Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 14 (3.4.1841)
- Article
- Ueber den Kanon
- Date
- 1841-04-03
- Page
- Spalte 197-198 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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198 197 Hebet den Kanon der 'jüdischen heiligen Es mag wohl auch die begeisterte Dichtung einigen Verfassern die Ueberzeugung aufgedrangt haben, in einer Divmationsgabe die wirklichen Aeußerrmgen der Erzväter und des Propheten wieder aufgefunden zu haben. Jedenfalls zeigt es, daß man damals Bücher verlor, die man suchte. Als der Tempel nun nach diesen Verfolgungen wieder gereinigt wurde, und der alte Gottesdienst Wiederherr gestellt war, sammelte man wieder nach dem Muster und dem Vorbilde der alten Zeit Bücher zu einer Bibliothek jm.Tempel; denn aus diesem, wie erwähnt, hat Josephus die Bücher zum Geschenk erhalten. Da die -alten und ursprünglichen Documente nicht erhalten worden sind, so mußte man sich damit begnügen, die allgemein verbreiteten und bekannten aus den verlorenen exzerpirten zu sammeln und aufzustellen. Als Excerpta der verlorenen sollten sie diese vertreten. Daß nur hier der Pentateuch und die Geschichtsbücher so wie Propheten ausgenommen wurden, war natürlich in Ordnung. Daß aber auch andere Bücher, als die Psalmen, Hiob re. ihren Platz fanden, zeigt uns, daß in der frühem Zeit ausgezeichnete Dichtungen oder die sonst eine vorzügliche Bedeutung hatten, nach der Art'der arabischen Moallakat, in dem Tempel aufbewahrt wurden. Sicheres wissen wir jedoch darüber nicht. Uns indessen genügt es in Erfahrung gebracht Zu haben, daß auch sonst ausgezeichnete Bücher, gleichviel wodurch, sich der Tempelbibliothek ameiheten. Bei dieser ganzen Untersuchung nun haben wir Nichts über die vorhandenen kanonischen Bücher ermitteln können. Jm Gegentheil, wir sahen, daß alle Notizen auf ganz andere Bücher und auf eine ganz andere Sammlung hindeuten. Indessen gerade weil wir die einzelnen Berichte nicht deutelten und ihnen ihre eigentliche Bedeutung ließen, sind wir um einen großen Theil der Wahrheit näher gekommen. Wir wissen, daß es von Anfang in dem hebräischen Volk eine Tempelbibliothek gegeben hat, wir wissen aber auch ferner, daß die vorhandenen Bücher Excerpta der Bücher und Documente sind, die sich im Tempel befanden, und daß sie spater selbst die Tempelbibliothek bildeten. Dieses Verhaltniß allein mußte ihnen schon den Platz anweisen, den sie einnehmen. Es ist uns gleichgiltig, um welche Zeit sie in der Form, die sie jetzt haben, im Publikum verbreitet wurden, sie datirten ihr Dasein aus dem Tempel und waren darum dem Volke heilig. Natürlich mußte bei manchen Büchern der Zweifel entstehen, ob sie wirklich ursprünglich in dem Tempel sich auch befanden, und dieserhalb treffen wir auch die Berichte über dergleichen Verhandlungen an; manche wurden wirklich ausgeschlossen aus dem Bande, das die andern umschloß, andere dagegen ausgenommen, weil sie aus der Tempelbibliothek ihren Ursprung herleiteten. Es ergiebt sich also uns zum Resultat, daß die Bücher, die wir besitzen, deswegen weil sie als Aus- Schnften. Eine kritische Untersuchung. züqe der Bücher galten - die sich im Tempel befanden, für heilig gatten, und daß sie darum allen andern Produkten gegenübergestellt wurden. Sie wurden im Verlauf dadurch noch heiliger, daß sie selbst in den Tempel gebracht und dort aufbewahrt wurden. Der Kanon ist also nicht mit einem Male durch irgend eine feierliche Einweihung entstanden, sondern nach und nach hat er sich gebildet. Die Bücher, die zu demselben gehören, traten durch das Verhaltniß, daß sie als Produkte der Tempelbibliothek einnahmen, den andern Büchern gegenüber und von selbst einem solchen Verbünde bei. Es ergrebt sich aber auch ferner aus eben .diesem Verhältnisse die dreifache Eintheilung des Kanons. Das Gesetz war den Geschichtsbüchern gegenübergestellt und beide dm übrigen Schriften. Das Geschichtliche im Pentateuch schied, als Zubehör zu dem Gesetze Mosis, von dem andern sich aus, und gesellte sich diesem zu. Es war die Sammlung des Gesetzes geschieden von der der geschichtlichen Documente, und so blieb auch das eine dem andern gegenübergestellt. Indessen hatten die Rechtsarchive und die Geschichte David's, die ihnen der Zeit nach noch voranging, eine größere Wichtigkeit und eine größere Bedeutung; sie bildeten daher einen gewissen Gegensatz gegen die andern noch gesammelten Documente. Die Bücher Esra und Nehemja, die aus ihnen entstanden, die Bücher der Chronik, die als einleitende Geschichte zum Esra und Nehemja dienten, da wie die vier gleichlautenden Verse zeigen, die Geschichte durch diese Bücher vom Anfänge an bis auf diese Zeit geführt werden sollte 6), so wie die andern Bücher bilden einen dritten Theil. Daniel, als Prophetie, und wohl auch daher mit das Buch Esra, wurde dem dritten Thek! zugezahlt und beigefügt, vermuthlich weil ein Theil in chaldaischer Sprache, die nicht so heilig war als die hebräische, geschrieben wurde. Diese Bücher waren nun dem Volke wichtig, und wurden daher bald demselben heilig. Sie wurden mit einer gottesfürchtigen Scheu und Aerrgstlichkeit aufbewahrt, selbst bis auf die unbedeutendsten Geneatogieen; dagegen verloren alle andern ihr Ansehen und ihre Würde. Sie galten als unheilig und bald wurden sie für ketzerisch gehalten. Die Beschäftigung damit ward verboten, und nun war es natürlich, daß sie untergmgen. Hfd. 6) Daß die Bücher der Chronik spater rrachgesetzt wurden, entstand vermuthlich aus focm Umstand, weil sie nicht wesentlich Neues enthielten, und ihr Inhalt schon m den Königen enthalten ist, die Bücher Esra und Nehemja erschienen darum wichtiger. H G> 14