Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1841)
- Article
- Algier: Aussichten auf eine künftige Stellung der Juden in Nordafrika
- Date
- 1841-04-10
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
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— 114 — reich mb 1403, aus Portugal 1496; wie damals werden es ja Unterdrückte sein, welche "die Verfolgung Wehen. Das Beschwerliche der verschiedenen Sprachen in Algier werden sie nicht haben, da sie alle arabisch und spanisch sprechen Und der blühende Handel würde sie locken- Die Bewegung, welche sich 1838 in der Bevölkerung Oran's zeigte, beweist uns hinlänglich, daß unsere jüdischen Nachbarn dem Gedanken einer Einwanderung nicht fremd sind. Ihre Zahl hatte sich dort plötzlich verdoppelt und man zählte unter -ihnen fast vier Männer auf eine Frau; nicht die Familien also waren weitergerückt, der Überschuß bestand blos aus Flüchtlingen, aus Tlemsen, Maskara und Marokko, die eigentlich nur hmkamen, um das Terrain zu untersuchen, und sich endlich wieder zurückzogen, sie eingesehen, daß noch keine Sicherheit ist. Die Inden in Marokko haben nur bewegliche Güter, die schimpfliche Kopfsteuer allÄn fesselt sie an ihren Boden; die Regierung hält sie fest durch die harte Steuer, und keiner darf sich daher ohne Sicherstellung entfernen- Diese Caution beträgt jetzt c. 2000 Franks für den Kopf. Wenn unsere bestimmt constituirte Niederlassung sie zur Theilnahme an den bis jetzt ihnen versagten Gütern einladen würde, so ist es nicht denkbar, daß die marokkanische Regierung darum.sie durch Erleichterung ihrer Lage zurückzuhalten denken würde.. Würde sie ihnen die Freiheit auszuwandern lassen? Würde sie suchen., sie mit Gewalt zurückzuhalten? Die Furcht, einen vorzüglichen Zweig ihrer Einkünfte zu verlieren , würde sie von ersterem Entschlüsse abwenden; der zweite aber würde im Schooße des Reiches selbst einen finstern Kampf erwecken, und uns auf dem ganzen Territorium des Sultans gefährlichere Einverständnisse erhalten als die, welche er in der Provinz Oran unterhält. Ein Theil dieser Beobachtungen ist auch auf die Juden von Tunis und Tripolis anwendbar. Was auch die Barbacesken-Regierungen bei dieser Gelegenheit für Maaßnahmen ergreifen würden: der Kontrast, welcher zwischen der Behandlung der Juden bei ihnen und bei uns herrschen wird, wird Komplikationen herbeiführen, in welchen der Vortheil auf der Seite der Humanität sein wird. Nicht alles wird in diesem Anwachs der Bevölkerung für Algerien zum Vortheil sein, und vielleicht wird man sich gegen das Mißverhältniß vorbereiten müssen, die ec in die Elemente, die zur Bildung unserer Niederlassung beitragen, bringen wird; aber welche auch derartige Inkongruenzen sein mögen, es wird leichter fein, ihn zu unsecm Nutzen zu wenden als ihn zu verhindern. Es fehlt in Algerien dem israelitischen Stamme keine Bedingung zu einem schnellen Wachschum an Zahl, Reichthum und Macht, und es ist, unter welchem Gesichtspunkt man es auch ansieht, dies eines der bedeutendsten Fakta, über die 3) Es waren nämlich 3136 Männer, 864 Frauen und 1667 Kinder daselbst, zusammen 3627. man in der Leitung -unserer afrikanischen Angelegen zu wachen hat. In den Händen dessen, der sie zu handhaben verstehen wird, werden die Juden ein mächtiges Werkzeug des Friedens sein. Ihre Verbindungen dehnen sichin den entferntesten Theilen der Regentschaft aus; zahlreich in Tunis, in Egypten, in den Staaten des türkischen Sultans, sind sie in allen Geschäften Marokkos einheimisch; ihre Söhne sind geeignet, den innem Handel AfrKä's sich -anzueignen. Die Juden von Algier, Bona, Oran haben Kredit-Verbindungen auf den vorzüglichsten Handelsplätzen des Mittelmeeres und besonders in Livorno, Genua, Marseille und Gibraltar; die Häuser ihrer Glaubensgenossen gehören zu den bestakkreditirtesten dieser Städte, und sind bereit, auf der afrikanischen Küste Kommanditen zu begründen, welche schnell wachsen werden. Algier kann der Mittelpunkt dieser weiten Association werden, und die Juden sind vielleicht bestimmt, durch das Uebergewicht ihrer Intelligenz , durch die Gemeinsamkeit des Glaubens und der Interessen, durch die Gegenseitigkeit des Vertrauens, das unter ihnen herrscht, Afrika und Europa durch ein weites Netz zu verbinden, unserm kommerziellen und politischen Einfluß zum Vehikel zu dienen, und in dieser Gestalt Frankreich einen Theil der Wohlthaten wieder zu erstatten, die sie von ihm empfangen haben. Deutschland. Breslau, 15* Marz. Vorgestern feierte die hiesige Königl. Wilhelms-Schule ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Am 12. März 1791 geschah die Eröffnung dieses Instituts der jüdischen Gemeinde, das von dem Könige Friedrich Wilhelm II. voll väterlicher Vorsorge für den geistigen Fortschritt auch seiner nicht christlichen Unterthanen ausgestattet und mit dem Namen, den es seitdem führt, beschenkt worden war. Zu der Jubelfeier hatte der Dirigent der Anstalt, Dc. Francolm, durch ein Programm eingeladen, ln welchem er eine kurze Geschichte des Instituts gab. Nachdem Vormittags die Schulfeierlichkeit, aus Vorträgen und Gesängen bestehend, stattgefunden, versammelten sich Mittags mehrere eingetadene hohe Regierungs- und städtische Beamte so wie die Lehrer und viele ehemalige Schüler der Wilhelms-Schule, nebst den Vorstehern und zahlreichen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde zu einem Festmahle, bei welchem, nachdem die Vorsteher den Toast auf Se. Majestät den König und das Königl. Haus ausgebracht hatten, .Herr Oberbürgermeister Lange über die Wilhelmsschule und deren gedeihliches Foctschreiten sprach, was von dem Dirigenten der Anstalt beantwortet wurde. Auch der Polizeipräsident, Herr Geheime Oberregierungsrath Heinke, nahm das Wort, um für den ihm ausgebrachten Toast zu danken und seine Theilnahme an Allem, was den geistigen Fortschritt der Gemeinde be-