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Der Orient · 1841-03-20 · Heft 12 (20.3.1841) · p. Seite 91

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 12 (20.3.1841)
Article
London: Bestrebungen der Missionäre ...
Date
1841-03-20
Page
Seite 91 (sequence 1)
Language
German
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91 Großbritannien. I. London, Januar. (Verspätet.) Bezüglich auf meine letzte Mittheilung über das missionarische Treiben in unserer Hauptstadt setze ich meinen Bericht fort. Eine der vorzüglichsten Bestrebungen dieser Gesellschaft geht dahin, die Juden zu bewegen, Palästina an sich zu bringen. Diese Idee, schon vor Jahren von M. CaiM) ausgehend, fand um so leichter bei der ganzen Gesellschaft Anklang, als dieser Prediger ibr Orakel, ja die Sonne ist, um welche sich alle übrigen Glieder wie Planeten bewegen. Diese Tendenz beurkundet nicht nur das in meinem vorigen Bericht angeführte Memorandum und der Aufruf eines Clergy man an die Juden, sondern auch eine Menge anderer Flugschriften, Pamphlets ja sogar An sch lagezettel. Auch hier bestätigt sich wieder der alte Erfahrungssatz, daß jeder in der Bibel das findet, was er hineingetragen. Die Missionäre wissen recht geschickt Jesaias 18, 1 ff so zu deuten, als wäre Britanien das Land, von welchem nach Ausspruch des Propheten die Erlösung Israels ausgehen sollte u. dergl. m.'^) Fragt man nach der Ursache, welche die Missionare so sehnlichst das Erlösungswerk wünschen läßt; so erhält man zur Antwort: da die Rückkehr der Juden nach Palästina eine Weissagung, deren Erfüllung als von Gott ausgehend nicht zu bezweifeln ist, so müssen dazu die gegenwärtigen Auslände, welche nicht umsonst von der Vorsehung so günstig zur Erfüllung des göttlichen Wortes gestaltet worden sind, benutzt werden; um so mehr, da an dieser Erfüllung so mannigfaltige andere, das Heil der ganzen Menschheit betreffenden Weissagungen geknüpft sind, deren Verwirklichung nur nach hergestellter Selbstständigkeit Israels statt finden kann. Ist auch die Aufrichtigkeit dieser Herren bei Angabe angeführter Ursachen nicht in Zweifel zu ziehen, so genügen diese Gründe allein doch nicht um diese mannigfaltigen, viele Kraftäußerung erfordernden, alle nach dem einen Punkte hinzielenden Bestrebungen hinlänglich zu motiviren. Man ist daher zur Wermuthung berechtigt, daß hier noch ganz andere Triebfedern im Hintergründe sind. Täusche ich mich nicht, so sind es folgende: Das Haupthindecniß im Abwendigmachm von der väterlichen Religion finden wohl die Missionäre darin, daß die Juden Europas, obschon über sc» viele Ländergebiete zerstreut, doch durch Umstände, die nur in diesem Welttheile obwalten, begünstigt, eine Gesammtheit bilden, durch welche die Eins zelnen einander zu Stützpunkten, zu Strebepfeilern dienen, und so im Stande sind, einem Andrange von 1) Am Schluß des bekannten rmtf (Old Palhs). 2) -lives. ii\ Memorials of God’s ancieut PeopLe (vgl. Orient 1840, S. 321 a.). Außen zu widerstehen. Gelingt es aber, durch die Rückkehr ins heilige Land eine Masse von der Gesammtheit abzulösen, sie dem Einflüsse der Gesammtheit entzogen, iftlirt hinzustellen, und sie Einwirkungen auszusetzen, die den Uebertritt zum Ehristenthume begünstigen; so muß das Bekehrungswerk viel rascher und erfolgreicher von statten gehen. Hierzu kommt noch der Umstand, daß, wie günstig auch manche Regierungen den Judenbekehrungen sind, doch überall in Europa gewisse Grenzen angewiesen sind, über welche hinaus der Missionär nicht schreiten darf. Anders aber müßte sich die Sache in Palästina gestalten. Hier, m die staatlichen Elemente noch nicht entwickelt sind, wo der Einfluß der englischen Nation — von der man weiß , daß so mancher ausgezeichneter Mann aus ihrer Mitte kräftiger Förderer des Bekehrungswerkes ist — sters überwiegender wird, hier könnten so leicht nicht hemmende Schranken festgesetzt werden, wodurch also die Missionäre sich zur Hoffnung berechtigt glauben, hier eine reichliche Ernte halten zu können, wo sie in Europa nur spärlich Aehre nach Aehre lesen. — Betrachtet man nun auch die Rückkehr der Juden in Masse, die Erlangung der Selbstständigkeit als eine Chimäre, so bleibt dies doch wahr, daß von nun an, durch die von der Neuzeit herbeigeführten günstigen Umstände, die Missionäre einen überaus großen Spielraum dort haben.werden. Der beweinenswerthe Zustand unserer unglücklichen Brüder in jenen Gegenden wird dadurch vervollständigt. Von Außen, nach einer Seite der judenfeindliche Einfluß eines französischen Katholicismus, auf der andern die Bekehrungswuth einer protestantischen, in der Mitte der mit eiserner Schwere auf den Schutzlosen lastende Druck des Islam. Von innen der gänzliche Mangel an irgend einem auswärtigen Schutz, die, in dem gänzlichen Mangel aller Bildung, in der noch nicht zum Bewußtsein gekommenen Vorstellung seiner menschlicher Würde, begründete Unbeholsenheit in Handhabung jener Vertheidigungsmittel, die etwa noch zu Gebote stehen. Dies dürftedas Bild des Zustandes des Juden jener Gegenden sein. Freilich schließt der Hattischerif von Güthane auch sie ein. Aber was nützen Gesetze in einem Lande, wo keine Gesetzlichkeit herrscht, wo die Willkür eines einzelnen Machthabers an die Stelle des Gesetzes waltet? Was nützen Gesetze dem, der sie nicht kennt, der, wenn er sie auck kennt, nicht den Muth dazu hat, sich darauf zu berufen, der, wenn er auch den Muth dazu hat, doch ntcht die Mittel besitzt, fein gutes Recht höheren Ortes geltend zu machen? Reiche Flamme an Flamme, nimmer wird der sehen, der die Augen bedeckt hat! Nimm ihm erst die Binde ab, und die Strahlen werden auch für ihn leuchten! Sollen die den Juden in Syrien erteilten Rechte nicht btos schone Phrasen sein, soll für die Dauer der Wiederkehr von Ereignissen vorgebeugt werden, die gleich jenen der jüngst verflossenen Zeit so 12'

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