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Der Orient · 1841-03-20 · Heft 12 (20.3.1841) · p. Seite 90

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 12 (20.3.1841)
Article
Kahira: Berichtigung von Munk ; die Synagoge von Mißr
Date
1841-03-20
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 wird mit den dort befindlichen Gesetzrollen eine feierliche Prozession gehalten. In dem, was der Beobachter über die Karaiten berichtet, ist kein Wort richtig;- ausgenommen die Bemerkung, daß sie am Sabbat weder Feuer noch Licht brennen (lassen), und daß man kein Beispiel hat von Ehen zwischen arabischen (soll heißen: rabbinischen) und karaitischen Juden. Um dies zu wissen, brauchen wir nicht erst nach Kahira zu wandern; wohl aber um die Zahl der dort befindlichen Karaiten richtig angeben zu können. Aber auch in dieser Beziehung war der Beo- , bachter unaufmerksam; die Zahl der Karaiten wird in Kahira nicht auf 600, sondern nur auf etwa .100 Seelen angegeben, und von der Richtigkeit dieser Angabe konnte ich mich selbst überzeugen, da ich am Versöhnungstage (welchen die Karäer zu Kahira, gleichsam als wollten sie dem Beobachter einen Streich spielen, dieses Jahr zugleich mit den Rabbaniten am 7. October feierten) in der einzigen Karäersynagoge nicht mehr als 20 bis 25 Personen männlichen Geschlechts versammelt fand. Ein eigenes Quartier bewohnen sie auch nicht, sondern MP den elendesten Winkel des erbärmlichen Judenquartiers. Ihre Neumonde bestimmen sie noch immer nach den Phasen s.n^n.1 <0 by), und dies oft gegen alle astronomische Evidenz, wovon ich selbst, wahrend meines Aufenthaltes in Kahira ein schlagendes Beispiel hatte. Die Karäer feierten nämlich provisorisch das Fest des 1. Tischri, 5601, am Sonntag, den 27. September; da sie aber Abends bei angestellter Beobachtung den Neumond nicht gewahr wurden, so feierten sie das Fest von Neuem am Montag den 28., obglei^der Moled schon am 28. Nachmittag statt gefiWen hatte, und der 27. offenbar der eigentliche 1. Tischri war, welcher bei den Rabbaniten nur wegen der Regel TiK tib ttf&n auf den 28. verlegt wurde. Im mohammedanischen Kalender war sogar der 26. der Neumondstag.'*) Die Abnahme der Sekte in Kahira, wo früher ihr Hauptsitz war, erklärt sich vielleicht aus, dem Uebertritte eines großen TheileS derselben zu den Rabbaniten; noch jetzt kennt man in Kahira einige bedeutende rabbinische Familien, die von Kamera abstammen. Doch hat, wie es scheint, auch der Islam im ganzen Orient viele Karäer an sich gezogen. Schon um's Jahr 560 der Hedschra schreibt Samuel ben. Jehuda ben Abbas in seiner Schmähschrift gegen die Juden, von welcher ich hier ein Fragment' entdeckt habe 2), daß die Karäer großtentheils 1) Die Karäer legen.auf diese Bestimmung der Neumonde ein so großes Gewicht, daß sie in ihre Ehekontrakte folgende Worte schreiben: 2^2 l'N'v N^>2Nl sNNN ■02 ZNW2 uru’i mij’ tviv nusn mm abw ni&n bjr nunpnn ’V-nym nx anoi^n sopa ..ttnpn px2 2’2Nn'nto-SDi npn 2) Cocl. St. Germain des Pre Nr. 214. — A l - S amaul ben Jehuda, welcher in der Biblioth. philos. bei Casiri (1, 440) und nach derselben bei Abulfaradsch (hist. d>'- nast. p. 408) erwähnt wird, ist kein anderer als der entartete Sohn des Jehuda ben Abbas (Tachkemoni cap. 3). Sein