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Der Orient · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 112

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Article
Wanderungen in Prag
Date
1841-04-03
Page
Seite 112 (sequence 3)
Language
German
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112 dicke, schwarzgraue Kruste gezogen, daß kein Stein mehr erkennbar ist, und durch diesen Mantel der Bau gegen alle Elemente vollkommen gesichert wird. Das Dach ist aus Hohlziegeln'gefugt, durch die Witterung gebleicht , und auf diese Weise mit dem schwarzen Rumpfe effektvoll im Conträst. Am ganzen Bau ist kein Fenster/ wenn man nicht die Mauerlücken, welche, Schießscharten ähnlich, kaum für einen Menschenkopf Raum haben, so nennen will. Eine schmale Thüre, die man nur gebückten Hauptes passiren kann, ist die einzige Oeffnung, wodurch man in das Innere gelangt. Bei beträchtlicher Länge und Höhe fast ohne Oeffnungen, ein seltsamer Steincoloß, ganz ohne seinesgleichen unter den vielen Monumenten der Vorzeit, dabei düster und schauerlich, daß er in das bunte Bild des Lebens, das ihn umringt, lange Schatten wirst, reizt dieser Bau zu näherer Betrachtung. Treten wir ein. Es geht, wie in einen Kerker, mehrere Stufen hinab , durch einen dunkeln, feuchten'Gang, bevor wir die letzte Thüre erreichen, deren fast'versteinertes Holz in ro-' stigen Eisenbandcn hängt, die sich schrillend hin und her bewegen. Wir stehen im jüdischen Heiligthum, doch bis das Auge sich cni'S Halbdunkel und den blendenden Schein einzelner, wie Irrlichter in den finstern Wölbungen herumschwcbenden Lampen gewöhnt, thur man wohl, die fröstelnden Glieder an den Kohlenbecken zu erwärmen, die in den Wandnischen stehen und deren düstere Gluth das Nachtstück zauberisch erleuchtet, dessen Details allmählig für das Auge hervortreten. Es kostet Mühe, sich in dem wunderlichen Chaos zurecht fgu finden, denn die bunt durch einander liegenden Geräthschaften versperren allen Raum und erschweren die Umsicht. Der Bau bildet ein längliches Viereck und seine gewölbte Decke wird von schwachen, aber recht zierlichen Säulen getragen. Die Höhe ist mit dem Auge nicht zu messen, weil da oben ewige Finsterniß lagert. Durch enge Lucken blickt sparsam der Tag herein, der Fußboden ist mit ausgetretenen Steinplatten belegt und die Wände . sollen aus großen Quadersteinen construirt seyn, sollen, denn wie ein Rauchfang glänzen sie von tausendjährigem Schmutz. Keine Mauerkelle darf sie mit frischem Anwurf bekleiden, kein Eisen dieses Kleinods sie berauben, nicht einmal ein Nagel eingeschlagen, geschweige die Fenster erweitert, die Thüre erhöht, das Master erneuert, der ganzen Höhle auch nur ein menschliches, geschweige ein heiliges Ansehen gegeben werden. ,,Deß Hand soll verdorren und er an Gut, Leib und Seel geschlagen werden, an sich, seinen Kindern und Kindeskindern, welcher seine sündhafte Hand anlegen mag, an den geweihten Tempel des einzigen Gottesfo lautet der Fluch, welcher derartige Versuche zurückzuschrecken wohl, geeignet ist. Ueber dessen Ursprung weiß selbst der Jude keine Auskunft, er hat sich als Tradition von Geschlecht zu Geschlecht fortgeerbt. Und wirklich, je mehr der Jahre vergehen, desto sichtbarer zeigt sich Jehovas Schutz; schwerlich kennt ein Archäolog Werke der Menschenhand, die sich selbst überlassen so lange Zeit der Zerstörung widerstanden. Man erzählt von einem Verwegenen, der durch das versuchende Gold eines übermüthigen Christen bestochen, frevelhafte Hand an die heilige