Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 15 (10.4.1841)
- Article
- Beleuchtung eines arabischen Sprichwortes
- Date
- 1841-04-10
- Page
- Spalte 209-210 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meralurblalt des Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Meratur ...« JVi 1Ä. Leipzig, den 10. April 1841« Beleuchtung eines arabischen Sprichwortes, als Beitrag zur Alterthumskunde, von C. Bo-enheimer, Rabbiner in Hillesheim. Etwas über dietzHerrscher Persiens. — Dr.Joseph Dernburg: über das Pesach-Larnm z. Zeit Jesu, ein Beitrag z. jüd. Archäologie. — Lit. Anmerkungen von Moses Heß in Trier. Jon ah von Krahmer. Seker Rab von Deliitzsch. Etymologisches. Anfrage. — Lit. Ankündigungen. Beleuchtung eines arabischen Sprichwortes, als Beitrag zur Altcrthumskunde, von C. Boderrheimer. > ü i * "O y Ü a 2 2 Pi " uvJuH U&jö Jj U^&Xn v^oua-o jpr5 iiuo py pp pi Der widrigen Begegniffe in dieser Welt sind vier: Schulden, und wärs eine Drachme; eine Tochter, und wäre es Mirjam; das Reisen, und wärs auch nur Eine Meile; das Fragen, und wärs auch nur: Wie ist der Weg? Wenn zur Erforschung und Liefern Begründung des sittlichen Charakters und der Geschichte eines Volkes überall das Studium der Quellen als ein Haupterforderniß bezeichnet wird, so darf auch die Beleuchtung und Aufklärung eines dem Volke eigenen Sprichwortes keineswegs als Nebensache betrachtet werden. Dem Sprichworte muß entweder die sittliche Richtung des lebenden Geschlechtes, oder die Begebenheit der damaligen Zeit zur Grundlage gedient haben, und so wird es eine sehr ergiebige Quelle, weil es als Träger einer Wahrheit im Munde einer ganzen Nation fortlebte, und von einer Generation zur andern sich allmahlig fortpflanzte. Umfaßt nun ein solches in einem Gedanken beides, drückt sein Inhalt eine genaue Belehrung über Volkssitte und Historie aus, so muß sich fein innerer Werth ungemein heben, und das Interesse des Forschers an demselben bis zu einem sehr hohen Grade gesteigert werden. Von unbeschreiblicher Wichtigkeit sind demnach dem Denker hauptsächlich die Denk- und Sinnsprüche der Orientalen, die in ihrer lebhaften, feurigen Phantasie gern 'jede Wahrheit durch einen kurzen Spruch festhielten, und jeder Thatsache durch wenige Worte ein ewiges Denkmal setzten. Asien, die Mutter des Menschengeschlechtes und aller Religionen, wird auch mit Recht die Mutter dieser Ausdrucksweise genannt; Hebräer, Perser und Araber besitzen davon einen reichen Vorrath, einen großen Schatz, der ein anmuthiger Schmuck ihrem Haupte, und ein Geschmeide ihrem Halse ist. Die Erklärung und Aufhellung des vorliegenden arabischen Sprüchworkes, dem wir nur die undeutliche, schwierigste Stelle entnehmen —- ySj o«u)t, dürste demnach nach unserem Dafürhalten nicht ganz unzweckmäßig erscheinen, besonders da diese kurze Sentenz in zwei Abheilungen zerfällt, und das erste Wort die Volkssitte charakteriflrt, während die beiden andern sicher eine historische Bedeutung haben. Zur klaren Auffassung des Ganzen ist es aber unumgänglich nochwendig, daß wir den Verfasser, oder wenigstens den Verbreiter und Aufbewahrer, so wie das Land, die Gegend und die Zeit der Abfassung kennen lernen. Wir erfahren jedoch alles dieses, sobald es uns möglich wird, den Mann mit Bestimmtheit zu bezeichnen, bei dem diese Worte ausgeschrieben standen. Der Mann ist aber, wie uns durch Tradition bekannt geworden, der berühmte persische König Cosru Perwiz, auf dessen Diadem diese Lebensansichten'dargelegt waren; denn in dem Werke: Ar ahm Philo sophia popularis ed. Z. Clu Kallms heißt es: Habetil in tradilionibus suis5 quatuor haec verba fuisse inscripta diademali Kosrots, Persarum regis wodurch daselbst auch der arabische Gedanke erörtert werden soll: aJÜf o-UJt, und die Zeit werden wir demnach in der Folge und im Laufe unserer Abhandlung mit vieler Genauigkeit bestimmen. Der Anfang des Verses beruht auf einer, bei den Völkern des Orients, und hauptsächlich bei den Arabern zur Zeit der Unwissenheit vorherrschenden, Gewohnheit, die Geburt 15