arabischer Name lauter vollständig Abu - Naßr 2CC Samuel ben Jahja ben Abbas. Sein Vater hieß eigentlich pN p: »TOT '*> nannte sich aber arabisch NprÄw DN0J1 p< Dieses sagt uns Samuel in einer von ihm selbst nach und nach zum Islam übergetreten seien, so daß nur ein sehr geringer Theil von ihnen übrig geblieben, da sie nämlich von den Absurditäten der rabbanitischen Lehrer unangetastet, für den Islam viel empfänglicher seien. Jndeß war die Gemeinde zu Kahira um jene Zeit noch sehr blühend; gleichzeitig mit Maimomdes und dessen Sohne Ibrahim lebten dort mehrere gelehrte Karäer, die unter den Arabern als Aerzte berühmt geworden sind, und die Jbn Abi Oßeibaci mit vielem Lobe nennt. Abulbajan ben Almodcnvwar (p ins* “inota) auch Al-Sadid genannt, blühte unter den letzten egyptischen Chalifen und noch später unter Saladin. Von diesem erhielt er, als er sich im Alter zur Ruhe setzte, eine monatliche Pension von 24 Dinaren, deren er zwanzig Jahre lang genoß, bis er in einem Alter von 83 Jahren (580 der Hedschra) starb. Ferner waren berühmt Abulbarakat ben Schaatha KfW p DfrCniftK Qtt und sein Sohn Said Al- Daula Abulfadschr pilS^N 13X n^nt>X TJ?D); mdlich Alsadid ben Abi'lbajan, der Freund und College des Jbn Abi Oßeibaa, welcher seine Namen und Titel, folgendermaßen angiebt: ]kb^d pk p nm p7K -phd pK jND^D ’QK p S*nDK ihs^K p *np ^frnDK ‘p&OD* 2tußer den Angeführten, welche ausdrücklich als Karäer bezeichnet werden, befinden sich vielleicht noch manche andere Karäer unter den von Jbn Abi Oßeibaa erwähnten Juden. — Später, zur Zeit Makrisi's hatten die Karäer zu Kahira noch zwei Synagogen, von denen die eine schlechthin nD*OD pjop^K, die andere TDD flD’OD genannt wird. Jetzt ist die kleine Gemeinde sehr verarmt, und stehtin intellektueller Beziehung noch weit mehr zurück, als die rabbcmitischen Juden. Ich hoffe, .daß die neue Schule auch für die bejammernswecthen Ueberreste der Karäer nicht ohne Nutzen sein wird. In einer nach Herrn Cremieux's Abreise gehaltenen Sitzung des Eomile's, in welcher ich den von mir entworfenen Unterrichtsplan vorlegte, brachte ich auch einen Beschluß in Vorschlag, vermöge dessen die Kinder der Karäer in die Schule ausgenommen werden sollten. Ich fand anfangs den heftigsten Widerstand; doch wurde der Vorschlag nach einer langen und lebhaften Discusflon endlich angenommen, und es verdient bemerkt zu werden, daß der alte ehrwürdige Chacham Mose Joseph Algasi, der auf meine Bitte herbeigerufen wurde, den Vorschlag aufs Nachdrücklichste unterstützte. Schon früher hatten 5 oder 6 Karäerknaben, die von rabbinitischen gehaltenen und nunmehr aufgehobenen Privatschulen besucht. : geschriebenen Relation seiner Bekehrung zum Islam, ebenfalls in der genannten Handschrift. Wir erfahren hier noch andere : interessante Details über seine Erziehung. Er war, wie er sagt, schon früh von den Wahrheiten des Islams durchdrungen, wollte aber lange Zeit, aus Schonung gegen seinen .Vater nicht öffentlich übertreten, bis ihn endlich ein sonderbarer Traum dazu bewog. Nach einer Note, welche ich im O r i e n t (Nr. 9 des vorigen Jahres) nntgetheilt habe, ist dieser Samuel vermutlich auch der Verfasser einer Widerlegungsschrift gegen das Buch CH osari.

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