Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1841)
- Article
- Leipzig: Nachtbilder über Juden aus amerikanischen Blättern
- Date
- 1841-04-10
- Page
- Seite 117 (sequence 2)
- Language
- German
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daß die amerikanische Prahlerei von einer republikanischen Zugend und einem Bürgersinn nur ein Hirngespinnst ist, und daß die Institutionen des Landes nicht im Entferntesten auf die Reinheit der Anschauung, auf Ablegung der Vorurtheile gegen die Juden einwirke, und daß wer in der alten Welt ein Herz voll Haß und Erbärmlichkeit mit sich herumtrug, in der neuen Welt unter dem großen Handelsvolke noch verstockter wird. Doch ich theile dm Aufsatz vollständig mit: Ein Aufsatz im „Volkfreund", der reindemokratischen Zeitung von Lankaster , im Ohiostaate, spricht sich mit so vieler Harte und Einseitigkeit über die in den vereinigten Staaten Nordamerikas immer häufiger einwandernden Ueberrcste Jakobs aus, daß dieses Blatt, dem Urtheil der Juden zufolge, vielmehr den Titel ^Volksfeind" führen sollte. Der Gegenstand ist jedenfalls interessant genug, um in nähere Erwägung gestellt zu werden. Die Beweisführung der oben gedachten Zeitung stützt sich besonders auf folgende Hauptpunkte: 1) Der Jude, für Wucher und Handel erzogen, ist an. keine Feldarbeit, noch an irgend ein Handwerk zu gewöhnen. 2) Wenn die deutschen Juden nach Amerika kommen, fangen sie an zu hausiren oder zu renommiren, sie seien gelehrt, können predigen, lehren und — Verse machen. 3) Falschheit und Betrug gegen Christen, welchen der Talmud entschuldigt, ist ihr gewöhnlicher Karakter. 4) Es sollte in einer Republik nicht geduldet werden, daß Christenmädchen sich mit Juden verheirathen. 5) Können sie gute Republikaner und Bürger der vereinigten Staaten werden? 6) Die Juden sollten, wie die Neger, in ihr ursprüngliches Geburtsland zurückgesendet werden, wozu sich eine amerikanisch-palästinische Kolonisations-Gesellschaft bilden sollte. Die „alte und neue Welt" findet diese Punkte, wie sie selbst sagt, „wahrhaftig hart und nichts weniger als demokratisch." Aber dennoch, fügt sie hinzu, liegt manches Wahre darin, das selbst der vorurtheilfreieste Weltbürger nicht zu läugnen und worüber der historisch und zugleich psychologisch betrachtende Politiker blos zu seufzen vermag. Um das deutsch-amerikanische Publikum über den betreffenden Gegenstand möglichst gründlich zu erbauen, tritt der Redaktor der „alten und neuen Welt" in umständliche Erläuterungen ein, denen wir nur den Hauptinhalt entnehmen wollen. „Ohne mich hier in die höchst wichtige Frage einzulaffen, ob die Moral der griechischen Weisen höher oder eben so hoch stehe, wie die des Evangeliums, und ohne daraus den Schluß zu ziehen, daß die Menschbeit dem Volke Israels zur Dankbarkeit verpflichtet, will ich blos obige Punkte des Votkssceundes etwas näher beleuchten und untersuchen, ob die in großen Massen beginnende Auswanderung der Juden aus Europa für die vereinigten Staaten, d. h. für die republikanische Volksherrschaft, ein Segen sei." „Nach langen und heftigen Debatten und Federkriegen, geführt durch Gründe der Alles mit Liebe umfassenden Humanität und der kalt berechnenden Staatsklugheit, sehen wir bereits in mehren Ländern der alten Welt die Juden emanzipirt, d. h. mit all' jenen Rechten begabt, welche der Staat den Bürgern christlicher Religion, nach dem Verhältnisse ihrer sozialen Stellung gewährt; und diese Länder kann man unstreitig zu den freisinnigeren zählen, indeß in anderen der Jude Verächter und von allen bürgerlichen Rechten ausgeschlossen ist, so daß er als solcher, ohne seinen einfachen Glauben für das Taufgeld zu verhandeln, kein Grundeigenthum besitzen, kein Amt bekleiden, kein Meistercecht als Handwerker erlangen, ja an mehren Plätzen, besonders in Bergstädten, nicht einmal wohnen darf. In wiefern sich dieses mit der christlichen Nächstenliebe verträgt, ist freilich ein, obwohl leicht zu lösendes Räthsel; so wie es Thatsache ist, daß die moralische Verderbtheit der Juden im Allgemeinen, es zur Notwendigkeit der Politik gemacht hat, ihn als entwürdigte Sache zu behandeln." „Doch worin liegt die Quelle dieser moralischen Verderbtheit? Wahrlich, im Drucke selbst, worin der Jude in solchen Ländern der unchristlichen Christen schmachtet, aus welchem sich leicht dessen Falschheit, Betrug und Groll hecleiten lassen. Was bleibt dem Israeliten dort übrig, um sein Leben zu fristen, als Schacher, Handel und Wucher, welche ihn um fo eher zur Bevortheilung treiben, da er jenen als Feind haßt, der ihm außer diesem Erwerbszweig nichts den seine Verachtung gelassen hat?! Also die Schuld des ersten Punktes: „daß der Jude an keine Feldarbeit, noch an ein Handwerk zu gewöhnen," ist Hypothese und liegt, insofern und wo dieses der Fall ist, blos in der tadelnswerthen Behandlung der Christen, deren Meister, der weiseste der Juden, doch Nächstenliebe gepredigt! Einen National- Karakter har zwar jedes Volk und einer der erbärmlichsten ist wohl ^jener der Juden — einzelne rühmliche Ausnahmen nicht zu vergessen; — allein kein Volk ist von Natur aus so verdorben, daß es nicht durch weise politische Institutionen und durch Erziehung, welche den Menschen erst zum Menschen macht, für politische und moralische Tugend empfänglich gemacht werden könnte. Ein verzogenes Kind auf den rechten Weg zu bringen, ist schwer; aber noch weit schwieriger ist es, ein im Sklavenjoche entwürdigtes und ungerechter Weise verachtetes Volk zu erziehen und seinen Sinn für Edleres und Größeres zu wecken. Daß also die Juden, die sich trotz ihrer karakteristischen Feigheit bereits über den balkenlofen Ozean wagen, hier, wo für sie ein wahres Eldorado ist, auf das Hausiren verlegen und so lange mit dem Bündel auf dem Rücken umherziehen, bis sie sich zu Kaufleuten, Brokern, Banquiers und andern amerikanischen Respektabilitaten emporschwingen, ist eine nothwendige Folge des obigen. Daß der Jude gern renommirt und prahlt, ist Thatsache; aber es ist auch nicht