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Der Orient · 1841-03-27 · Heft 13 (27.3.1841) · p. Seite 103

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 13 (27.3.1841)
Article
Rabbi Samuel Halevy
Date
1841-03-27
Page
Seite 103 (sequence 4)
Language
German
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103 legten. Von diesem Wunsche im Geiste beseelt, ward der « Hochzeitstag dieser Gläubigen von jedem fühlenden Israeliten gefeiert. Dr. Gustav Philippson. Zur Historienmalerei unter dev Israeliten. Die Zeit ist die Gebärmutter jeder geistigen ins Triebwerk des Lebens greifende Idee, und die Individuen und Organe, welche solche' Gedanken — wie Planeten im Sonnensystem — manifestiren, nichts weiter als deren Hebammen. Es war die Zeit amb ihre Geschichte, welche jene für Israel so heilsame, in ihren unabsehbaren Folgen noch nicht zu berechnende öffentliche Stimme, in den jetzt erscheinenden Journalen für jedes jüdische Interesse, hervorrief und so ein geistiges Band um Israel knüpfte; gleichsam moralisch ersetztend, was ihm durch seine Zerstreuung in allen Theilen der Erde gebricht. Ja wir glauben uns durchaus keinen sanguinischen Hoffnungen hinzugeben, wenn wir der Meinung leben, daß, wenn diese jüdischen Zeitschriften von Würdigen würdig redigirt werden, und sich in ihrer Tendenz immer mehr veredeln, abstreifend und fern haltend alles Ungeziemende, was uns nur erniedrigen kann in den Augen anderer Glaubensgenossen, es könnten diese Institute ein Zion für Israel werden, das ihm Licht zusendet, es erwärmt und erleuchtet, wo und wie es sich befindet, in jeder Zone, in jeder Lage. — Der Beweis hiervon, der Zeit nämlich die Priorität aller moralischen Schöpfungen zu vindiciren, scheint uns so tief in der Geschichte des menschlichen Erkennens und Wissens zu liegen, daß selbst das Alterthum durch Salomo in den Worten: WVD nnn ebenfalls {-etilen andern Gedanken aus sprechen wollte, als: es giebt, in Rücksicht der Entstehung, nichts ganz Neues in dem Geschichtsleben unter der Sonne; sondern ein allmälrges Fortschreiten und Entwickeln vom Vorhandenen durch eine geistige Evolution. -- So lange noch die Freiheit, dieses der Menschheit höchstes Gut auf Erden, nur ein Abstraktum war, und der Körper gewordene Gedanke unter denselben Fesseln wie die Glieder der Völker seufzte, da siel auf die Israeliten, Sklaven der Sklaven, desto erdrückender das Joch, und sein Fall wurde immer tiefer; als aber die Freiheit eine Wahrheit zu werden begannj und die die Menschheit würdigende Idee sich entpuppte und schönen.Tagesfaltern gleich sich erhoben nach allen Regionen — da warf die wach gewordene Gerechtigkeit auch einen Blick auf den Kerker des in der menschlichen Gesellschaft zum Paria gestempelten Volkes. Der Stein, welchen die Bauleute verachteten, sollte zum Eckstein werden. Das einmal zum Licht entzündete, weitverbreitete gas oxygenium — konnte nicht wieder verlöschen, es leuchtete nach allen Seiten hin, und siehe: auch unter Israel war es Abend und ward Morgen — ein Tag. — Die Nachrede dieser Vorrede soll keine andere, als folgende sein: War es mm bisher Zweck und Ziel, der, durch den frei gewordenen Menschengeist hervorgerufenen Stimmen für alles jüdische Interesse, das in dem israelitischen Volkskörper schlummernde Leben neu anzufachen und in reger Thatkraft zu versetzen, daß sich der Israelit als solcher, seiner Bestimmung bewußt werde, und demgemäß seiner, von der Vorsehung ihm unleugbar besonders gewordene