Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Article
Daghestan: Gebräuche und Sitten der Juden am Kaukasus ...
Date
1841-04-03
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360147-2360162-2365208--1599-2365237
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

- 106 - giebt 2). Wir haben nachgewiesen/ daß die zehn Stämme wirklich noch geraume Zeit an jenen Platzen wohnten, wohin sie als Kolonisten geführt wurden; nur wurden sie von den jüdischen Weisen in Palästina und Babylonien nicht für echte Juden gehalten, welche doch das mündliche wie schriftliche Gesetz besitzen müssen, und sie es in dem Maaße nicht hatten. Von Zeit zu Zeit kamen wohl aus der Mitte der zerstreueten Stamme manche Jünger nach Palästina und -Babylonienum daselbst die Akademien der Talmud-Lehrer zu besuchen; eben so reisten zuweilen palästinische und babylonische Gelehrte zu ihnen hm, theils um ewige Zeit sich daselbst aufzuhalten, theils um sich daselbst ganz niederzulassen und den Zerstreuten und Jsolirten als Lehrer zu dienen : dennoch konnte es sich freilich sehr häufig treffen , daß jene Stämme oder ein Theil derselben durch die allzugroße Entfernung, die zwischen ihnen und den jüdischen Akademien war, und durch die häufigen Kriege, welche die Reifen gefährlich machten, zuweilen lange ohne Lehrer und Führer geblieben. Sie hatten ursprünglich, als sie aus ihrem Vaterlande geführt wurden, wahrscheinlich nur das Gesetz Mosts oder den Pentateuch, vielleicht auch schon manche andere Bücher der Bibel, später vielleicht alle heiligen Schriften, aber gewiß nicht die ganze traditionale Lehre. Denn wenn auch einmal die Väter durch solche hingekommene Lehrer das mündliche. Gesetz lernten, so vergaßen es gewiß wieder die Nachkommen, wenn lange und dauernde Störnisse eintraten; und es fehlte an solchen wechselvollen Zuständen nicht. Wir wissen auch, welche Lebensweise die zehn Stämme vorzüglich geführt, nämlich, daß sie Nomaden wie jene Völkerstämme unter denen sie Lebten waren; wie jene führten auch sie ein freies, unabhängiges, wildes Leben, und nur ein schwaches Band knüpfte einige Stämme derselben, namentlich die nördlichern, an ihre Herrscher und Könige, wenn er nämlich sie in den Krieg führte. Die großen Eroberer, wie z. B. Cyrus und Alexander, welche auch diese Stämme erreichten, haben sie freilich auf kurze Zeit unterworfen, aber kaum war die lastende Uebermacht vorüber, so waren-sie schon nach wie vor frei und zogen unabhängig mit ihren Heerden umher. In gleicher Weise lebten später die Tataren in derselben Gegend, und auch jetzt noch streifen über diese Gebiete unabhängige Nowaden-Völker hin.— Das einzige große Eigertthum, welches die hierher deportirten Stämme mitbrachten, war der Monotheismus und das mosaische Gesetz, und dieser herrliche Fortschritt der Erkenntniß konnte aus die sie umgebenden Nomaden-Völker oder auf ihre neuen Mitbewohner nicht ganz 2) Alles dort gesagte ist m K. CH. von Neuem aufgevommen und gründlicher nachgnviesm, und indem ich dem Leser die sorgfältigste Uebertragung dieses Aufsatzes mit neuen Bemerkungen gebe, so wird er in dieser Beziehung die oben aedachte Ausgabe nicht vermissen. R. einflußlos bleiben, zumal da jene noch gar keine bestimmt ausgeprägte Religion hatten. Es geschah daher auch wohl sehr oft, daß die aus der frühem Heimath (Palästina) oder aus Babylonien zu ihnen von Zeit zu Zeit kommenden Lehrer nicht bloß, den zehn Stämmen, sondern auch den übrigen heidnischen Völkern nützlich wurden; die Unterweisungen in der geoffenbacten und überlieferten Lehre, der Unterricht in Anwendung der Gesetze und ihrer Umzäunungen,! waren in Bezug auf die andern Stämme auch mit Bekehrungen verknüpft/ und zwar Bekehrungen durch Wort und Ueberzeugung. Zuweilen theilte sich das Judemhum auchsogar ihren Königen und Herrschern mit, gleichviel unter welcher Form sie regierten; 'so war es in Ad ia b e n e, in diesem Haupttheil des assyrischen Reiches, wo schon 30 Jahre vorder Zerstörung des zweiten Tempels die ganze Königsfamille zum Judenthum übergegangen, und eben so war es in viel späterer Zeit mit den Herrschern in Ehazarien. (Fortsetzung folgt.) Algier. (Forts, von No. 11.) Seit zwei Jahren sind die Juden verpflichtet, in die Bürger-Register sich eintragen zu lassen und aus diesen hat sich nun ergeben für 1838 und 1839 Folgendes: 1838. 1839. Geburt. Scerbes. Geburt. Stecbef. Algier . . . 261 137 . 244 177. Oran . . . 191 106 . 175 93. Bona . . . 11 9 . 9 24. . Bugia . . . Mustaganam . 23 1 ,. 3 . 13 11. 486. 256. 441. 305. Wahrend die Juden in diesen beiden Jahren auf 927 (486 + 441) Geburten 561 Scerbefalle zählte, hatte die europäische Bevölkerung in denselben Städten 2051 Sterbefälle aus 1673 Geburten, und die mosUmische Bevölkerung 997 auf 448 Geburten. Man sieht daraus, daß die europäische Kolonisation, indem sie mehr Männer als Frauen in sich faßt, noch immer nicht zu den regelmäßigen Bedingungen einer Wiedergeburt gelangt ist; die Abneigung der Moslimen, die Geburt ihrer Kinder anzuzeigen, muß von der andern Seite Ursache häufiger Auslassungen sein; endlich reichen zwei Jahre der Beobachtung nicht'hin, um als Basis für die Gesetze der Bewegung der Bevölkerung unter den Juden zu dienen. Nichtsdestoweniger bemerkeich, daß in Frankreich der jährliche Ueberschuß der Geburten über di^ Verstorbenen wie 191 zu 1000 ausfallen, und daß es bei unfern afrikanischen Israeliten gegenwärtig 581 ist.' Man giebt vor, daß seit einem Jahrhundert die Zahl ihrer Glaubensgenossen im Elsaß sich verdreifacht habe, es ist wahrscheinlich, daß sie in Algier ganz in derselben Weise die andern Stamme überholen werden. Seit langer Zeit in diesem Gebiete akklimanst'rt bilden sie Familienkreise; ihre Männer sind stark, ihre Frauen schön,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.