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Der Orient · 1841-03-13 · 11 (13.3.1841) · p. Spalte 157-158

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
11 (13.3.1841)
Article
Orientalia [Rezension]
Date
1841-03-13
Page
Spalte 157-158 (sequence 2)
Language
German
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157 Drientalia. Eine neue Sammlung f.jüd. u. onent. Lrt. in Holland. Dr. I. Dernburg's Versuch. 158 andere Bände folgen. Der starke umfangreiche erste Theil, der 500 Seiten umfaßt, soll in Holland den Reigen zu einem Ersätze für die ,,Orientalischen und exegetischen Bibliotheken" bieten und den ehemaligen Glanz der holländischen Schule m der orientalischen Sprachkunde von Neuem aufleben lassen. Es haben sich zu diesem Zwecke die erwähnten Gelehrten, sämmtlich Schüler des verstorbenen Heinrich A r e n t H a m aker, vereinigt, und unser Glaubensgenosse Ioseph Dernburg, bekannt als Mitarbeiter an der Zeitschrift von Dr. Geiger, ein Schüler F r e y t a g 's und geg enwartig mit dem Beidhawi in Paris beschäftigt, ist der einzige unter den Mitarbeitern, der kein Eingeborener und Schüler Hamakers ist. Die Abhandlungen dieses ersten Bandes sind: 1) Untersuchung über den unregelmäßigen Plural der Araber und Aethioper, wo auch das Hebräische verglichen wird, von Hamaker. Das in dieser 63 Seiten umfassenden Untersuchung benutzte Hebräische und Aramäische ist aber sehr oberflächlich, indem die neuesten Forschungen auf diesem Gebiete gar nicht beachtet sind. 2) Exegetische Bemerkungen zu Jesaja von Kap. 1—9, 6, von L. Roorda. Auf diese Arbeit kommen, wir noch zurück. 3) Ueber das letzte Paschamahl Jesus; neuer Versuch von Dr. I. D er n bürg. Diesen Versuch, da er die jüdische Altenthumskunde betrifft, wollen wir hier unten vollständig mittheilen. 4) Die noch nie herausgegebene Dichtung Motanebbi's, mit einem doppelten arabischen Commcrttar, mit lateinischer Version und lateinischen Anmerkungen, von Ioynvoll; dieser große Aufsatz ist gewiß der beste in der ganzen Sammlung. 5> Etwas über die orienrallschen Handschriften auf der Leydner Bibliothek von Weijer, wo aber die Hebräischen ausgeschlossen sind. Diese fünf Abhandlungen füllen das ganze große Werk, und der Leser kann sich denken, daß Weitschweifigkeit wohl nicht die letzte Eigenschaft dieser Sammlung ist. Bevor ich aber die bezeichneten Aufsätze bespreche, theile ich hier den Aufsatz Dernburgs als Beitrag zur jüdischen Alterthumskunde mit: Ueber das letzte Pascha mahl Jesus; ein neuer Versuchvon Dr. Jos. Dernburg: „Die Schwierigkeiten, welche die letzte Mahlzeit Jesus macht, hat de Wette (Lehrb.d.hebr.jüd. Archäologie S.217) zur Behauptung verleitet, daß man den Widerspruch der evangelischen Relationen weder verkennen, noch zu lösen hoffen werde. Wie mißlich es mit solchen Prophezeiungen sei, und wie sie im Grunde nur mit einem nach der Vergangenheit gewandten Angesichte jagen, daß alle bisherigen Versuche mißglückt seien, zeigt die Erfahrung; denn nichts desto weniger hat sich seitdem in den Studien und Kritiken (Jahra. 1832. Heft 3. S^. 537 s.) Herr Rauch mit einer neuen Erklärung ins Publicum gewagt, und selbst einiges Glück damit gemacht. Ein abermals neuer Versuch kann erst dann erlaubt sein, wenn die Ansicht Rau ch's widerlegt ist. Wir versuchen darum dies zuerst, und lassen dann unsere Hypothese folgen, indem wir von vorn herein ihn nicht anders benennen mögen, weil es in einer solchen dunkeln Sache selten einem Versuche möglich werden kann, ein Allen leuchtendes Licht anzuzünden. HerrRauch behauptet, das p3 in der Stelle 3. M. 23. 