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Der Orient · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 108

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Article
Posen: der Rabbiner Salomo Eger und der Cand. Wiener
Date
1841-04-03
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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108 gen Mann in ein zweideutiges Licht zu stellen. Sie selber nöthigen mich also, morgen vorzutragen, um auf diese Weise meine Ehre zu retten, da Jedermann mit Recht schließen wird, Sie werden, wenn ich mich Ihrem Willen öffentlich wld ersetze, keinen Anstand nehmen, Ihre Gründe gegen mich vorzubringen, wahrend es sonst den Anschein haben könnte, Ihre Humanität verhindere Sie daran, Nachteiliges gegen mich auszusprechen." Freilich -war es gar zu unklug, die Vorladung eines polnischen Rabbi zu beachten. — Die Gleißnerei schleicht überall im Finstern herum und treibt ihr Wesen im Verborgenen; ich möchte den Rabbinen nicht gern derselben' bezüchtigen, denn es wäre eine Schmach gegen den Verstorbenen Akiba Eger. Er entließ den Kandidaten, der in dem Versprechen, es solle morgen in den Schulen bekannt gemacht werden, daß gegen die persönliche Befähigung hier durchaus nichts einzuwenden sei, keine Beruhigung fand, mit den Worten: „ich werde sehen, wie weit meine Autorität reicht, möglich, daß ich's nicht verhindern kann, dann muß ich nachgeben." Schon gegen Abend ward Herr Wiener' dreimal vor den Polizei - Director geladen, aus dessen Munde er erfahren mußte, von welcher gehässigen Seite sein Vorhaben von dem polnischen Rabbiner, der vielleicht selbst ungern nur ein Werkzeug ist in der Hand einer Partei, eingeleitet wurde. So unrein nun das Motiv war, einer anmaßlichen Autorität heilsame Bestrebungen zu opfern, - so war es noch beschämender, als man durch den Polizei-Director erfuhr, daß dem Rabbiner die beantragte Störung des morgen zu haltenden Vortrages bereits bewilligt, zugleich aber gecathen worden war, den Vortrag nicht unmittelbar im Gotteshause selbst durch das Einschreiten der Polizei stören zu lassen, da dies die andächtigen Gemüther zu sehr erbittern könnte, sondern den Kandidaten lieber nochmals vor sich zu laden; vielleicht, daß er im Wege der Güte von seinem Unternehmen abstehen werde. Welch' ein'Raisonnement knüpft sich hier nicht unwillkührlich an! Als der Rabbiner von seiner geltend zu machenden Autorität sprach, war ihm also die polizeiliche Assistenz bereits verbürgt, und es war mithin eine Unwahrheit, daß ec sehen wolle, wie weit seine Kräfte reichen. Zweitens mußte ein christlicher weltlicher Beamte unfern polnischen Rabbiner erst aufmerksam machen, die andächtigen Geglüther nicht zu erbittern und nicht morgen, am Psingstfeste, im Gotteshause, die weltliche Behörde, gegen den geistlichen Bruder einschreiten zu lassen. Referent seinerseits halt dieses für zu niederschlagend, um noch etwas And eres hinzuzufügen, als im Falle die Sachlage sich nicht so verhalte, er sie durch das Zeugniß der Vorsteher der deutschen Synagoge bestätigen kann. Unsere Versuche bei den Behörden waren von keinem günstigen Erfolge gekrönt, und sie konnten, nach dem Verhältnisse unsere r religiösen Institute zum Staate, nicht sein. Die Entscheidungen jetzt schon hier mitzutheilen, halten wir um so weniger für rathsam, als wir den Feinden der guten Sache dadurch zur Ausführung ihrer unlautern Absichten nur behülstich sein würden, wahrend wir doch unsere Hoffnungen noch nicht aufgeben. Die Fortschritte der Zeit drangen, daß die Religion im Staate auch anerkannt werden müsse. — Fahren wir fort und sehen,'welche Fortschritte auf dem Gebiete der Humanität und Toleranz unser Herr Rabbiner in dem Zeiträume von Pfingsten bis Weihnachten gemacht hat. Die Mitglieder'der Betschule des hiesigen Brüdervereins, die im vorigen Jahre ihren Rabbi durch den Tod-verloren hatten, nahmen in der Chanuka- Woche Herrn Wiener als Ehrenmitglied ihres Vereins auf(vielleicht bald als Rabbiner). Ohne auch nur den mitdieser Auszeichnung beabsichtigten weitern Eöfolg abzuwarten, protestirte der polnische Rabbiner gegen dieseAufnahwe, aber fruchtlos. Am Sabbat-Chanuka dankte Herr W i e n e r dem Verein in ihrer Synagoge für die ihm erwiesene Ehre in einer Rede, über deren Werth wir uns jedes Raisonnements enthalten, und statt aller Lobeserhebungen nur die von allen Seiten lautbare Behauptung aussprechen, welche die Volks - Stimme von ihr sagt: Alle Gemüther in dem vollgefüllten Gotteshause waren von den durchweg frei und mit sichtbarer Begeisterung vorgetragenen Worten wahrhaft erbaut. „Gleick trat", um mich der Worte des Berichterstatters im Orient zu bedienen — „der Rabbiner aus seinem Gemach und gebot, oder vielmehr, wollte gebieten, solchen Reden — Schweigen;" ec trat nämlich mit einer Anzeige bei der Polizei hervor, die diesmal durch den Einwand, daß der Vortrag eine bloße Dankrede war, unberücksichtigt blieb. Es ist mir übrigens unerklärlich, wie Hr. Wiener ober die Vorsteher um den Rabbiner sich nur bekümmern konnten inDingen, die ihm nicht angehen; sie sollten nie fragen, und wenn die Polizei etwas dagegen hat, .ihr entgegesetzen, daß sie in ihrer Synagoge predigen kann wie es ihr gefallt, da es kein Exceß ist, wo sie sich einzumischen hat. Doch ihr Eindruck war so stark .und so nachhaltig, daß der Redner von dem Vorstand sowohl, als den Mitgliedern des Vereins ersucht wurde, am Sabbat-Schemot ihnen wiederum einen Genuß zu bereiten. Unverkennbar aber war der Eindruck dieser zweiten, cmderthalbstündigen Rede ein noch viel tieferer und stärkerer. (Schl, ff.) Ungar n. Ptzsth, 8. Febr. (Fortsetzung.) Zwar hat man schon vor 1840 hier und dort, wo namentlich der Geist des gebildeten Deutschlands Einfluß äußerte, Versuche gemacht, Schulen anzulegen und das Unterrichtswesen zu verbeffern, allein mit gar wenig Erfolg. Das Volk in seiner Trägheit, in seiner durch die eigne Erziehlost'gkeit bewirkten Unempfindlichkeit, that nichts für die Unterstützung solcher Institute, die ihnen

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