Mission unter den Völkern widme, und mit eingreife in das große Triebwerk zur Veredlung des Menscheu-Geistes; .waren einerseits die Theologie und Pädagogik die Mittel diesen Zweck zu erreichen, und andrerseits, gewaffnet mit dem unter den Völkern neu erwachten politischen Gerechtigkeitssinn, veraltete und erneuerte feindliche Angriffe auf Religion und deren Bekenner von Außen zurückzuweisen; würdig den aus babylonischer Gefangenschaft befreiten Ahnen, die mit der Linken erbauten den Tempel des Herrn, und mit der Rechten schwangen das Schwert, bekämpfend und besiegend den angreifenden Feind; — so scheint uns besonders ein wichtiges Feld noch brach zu liegen, dessen Urbarmachung von nicht unergiebigerem Erfolge für jenes angedeutete zwiefache Streben des Iudenthums sein kann und wird. Wir meinen die Sinn und Geist, Herz und Kopf zugleich im hohen Grade ansprechende Kunst der religiösenHistovien-Malerei, deren Resultate und Einfluß unter allen Völkern des Morgen-und Abendlands, der alten und neuen Welt, so unaussprechlich groß gewesen, und auf Religiosität und Sittlichkeit, auf Hebung und Bildung der Volks-Charaktere eingewirkt. Wenn nun auch schon mehrere Jahrhunderte, das alte Testament, durch die Glanzpunkte seines historischen Theiles, die reichsten Stoffe den Künstlern aller Jahrhunderte dargeboten, und die größten Meisterwerke geliefert, — so scheinen uns doch die christlichen Bildner der plastischen Ideen unsers Glaubens in ihren Meisterwerken nicht diejenige intensive Ideenrichtung schaffend dem gläubigen Auge vorgeführt zu haben, welche der M o s a i s m u s i n d e m u n d aus ihm nothwendkg sich entwickelnden Judenthum manifestiren will. Mit andern Worten: Wir glauben und halten es für möglich, daß der Redner, für irgend eine Idee oder Sache, seine Zühörer, ohne eigne Ueberzeugung, so zu gewinnen und durch die begeisternde Worte Hinzureißen, vermag, als wenn er es wirklich wäre. Das Leben und die Bühne liefern tägliche Beweise. Mt dem Pinsel aber vermag der Mensch kein anderes Bild künstlerisch wahr zu reflectiren, als wovon er das Original im eigenen Herzen tragt. Wir glauben daher nichs beider Behauptung zu wagen, durch diese Zeilen den gebildeten Israeliten auf ein Werk der religiösen Geschichtsmalerei aufmerksam zu machen, das in seiner Auffassung und Darstellung nicht nur originell und neu, sondern auch in seiner geistigen Richtung, als eine würdige Prosopopöm der Welt-Mission des Mosaismus zu nennen ist. — Das Sujet des Bildes ist: Die Nebergabe Jerusalems an Alexander durch den hohen Priester Jadrra. Von David Ottensooser in Dresden. Die in den Werken des jüdischen Alterrhums vielfach erzählte Sage, welche uns der Künstler so begeistert und begeisternd vorgeführt, ist ziemlich bekannt folgende: Als Alexander auf seinem Zuge nach Asien auch vor Jerusalem kam,- zog ihm der hohe Priester, einer göttlichen Weisung zufolge, mit allen ihm untergebenen Priestern, geschmückt mit dem heiligen Gewände des Efod und Urim Thumim entgegen. Alexander den hohen Priester ansichtwerdend, kniete vor ihm nieder, und faltete die Hände und hob das Haupt zum Gebete. Parmenio und die übrigen Generäle dies sehend, erstaunen und fragen ihn: „Wie, du Länderbeherrscher und Völker-Beft'ger, demüthigst dich vor einem Priester 'der Völker kleinstes.^ Da antwortete A. in seinem Entzücken hingerissen: „I ch kniee nicht vor dem Priester, sondern vor demGott, dessen Diener er

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