Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1841)
- Article
- Cremieux an die Juden des Occidents
- Date
- 1841-04-17
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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122 verliehen; die Religion hat die schwankenden Meinungen hingerissen i). *— Vier Schulen sind jetzt in voller Tätigkeit: zwei nämlich in Kahira und zwei in Alexandrien. Sie werden es kaum glauben, meine Herren, was drei Monate der Probe hervorgebracht! Die letzten Nachrichten, welche ich aus Kahira empfangen, tragen das Datum vom 24. December; ich theile hier mit, was der Präsident des Schul-Eomite's daselbst, Hr. Jakob Ad da, mir geschrieben: Der Direktor und die Führerln haben, kaum daß ihr Contrakt angefangen, den Unterricht begonnen, und nach einigen Wochen schon hat man durch eine Prüfung den heilsamen Einfluß der Erziehung auf die Sitten wahrgenommen; das ist's was uns für die Zukunft viel hoffen läßt. ... Sie wollen den Eindruck erfahren, welchen die Kinder empfangen, als man ihnen Bücher und Schiefer in die Hand gegeben: sie waren sehr vergnügt, begeistert diese Gegenstände erhalten zu können, die man zu ihrem Unterrichte bis jetzt nicht gebraucht. Die Einrichtung gestaltet sich jetzt mir Leichtigkeit, nämlich in Rücksicht der Disciplin der Kinder. Reinlichkeit herrscht in der ganzen Anstalt, die sich natürlich auch auf die jungen Schüler erstreckt. Dreihundert Zöglinge besuchen die Schulen: 90 arme, 60 die nicht bezahlen können, und 150 „ welche bezahlen. Der Präsident des Schul-Comite's inAlexandrien, Hr. Valensino, schrieb mir unter dem Datum des 21. Januar: Es würde für Sie'ein angenehmes Schauspiel sein , unsere jungen Araber zu sehen; schon ganz begierig nach Unterricht, würdigend die Vorzüge der Reinlichkeit, auf die wir unsere größte Sorge verwenden und deren sie so sehr nöthig haben. Die Kinder kommen herzlich gern, jn die Schule und dienen schon als Sporn ihren Eltern. Ich kann Ihnen unmöglich den Wetteifer aller unserer Glaubensgenossen und die allgemeine Nacheiferung, welche das neue Institut angeregterzählen: es ist nun an dem, welcher seine Kinder in die Schule, wer dem Eifer des Comites Beifall zollt, und wer sich beeilt zum allgemeinen Wohl mitzuwirken ... In dem Augenblicke, wo ich Ihnen schreibe, verstehen alle unsere Kinder ihre Buchstaben; eine bedeutende Zahl versteht schon die verschiedenen Sylbenzusammensetzungen. Man halt auch mit ihnen Uebungen im Arabischen, Hebräischen, Italienischen, was die Erlernung dieser Sprachen bedeutend erleichtern wird. Mehrere Katholiken und mehrere Griechen haben bei uns angefragt, ob wir ihre Kinder aufnehmen wollen. Wir haben beschlossen in einer General-Versammlung, daß diese Angemeldeten ausgenommen werden sollen, wenn erst der Gang der Schule vollkommen regulirr sein wird. Uebrigens schreiten unsere Schulen vorwärts. Unter dem 22. Febr. fügt Hr. Vale nsin o hinzu: Ich habe die Genugtuung Ihnen zu berichten, daß die Schule zu Dank unserer Wünsche aufblühet. Die moralische Entwickelung ist unglaublich; die Eigenliebe , eines 1) Ich sage nicht zu viel, wenn ich den Eifer und die Hingebung der Oberrabinen zu Kahira und Alexandrien hier öffentlich lobe. Beide stellten sich als aufgeklärte, ehrwürdige und einflußreiche Männer an die Spitze der Verbindung für Gründung der Schulen. Jeden begeistert, man fangt an zu würdigen die Reinlichkeit des Körpers. Die Disciplin ist, obgleich noch nicht vollständig doch sehr bedeutend. In dem vorläufigen Local haben wir 58 Schüler, von denen bereits 14 geläufig lesen können; sie können bereits eine beträchtliche. Anzahl von italienischen Wörtern; vermittelst eines Alfabets setzen sie die Wörter zusammen, welche ihnen der Lehrer vorsagt. Alle diese Kinder, bis jetzt unter einer schlechten Behandlung erzogen, und durch Prügel niedergedrückt, gehorchen jetzt freudig dem Schalle einer kleinen Glocke, dem Zeichen eines Lehrers. Uebrigens erscheint es fast wie ein Wunder. Dieses, meine Herren, ist der thatsächliche Zustand dieses Instituts, deren Zukunft so große Vortheile verspricht; aber die Correspondenzen, von welchen ich so eben Ihnen einen Auszugs mitgetheilt, nehmen, wie Sie es wohl denken, inständigst die Hilfe der Israeliten des Abendlandes in Anspruch; diese Hilfe, ich habe sie versprochen, ich halte um dieselbe bei Ihnen an. — Juden Deutschlands und Italiens! die ihr, in den Theilen derjenigen Gegenden, welche ich so eben durchreist, mich mir den rührensten Zeichen der Hochachtung überhäuft habet, auch ihr alle meine Glaubensgenossen, welche zu besuchen mir nicht vergönnt war, aber deren Abgeordneten oder Briefe während der Dauer dieser Mission mir solche lebhafte und rührende Theilnahme erwiesen, von euch sowohl, von den Einen als von den Andern, erbitte ich das süßeste Zeichen der Theilnahme: eine Subskription für die jüdischen Schulen in Alexandrien und Kahira. Wenn es wahr ist, daß ich im Verlaufe meines Amtes von Euerer Seite einige Anhänglichkeit für meinen Elser, die heilige Sache Euerer Emancipation aus allen meinen Kräften zu unterstützen, verdient habe, so kommt zu Hilfe den jüdischen Schulen des Orients. Traget dazu bei, um die Wohlthat der Civilisation diesen ehemals durch Schrift und Wissenschaft so blühenden Gegenden zu erzeugen. Aus dem Morgenland ist die Religion gekommen, welche uns alle mit einer gleich strengen wie edlen Kette vereinigt. Die Israeliten, welche im Lande Egypten leben, von wo aus Moses Euere unterdrückte Ahnen befreiete, verlangen ihre moralische Erlösung von den Israeliten Europas. Von Kahira und Alexandrien an wird sich das heilige Feuer bald nach Damaskus und Jerusalem verbreiten; der Orient will sich neu beleben, und die Geschichte dürste eines Tages sagen: In den ersten Tagen der Welt verbreitete die von Moses geoffenbarte Religion von dem Orient bis zum Occident über die ganze Erde hin, die reinste Moral und die C'rkenntniß des einigen Gottes; vier Tausend Jahre später giebt dieselbe Religion, indem sie die Civilisation des Abendlandes von Jahrhunderten hinüberbringt, dem Morgenlande die Strahlen des verbreiteten Lichtes wieder, geschöpft aus dem Busen Gottes selbst. Noch einmal . vernimmt man nahe an der Wiege der Welt die großen Worte: Gott sagt: es werde Licht, und es ward Licht. Adolf Cremieux. Großbritannien. London, 2. April. Im Unterhause wurde gestern die Bill, welche Inden durch Abänderung des Eides zur Annahme von Gemeindeämtern in den Stand setzt, zum dritten Male verlesen und mit 108 gegen 31