Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1841)
- Article
- Cremieux an die Juden des Occidents
- Date
- 1841-04-17
- Page
- Seite 121 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Eim Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt beiallen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Zabr. für jüdische Geschichte und Literatur Herauögegeben von Br. Julius Fürst» Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, dasLitcratur-kattmitgerechnct, zwei Bogen, und zwar aw jedem Samstag regelmäßig. IG» Leipzig, den 17. April 1841» Orient. (Kahira und Alexandrien. Rundschreiben Cremreux's an die Juden des Occidents. Jakob Ad da. Valensin o. Schulen.). — Großbritannien (London, Emancipation in England.) — Böhmen (Prag. Standeserhöhungen bei den Israeliten, aber keine Einbürgerung.) — Ungarn (S z ent-Miklo s. Iuftand der Gemeinde. P estl). Schluß.) — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Die Emancipationsfrage in Sachsen-Meiningen. S. Steinhardt. Petition. — Personalchronik und Miscellen. Neue Predigen. Dr. I. Maier. A. Wiener. S. Pleßner. Dr. Holdh e i m. W. S. R o r h e n h e i m. Dr. Salomo tu Merkwürdige Beschränkung. ■— L.B. des Orients. Orient. Cremieux an die Juden des Occidents. Kahira und Alexandrien» Den 20. Marz dieses Jahres hat Hr. Cremieux folgendes Rundschreiben an die Juden des Abendlandes erlaffen, das ich, die Städte Kahira und Alexandrien betreffend, hier mittheile. Es lautet: „Meine hochgeehrten Herrn Glaubensgenossen, ich rufe Euere Hilfe zu einem großen und heiligen Werke an! Während meines Aufenthalts in Egypten, im Verlauf der so schönen Mission, welche unfern Brüdern im Morgenlande das so heiße Mitgefühl ihrer Brüder des Abendlandes hingetragen, wurde ich lebhaft von dem traurigen Anblicke der unglücklichen Bevölkerung bewegt. Seit vielen Jahrhunderten mit Füßen getreten, haben die Ueberreste des jüdischen Volkes, ehemals in diesen Gegenden selbst eine mächtige Nation, die Energie verloren, welche allem dem Menschen einige Schnellkraft gibt, indem sie ihn deran erinnert, daß er ein Geschöpf Gottes ist. Die Quelle, welche alle Kräfte unserer Einsicht beleben, der Unterricht, ist nicht einmal dem Namen nach bekannt in diesem Alexandrien, welches vor vielen Jahrhunderten durch die Lichter der Weisen und Gelehrten Israels so herrlich gestrahlt'. Die Kinder wachsen auf und werden groß, die Männer leben und streben in einer bedauerlichen Unwissenheit, die in ihrem Gefolge den tiefen Verfall, und in einem unglücklichen Müssiggange, welcher in seinem Gefolge die Dummheit führt. In Kahira ist die Lage der Juden noch trauriger, weil die Stadt derjenigen Bewegung entbehrt, welche das Meer Alexandriens in den Schooß seiner Bevölkerung tragt. Irr diesem liefen Elend sind zwar noch immer die Familien zahlreich; aber was sind das für Familien! Die Kinder werden von Krankheiten verzehrt, welche Armuth, Lässigkeit, die völlige Unreinheit des Körpers erzeugen. Die jungen Mädchen sind womöglich noch viel mehr vernachlässigt als die jungen Knaben, und der Tod rafft inmitten dieser trägen Menge, die seinen Schlägen preisgegeben ist. — So fand ich die jüdische' Bevölkerung in den zwei großen Städten Egyptens, hie und da zwar einige Männer von dem Wunsche nach Verbesserungen beseelt, aber ohne Stützpunkt, ohne Einfluß bei ihren Glaubensgenossen^ Meine Herren! Mir scheint es, daß meine Sendung ihre Sphäre würdig vergrößerte, wenn sie, nachdem sie die Unschuldigen unschuldig Verfolgten gerettet, unsere unglücklichen Brüder zu einer bessern Lage berief. Während Sir Moses sich nach Konstantinopel begab, um beim Sultan das Erfüllen des Aktes der Gerechtigkeit nachzusuchen, die wir schon früher von Mehmed Ali erhalten, habe ich Egypten noch einige Wochen geweiht; schnell rirf ich die Juden dieser Gegend zu einer Reform in ihren Gewohnheiten, in ihrem Leben auf. Ich befleißigte mich, ihnen die Wichtigkeit des Unterrichts; die Vorzüge der Arbeit merken zu lassen; ich zeigte ihnen die Schatze, welche die Entwiklung der Intelligenz verschafft. Unterstützt von dem gelehrten Herrn Munk, dessen Thätigkeit sich nicht einen Augenblick verleugnet hatte, und der von frühester Jugend in Deutschland so viele ausgezeichnete Ideen über Erziehung eingesogen, habe ich in Kahira und Alexandrien Schulen für jüdische Kinder beider Geschlechter gründen wollen. Der Erfolg hat meine Erwartung übertcoffen; nicht etwa, daß ich mir diese Ehre zuschreibe, ich war es ja schuldig der heiligen Sendung, mit der ich beauftragt wurde; aber sie hat mir wohl in den Augen der Juden des Orients einen in mancher Beziehung heiligen Charakter 16