er unterbreitete es dem Rabbinen, und was glaubt man war seine Erwiederung? ein entscheidendes Nein. Trotz der öfteren Aufforderung und vielleicht auch Drohung, blieb er hartnäckig bei seiner einmal ausgesprochenen Verneinung, und Herr Diener, wahrscheinlich des Verdrusses müde, ließ es dabei, und die Copulation war wirklich unter freiem Himmel. — Man höre weiter: Das junge erst in Ehestand getretene Frauenzimmer wollte, und auch des Mannes Wille war es, an das schöne Haar das Todesurtheil nicht vollziehen lassen, und trug es. Der Herr Rabbiner fürchtete die Folgen, denn schon warm unter den unverheirateten Clubbs gebildet, die beschlossen haben, auch an ihre Haare dieses' Urtheit nicht vollziehen zu lassen, er begab sich zu dem neuen Paar, und durch Bitten, Verheißungen brachte er es dahin, daß Tags darauf an derStelle der eignen fremde Haare getreten sind.— Alles dieses ist zwar wichtig, aber noch wichtiger sind seine wohlberechmten Entwürfe zur Hemmung der Erziehung nach dem heutigen Standpunkte. Ich will seiner Person nicht nahe treten, aber ich überlasse dem scharfsichtigen Leser den Schluß aus den ausgestellten Vordersätzen zu ziehen. —-- Nun kehre ich zu den Einwohnern selbst zurück. Die orthodoxe und liberale Partei leben übrigens brüderlich vertraut bis auf diesen Punkt, der gewöhnlich der Zankapfel dieser Parteien ist — die Religion. — Um so mehr verdienen sie nach meiner Ansicht gerechten Tadel in^ einem Punkte, den ich jetzt der Wett bekannt zu machen Willens bin. Die Geschichte unseres Volkes liefert uns den Beweis, daß viel Unheil das über Israel ausgegossen ward, aus seinem eignen Schooße hervorgegangen ist. Sv oft Zwietracht und Aerwüchriß in seinem Innern gewühtet, so oft die Einigkeit aus seinen Wohnungen geflohen war und Parteien die Ruhe gestört hatten, waren auch stets fürchterliche Stöße von Außen, die ihnen die Folgen ihrer heillosen Uneinigkeit fühlbar machten. Oft waren freilich eben diese Ereignisse Ursache zur erneuerten Vereinigung ihrer erschlafften Kraft, und gleichsam dadurch genöthigt, in Eintracht für das gemeinschaftliche Wohl zu arbeiten, aber wehe dem, der durch Erfahrung Klugheit lernt. — Israels Glück und Ruhe beruhete und beruht nur auf Einigkeit. Sie ist die Basis seines geistigen und körperlichen Lebens. Seit dem Israel in allen Welttheilen zerstreut und natürlich keine körperliche und allgemeine Einheit denkbar ist, so muß nothwendig' jede einzelne Gemeinde sich als ein Ganzes betrachten, und wenn sie ihre Ruhe und Glück ungestört genießen will, das Princip der Einigkeit streng beobachten. — Pacteigeist und arrogante Vorrechte haben manches Einschreiten von Außen veranlaßt, und fürchterlich war die Entscheidung. Vorzüglich in unsererr Zeit, wo selbst unsere christlichen Mitbcüder den Unrechten Druck und die unmenschliche Verhöhnung die in manchen Ländern uns zu Theil worden anerkennen, uns gern des schmählichen Joches entheben und gleichstelten; jetzt müssen wir bedacht sein, alle die Streitigkeiten zu vermeiden, die im Innern brausenden Ströme zu unterdrücken, Parteien zu vereinen, und Frieden und Ruhe zu erhalten. Wehe der Gemeinde, deren Glieder sich anfeinden und vermeintliche Rechte, die der kalte unbeteiligte Zuschauer ungegründet findet, geltend machen wollen. Wehe einer israelitischen Gemeinde, die sich bei andern Glaubensbekennern gehäßig macht und veranlaßt, die für ihr Wohl gethanen Schritte zu bereuen. — Wie, ist die natürliche Frage, die sich dem christlichen Beamten bei Gelegenheiten, wo seine Autorität in Anspruch genommen wird aufdringt, wie soll ich zur Linderung ihres Joches arbeiten, wenn sie es selbst sich ausbürden? So ist in dieser Gemeinde ein heilloser Kampf ausgebrochen der bereits eine Wendung zum Schlimsten genommen. Dieser Kampf der schon 7 Monate dauert und mit aller Heftigkeit auf gegenseitige Vernichtung abzielt, hat einen Haß unter den Gliedern hervorgerufen, der die traurigsten Folgen befürchten läßt. Diese traurige Spaltung füllt die Gemüther mit heftiger Feindschaft, und macht den Ort zum Tummelplatz wüthender Leidenschaften. Vor 4 Jahren nämlich hat sich hier ein Kaufmann aus Mähren angesiedelt, der sein Zeitgeschäft en §ros treibt, und dadurch dm