Mauer legte. Auf einer Leiter herangestiegen, hatte er kaum das Brecheisen in das Gestein gestoßen, als jene unter ihm zusammenbrach, ein losgerissenes Mauerstück ihn und den Versucher erschlug und über den Ganzen Stamm Israel eine grausame Verfolgung brachte. (Beschluß folgt.) Perfonalchronik und Miscellen. Jüdisch-literarische Erscheinungen in Frankreich. DerNotar N.H. Cellier bringt kn seiner Monats- Schrift, welche den Titel Le Legislateur führt, km Februar- Heft, einen geistreichen Aufsatz, der eine Parallele zwischen Moses, Muhammed und Bonaparte zieht.— Hr. Oster hat so eben in Metz, unter dem Titel le Itabbninisme fran^ais, die erste Lieferung herausgcgeben, worin eine Untersuchung über die Geschichte der Hebräer von Lambert, Rabb. zu Metz, sich findet. — Hr. Cahun, Lehrer in Hagenau, veröffentlicht so eben die erste Lieferung eines Werkes, welches den Titel führt La Bibliothecjue des Ecolcs israelites.— Der Prof. Adolph Fran ck, der schon seit lange die Philosophie vorträgt, wird mit dem April seine Vorlesungen in der Sorbonne beginnen : „ über den Zusammenhang der Psychologie mit der Geschichte der Philosophie." Herr Franck ist der erste Jude, der an der Sorbonne lehrt. Heben seine Vorlesungen, wird wahrscheinlich Herr Cahen einen Bericht bringen.— Auf zwei Arbeiten, welche die nächsten Hefte derArch.Isr. zu-ringen versprechen, sind wir sehr gespannt. Diese sind: 1) Antwort an Herrn Salamon M.unk von' Za rfat i; 2) Ueber die hebräische Handschriften der Archive des Reichs vom Redacteur. — Zarfati bringt in dem Februar-Heft der Arch. Isr. eine Recension, oder vielmehr Anzeige über Mannheimers Machasor, aber wie es scheint, nicht um die Arbeit des Hrn. Mannheimer zu beurtheilen, sondern um sich über Kol- Nidre bitter auszulassen. Wie abgedroschen ist doch dieses Thema in Deutschland! — Von dem Bibelwerke des Hrn. S. Ca hrn wird so eben Iecheskel erscheinen; wir werden über dasselbe, wie über Iirmija, sobald wir es besitzen, ausführlich sprechen. — * v * Die periodisch-literarische Presse bei den Israeliten in Deutschland. Der aus unserem Literatur- Blatte schon bekannte Dr. H. Sommerhausen in Brüssel hat in dem Feuilleton zu dem Blatt L’lndependent einem Aussatz veröffentlicht, welcher den Titel führt: „De 1a presse pel’iodique litteraire chez les Israelites en Al lern agne“, von welchem die Redaction einen besondern Abdruck erhalten und in den nächsten Num. ihn übertragen wird. Bekanntlich hat über Meassef ^und Bikure Itim schon Dr. Delitzsch in seinem Werke zur Geschichte der jüdische Poesie, über die zwei ersten Jahrgänge des Kerem Chemed .der Redactaur dieses Blattes und über die übrigen Blatter Dr. Geiger geschrieben. — * * * » Montefiore in London. Den 3. März ist Sir Moses Montefiore mit seiner Reisegesellschaft von seiner Mission in London angekommen. Der freudigste Gruß von nahe und fern hat ihn bewillkommt. Den 2. Purim (9. Marz) veranstaltete die portugiesische Synagoge eine Dankfeier, mit neuen Gesängen und Gebeten; de Sola hielt eine Rede. Den 13. veranstalteten auch die AWenasim eine Dankfeier. — * * * Vorlesungen des Dr. Frankfurter in Hamburg. Der Hamburger Correspondent vom 9. März theilt die Besprechung eines christlichen Zuhörers über diese Vorlesungen mit. Da diese Besprechung, so lange die Vorlesungen nicht gedruckt juck, nur von einem Zuhörer und für Zuhörer sein kann, so unterlassen wir die vollständige Mittheilung. — Verlag von C. L. Fritzsche^ Druck von % H. Nagel.

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