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Der Orient · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 110

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Article
Pesth: jüdische Schul- und Culturzustände
Date
1841-04-03
Page
Seite 110 (sequence 3)
Language
German
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110 ihn andererseits tapfer und hartnäckig für gewisse Ver- Privilegierungen und also gegen das allgemeine Recht streiten, sobald das allgemeine Recht ihn und sein bürgerliches Leben scheinbar oder faktisch beeinträchtigt. Wir wollen ihm dies bei der schweren Tugend der Selbstverleugnung,^ die unser Zeitalter überhaupt nicht eben charakterisirt, nicht zu hoch anrechnen und Gegeritheils mit vieler Genugtuung bemerken, daß das Bürgerthum Ungarns im Allgemeinen der Emaucipation der Israeliten nicht feindselig gegenüber getreten ist. Bekanntlich hat nur Caschau in neuester Zeit mit einiger Hartnäckigkeit behauptet, daß der 29. Artikel der jüngsten Landtagsbeschlüsse hierorts nicht anwendbar sei und eine Ausweisung der Juden erzwingen wollen; allein wer-diese Angelegenheit gehörig würdigen will, darf dies wenigstens nicht für eine gegen die Israeliten gerichtete Demonstration ansehen, sondern vielmehr festhalten, daß jener Akt ein allen städtischen Corporationen so ziemlich gemeinsamer Wehr-Akt ist, womit sie sich gegen das Eindringen bisher fremder Elemente zu verwahren gedenken. Dem aufmerksamen Beobachter des Thuns und Treibens der städtischen Corporationen, namentlich der verbrieften Innungen und Zünfte, wird es keineswegs entgehen, daß sich dieselben allerwarts gegen das Eindrängen von Bestcmdtheilen mehren, die ihre Interessen gefährden, und Caschau steht in dieser Hinsicht nicht so vereinzelt da, daß es besonders gebrandmarkt zu werden verdiente. Wollen wir billig sein, so müssen wir selbst die Beschränkungen, welche die Beschlüsse des letzten Landtages rücksichrlich der Israeliten durch die Regierung erfahren haben, wenigstens zum großen Theile aus dieser Stellung der Städte uns . erklären, und die Regierung, die das Wohl des Landes aufrichtig will, mußte sich wenigstens für den Augenblick hüten, indem sie unsre gerechten Klagen beseitigen wollte, andere, und wenn sie auch noch so complicirt waren, hervorzurufen. Wir leben einmal in der Epoche großer Uebergangsperiodm und dürfen es mit Vertrauen der Zukunft überlassen, daß sie noch au^zleichen wird, was jetzt noch reibend sich entgegentritt. Wo daher in Städten mit gewisser Liberalität und Uneigennützigkeit den Israeliten Terrain verstecktet wird, muß dies doppelt anerkannt, um so höher geachtet werden, Von welchen Städten darum der Fortschritt zumeist ausgehen werde und muß, laßt sich auch ohne große Beobachtungsgabe sagey, die Städte müssen es sein, welche die gemischteste Bevölkerung, den wenigsten Nationalcharcukter haben, und durch Handel' und Wandel am Meisten mit der Welt in Berührung treten. Pesth, in diesem Sinne darum Weltst«dt, hat daher auch schon lange den Reigen eröffnet, bevor der Reichstag die Emancipation beschloß, ehe die Regierung dieselbe sanktionirte. Es waren diese Beschlüsse ihr wenigstens nichts Fremdes, nichts Auffallendes, und höchstens konnten sich einige Innungen zwar nicht gegen das Auftreten israelitischer Handwerker und Zünfte, doch aber gegen die Vermischung mit ihnen wehren. ' Nach dem Beispiele solcher Drte wie Pesth hat sich demnach die materielle Stellung der Israeliten Ungarns zumeist auch gestaltet, und rnc treffen überall auf israelitische Handwerker, Fabrikanten u. dergl., mit denen die christl. Handwerker nicht aus Intoleranz, sondern aus Egoismus wenig zu schaffen heckm mögen, so daß wir sie vom Jnnungsvecbande ausgeschlossen finden, daß wir wahrzunehmen haben, daß Me Israeliten sich meist mit israelitischen Gesellen zufrieden stellen müssen, daß israelitische Gesellen.. unb Lehrlinge gewöhnlich auch nur bei israelitischen Meistern Aufnahme finden. Letzteres wollen wir wiederum den Christen nicht zu hoch anrechnen; denn auch'die Israeliten tragen hier, wenn auch unwillkürlich, einen Theil der: Schuld und das ganze Verhaltniß ist noch zu neu Md zu ungewöhnlich, als daß christl. Meister die SabbatsfeSer der Israeliten auf ihr Geschäft und ihr Werkeltagslebsn nicht störend finden sollten. (Schluß folgt.) Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der GegenwÄrt. Wanderungen in Prag. (rtus dem Morgenblatte.) Prag ist unser deutsches Rom, unter allen Städten an historischen Einnerungen die reichste und durch seine Lage mit , jenem vergleichbar. Schwärmer für deutsche Universalmonarchie sehen sich nach Residenzen um; würde die Chimäre wahr, Prag wäre die würdigste Im Thale und auf Hügeln in Terrassen gebaut, bietet es ein unvergleichliches Panorama. Ueberall Größe, Erhabenheit, Originalität, Poesie. Und welche Vergangenheitl lebendige Blatter aus der Weltgeschichte!

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