Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 14 (3.4.1841)
- Article
- Ueber den Unsterblichkeitsglauben der alten Hebräer, ...
- Date
- 1841-04-03
- Page
- Spalte 199-200 (sequence 1)
- Language
- German
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199 Ueber den Uirsterblichkettsglauben dee alten Hebräer von Dr. Rhode, Leurcheilt v. Dr. Cossmann. 200 Literarische Ueversichte«. 8) Ueber den Unsterblichkeitsglauben der alten Hebräer, sofern er in der Vorstellung vom Scheol und einigen verwandten Ansichten sich kund geben soll. Eine Vorlesung, gehalten in der Philomathischen Gesellschaft zu Breslau von Dr. Heinrich Rhode, Licent. u. Privatdoc. d. Theologie in Breslau. (In derZeitschr. f. d. hrstor. Theologie herausgeg. v. Dr. CH. Fr. Illg en, ord. Prof. d. Theol. zu Leipzig. Jahrg. 1840. Heft 4.). . Wenn Herr Dr. Rhode in den einleitenden Worten seiner Vorlesung sagt: „daß seiner Untersuchung es mehr auf eine Beleuchtung der bisher von der Fackel der Kritik und Exegese noch unerhellten Seite des he- , brauchen Scheol, als auf die Ermittelung eines durchaus sichern Endergebnisses abgesehen hat, mithin sich nur als Fortsetzung, nicht als Abschluß früherer Forschungen über diesen Gegenstand ankündigt" so müssen wir gleich von vom herein bemerken, daß wir ihm auch dieses allerdings sehr bescheidene Verdienst, nicht zuerkennen können. Gerade die Kritik und Exegese sind höchst willkürlich gehandhabt, und es dürste nicht schwer fallen, wollte man ein ähnliches Verfahren einschlagen, ein Resultat zu gewinnen, das dem des H. Dr. Rh. schnurstracks zuwiderlaust. H. Rh. sagt zwar, daß er bisher auch dem traditionellen Glauben, der Scheol der Hebräer sei etwas den Griechischen und egyptischen Vorstellungen von einer Unterwelt der Schatten Aehnliches, zugethan gewesen, aber man sieht es dieser Vorlesung beim ersten Blicke an, daß der Vers, an seine Arbeit in der Absicht gegangen sei, den Hebräern den Glauben an eine Unterwelt und an den damit zusammenhängenden Glauben an die Unsterblichkeit, Zu nehmen. Daß dies aber der richtige Weg ist, bezweifeln wir gerade zu. Wir finden ja die Vorstellung von einer Unterwelt fast bei jedem Volke der alten Welt, bei dem einen freilich mehr ausgebildet, als bei dem andern, und somit ist schon a priori bk Annahme gerechtfertigt, daß auch wohl bei den Hebräern ähnliche Vorstellungen gäng und gebe waren. Wenn aber H. Rh. Seite 22 das Nichtvorhandensein des Glaubens an den Scheol, aus dem Charakter und der Weltanschauung des Volkes selbst erklären will, indem, wie er sich ausdrückt, „dergleichen Phantasien und Spekulationen über die Unterwelt dem lebenslustigen, leichten Sinne des Hebräers zu fern lagen und ihm zu düster und schaurig waren", so ist das eben nur der Grund dafür, daß die Vorstellungen über die Unterwelt bei ihm roh und unausgebildet blieben, er brauchte über den Scheol nicht zu phantasiren und speculiren, konnte aber füglich daran glauben. Daher kommt es denn auch,- daß wir nirgends, wie -bei. Griechen und Römern. in dem alten Testamente eine Beschreibung und ■ O Ausmalung des Scheol begegnen, überall wird er nur leise berührt, der Dichter und Prophet schlüpft darüber hinweg, als Etwas, was von Gott mit Absicht verhüllt, und dessen Aufdeckung dem Menschen nicht ziemt. Nach diesen wenigen und nothwendigsten Vorbemerkungen, wollen wir denn dem H. Dr. Rh. in seiner Vorlesung Schritt für Schrittfolgen, und unsere etwaigen Ausstellungen sogleich anknüpfen. Die Etymologie des Wortes — by'\£/ graben, Grube, Gr ab, Grabhöhle, Gruft, synonym von -ite und Hfi#/ hat eigentlich eine ganze Geschichte. Gesenius, Ewald, Hitzig, Böttcher streiten sich um die Entdeckung, und H. D. Rh. fügt noch einen neuen Konkurrenten hinzu: Redslob. Fürst in der Concordanz 8. v. p. 1088, a, weist, in allerdings nicht gerade milden und stuften^Ausdrücken, nach, daß die Autorschaft dieser Ableitung dem Gelehrten Haas gebührt, der in seinem 1802 erschienenen griechischen Wörterbuchs bereits jene Worte fyütt ^2/ Loilog, coeluiN) Hölle, Höhle) zusammenstellt. <?c% und orcus, meint nun H. 8kl). könne man in der Bedeutung Grab nicht gebrauchen, und schon dies beweist die Jnconvenienz dieser Worte mit Abgesehen aber davon, daß wir dies durchaus für kernen Beweis gelten lassen können, so ist dem nicht einmal so; auch findet sich in der Bedeutung: Tod, Grab und Etymologie von orcus (oQXog, oQxog, eqncg) ein von allen Seiten umschlossener Raum, Grab, Unterwelt, ist ganz gleich der unseres Wortes Was ist auch natürlicher, als daß so nahe verwandte und kneinandergreifende Begriffe, wie Grab, Tod, Unterwelt, durch ein und dasselbe Wort bezeichnet wurden? Wenn demnach Hr. Rh. 1 Mos. 37, 35 überseht: „Hinabsteigen will ich zu meinem Sohne trauernd ins Grab", und Grab ihm überhaupt so viel als Ort der Tobten, also Inneres, Tiefe der Erde, bedeutet, so liegt das Gezwungene dieser Uebertragung offen am Tage; das Wort mußte sich diese modisicirten Bedeutungen gefallen lassen, uw der Schwierigkeit zu entgehen, daß hier kein einzelnes bestimmtes Grab gemeint sein kann, weil ja dem Vater das Grab des Sohnes unbekannt ist. Viel natürlicher und^ durchaus nicht so fern liegend, wie der Vers, meint, ist der Gedanke an eine Unterwelt. Aber, fährt H. Rh. fort, dann müßte sich der Vater eher freuen, den verlorenen Sohn unten wieder zu finden. Den Grund zur Freude sehen wir wahrlich nicht ab; sind denn die alten Griechen und Römer freudig in die Unterwelt gestiegen? Diese war ja immer, bei aller Phantasie, etwas höchst Preeares und Zweifelhaftes und es wäre ihnen sehr zu verdenken gewesen, wenn sie das Gewisse gegen das Ungewisse mit Freude hätten hingeben sollen. Es ist aber auch durchaus nicht befremdend, wie der Vers, meint, daß an dieser und an ähnlichen Stellen die Vorstellung von der Unterwelt nicht zum Vorschein kommt; denn einmal ist sie schon in dem G