Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1841)
- Article
- Kahira: Berichtigung von Munk ; die Synagoge von Mißr
- Date
- 1841-03-20
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirtbei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Herausgegeben von Literatur. dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblattmitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmässig. Dr. Julius Fürst. JK2«. Leipzig, den 20. März 1841. Orient. (Kahira, Berichtigung von Munk. Die Synagoge in Mißr. Die Karaer). — G r o ß brit a ni e n (Lori d on. Bestrebungen der Missionare. Zustand der Juden im heiligen Lande). — Italien (Synagogen. Schulen. WohtthaLigkeitsanftalten.). — DeuLsch land. (HalberftadL. Vorstand). — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Fünfzigste Generalversammlung der Gesellschaft der 'Freunde in Berlin. Bericht von Joseph Lehmann. — Personalchronik und Miscellen. Caschau in Ungarn. Bevölkerung Badens. Munks mitgebrachte Handschriften. — L.B. des Orients. Orient. K ahi-ea. (Beschluß.) Mißr liegt jetzt größtentheils in Ruinen; dort steht noch jetzt eine alte verlassene Synagoge, und eine genaue topographische Untersuchung überzeugte mich bald, daß die Straße, in welcher sie liegt, vormals nach dem Kaßr Al-Schema führen mußte. Dieser Umstand, verbunden mit der noch jetzt verbreiteten Sage, daß sich in jener Synagoge das Exemplar des Esra befunden habe, ließ mich in derselben mit Gewißheit die wieder finden. Die von Makrisi erwähnte Inschrift ist leider verschwunden, da das . Portal durch einen Brand vernichtet, spater restaurirt wurde; doch fand ich im Innern solche in Holz eingegrabene, sehr alte und dauerhafte Inschriften in großer Anzahl; sie enthalten aber nichts als Bibelverse. Der aufmerksame Beobachter israelitischer Anstande, welcher in Mißr Kirche und Gewölbe kennt, worin Christus sich Jahre lang aufhielt, ist an jenem jüdischen Momente, dem einzigen in Egypten, vorübergegangen, ohne nur etwas davon zu ahnen. Es ist ein schönes, zwar nicht großes, aber hohes Gebäude. An der Ostseite befindet sich der Hechal, welcher sich mit seiner Wölbung und den mit Bibelversen durchzogenen Arabesken bis an die Decke erhebt. Die drei andern Seiten zerfallen in zwei Geschosse oder Chöre, von denen der untere von 12 Marmorsäulen (6 auf der Nord - und 6 auf der Südseite) und einer Granitsäule (an der Westseite, dem Eingänge gegenüber) getragen wird; der obere oder der Fmuenchor wird gleichmäßig von 13 kleineren Marmorsäulen getragen.■ 3>m Ganzen zählt man 26 Säulen und 26 Fenster, JOEO, wie die Juden dort sagen. In der Mitte des Schiffes steht die ^2 oder das "ütthü,. dessen Schnitzwerk größtentheils noch gut erhalten isH obgleich manches davon nachgearbeitet und die Symmetrie vernichtet ist. Weiter nach Westen, gegen den Eingang hin, befindet sich ein einfaches Denkmal aus Backsteinen, den Ort bezeichnend, wo einst, wie die Sage behauptet, der Prophet Jeremia gebetet haben soll. In den Säulen erkennt man zwar beim ersten Anblick die griechisch-römische Kunst; aber bei genauerer Betrachtung fand ich, daß sie einander nicht gleichen, und daß sie also nicht eigens für dieses Gebäude verfertigt, sondern wahrscheinlich aus nahe gelegenen Ruinen, hierher gebracht wurden, so daß sie für das hohe Alter des Baues nichts beweisen. Hingegen gehört die Wölbung des Hechals offenbar der arabischen Periode an. Wie mir ein französischer Architekt sagte, den ich dahin führte, kann das Gebäude in seiner jetzigen Form bis ins 10. oder 9. Jahrhundert hinaufreichen. Die von Makrisi erwähnte Inschrift, wenn sie echt ist, könnte sich allenfalls auf die erste Gründung beziehen; jedenfalls ist das Gebäude spater mehrmals restaurirt worden, so daß von dem ursprünglichen Bau nichts übrig blieb. Verdächtig aber wird die Inschrift dadurch, daß Benjamin von Tudela nichts davon erwähnt. Ganz in der Nähe dieser Synagoge finden sich noch die Ruinen einer anderen, welche gewiß die von Benjamin genannte babylonische war, oder die riD'OD; denn nach Makrisi lag diese ebenfalls in der Straße Kaßr-Al Schema. In Mißr wohnen jetzt keine Juden mehr; aber die Gemeinde von Kahira unterhält in jener alten Synagoge ein"TOfl 13; nrn Hoschana rabba wird dahin gewallfahrtet; und zweimal im Jahre an den Menmondstagen des Marcheschvan und Jjjar begeben sich sammtliche Juden aus Kahira dahin, und es 12