5, wäre so zu deuten, daß das Pesachlamm an dem auf den 13. Tag des Monates Nisan folgenden Abend geschlachtet, und bis zum Abend des 14. gegessen worden sei; jener Abend des 13. sing schon um die 9. Stunde, d. i. um 3 Uhr Nachmittags, an. Er beruft sich hierbei auf dm Gebrauch der Israeliten, immer den Tag von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang zu zahlen, wonach der 14. Lag mit dem auf Len 13. folgenden Abend ansing. Dies bestätigt die Stelle Jos. Antr'q. II. 14, 6, wo es heißt: ivcxdarjg 8s xrjg 'csacdQsgncu dsmxrjg sei das Opfer geschlachtet worden, was doch nichts anders sagen will, als: beim Eintreten des 14. Tages; ferner die Angabe Jos. ibid. 3, 10, daß nichts übrig gelassen werde auf den folgenden Lag. Da nämlich dieser folgende Lag wieder mit dem Sonnenuntergänge des 14. beginnt, so ist es undenkbar, rote’ eine so große Zahl' von Lämmern, welche von Josephus (B.I. VI,9,5,) auf250,000 angegeben wird, in so kurzer Zeit geschlachtet und gegessen werden konnte, wenn man nicht den Anfang dieses Zeitraums auf den Abend des 13. verlebt. Allein ganz abgesehen davon, daß die angeführte Stelle (B. I. VI , 9,) selbst nach dem Geständnisse des H. Rauch schwer mit seiner Behauptung zu einigen ist, da ja das dno ivvdxrjg agag kvdsxdxrig deutlich genug die wahre Zeit angibt; ist auch die ganze Verlegung des Osterlammes auf den 13. eine Erdichtung, die aller Gewähr entbehrt, und durch alle in der Mischna angegebenen Verhältnisse geläugnet wird. — Das D'Cnyn JO erklärt sich am besten durch das täglich zweimal geschlachtete Tamidopfer, welches des Morgens und D'Cnyn pn dargebracht wurde (4 M. 28, 1 — 8); darunter verstand man die Zeit, nachdem die Sonne sich zu neigen ansing, und dieses Opfer sollte doch wohl nicht zum folgenden Lage gerechnet werden; es würde alsdann nicht von einem Morgen - und Abendopfer, sondern von einem Abend- und Morgenopfer die Rede sein. x) — Ebenso wurde das Pesach nach allen näheren Angaben des Talmuds unstreitig am 14. Mittags nach 3 Uhr geschlachtet, und zwar in einer Ordnung, wodurch auch die größce Menge in einer ziemlich kurzen Zeit abgefertigt werden konnte.-) War cs gebraten, so aß man es am Abende mit ungesäuerten Kuchen und bitteren Kräutern, und sing hiermit das eigentliche Fest an; denn der 14. Tag war eigentlich nur für das Schlachten und Opfern bestimmt. Was vom Fleische bis am Morgen des 15. übrig blieb, wurde verbrannt, ein Gebrauch, welcher bei allen Opfern nach Verlauf einer gewissen Zeit statt fand (s. 3 M. 7, 16. 8, 32), und bei dem oft der Anbruch des Tages den Schluß der erlaubten Zeit machte.1 2 3) Die Stelle Jos. Antics. 1J. 14, vermag mit ihrem vagen Ausdrucke nichts gegen diese überall in. Uebereinstimmung sich findenden Angaben; in keinem Falle ist bei Josephus, welcher für Griechen und Römer schrieb, und bei Schilderung der Gebräuche und Begebenheiten sich ihres Taganfangs bediente, unter dem Anfänge des 14. der Abend des 13. zu verstehen. Schon George (a. a. 0.136 f.207. 245 f.) hat davon gesprochen, wie R a u ch' s Annahme alles Grundes entbehre. Allein auch seine Ansicht, das Fest der ungesäuerten Kuchen mit dem Morgen des 15. anfangen zu lassen, und zwar deshalb , well überhaupt damals der Sabbat und die Feste am Morgen begonnen hätten, ist sicher falsch und unbegründet. Die Ausdrücke des Josephus und des völlig unjüdischen Lucas sind von keiner Beweiskraft, und was den Namen angeht, so mag immerhin ursprünglich der Abend zwischen Freitag und Samstag so geheißen haben, auch wag es nach dem Exile wegen der Verwirrung im Neligionsritus und des 1) Vgl. George (alt, isr. Feste S.248 —250), worauf wir uns beziehen, um nicht das zu wiederholen, was kaum besser zu sagen ist. 2) vgl. Pesachim 5, 7 (64, a.) 3) vgl. Sebachim 5, 5. 6 (54, tu 55, a»), vgl. Berachot 1, 1 (2, a.)

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