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Der Orient · 1841-03-13 · 11 (13.3.1841) · p. Spalte 151-152

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
11 (13.3.1841)
Article
Ueber den Kanon
Date
1841-03-13
Page
Spalte 151-152 (sequence 4)
Language
German
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151 Hebetden Kanon. Lit. Uebersichten. Flug- und Fluchschrist von Jona. 152 kein« ausdrückliche Notizen/ doch können wir demselben die betreffenden Bemerkungen entnehmen. Es ist nach aller Wahrscheinlichkeit dieses Buch von einem Juden, der zur christlichen Kirche überging, in lateinischer Sprache^), im ersten Jahrhundert der jetzigen Zeitrechnung, abgefaßt worden; keinesweges jedoch früher. Denn „Jesus Christus" wird bereits in demselben namentlich erwähnt VII. 6. Hat nun schon ohnehin dieses Buch durch seine spate Abfassung auf keine Authentieität in seinen Erzählungen Ansprüche zu machen, so kann es noch um so weniger durch seinen innern Gehalt auf Glaubwürdigkeit ansprechen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Uebersichten. 7) Der große Prozeß gegen die Juden in Damaskus, wegen Ermordung des Patrr Thomas und seines Dieners daselbst, von.. . iW* Augsburg 1841. Schloffersche Buch- und Kunsthandlung. — Höchst verdrießlich und ärgerlich, daß den Juden und ihrer Religion eine so glänzende Genugthuung von allen Seiten in der blutigen Verhandlung und höchst wichtigen Streitfrage bei der damascener Blntangelegenh'eit wurde,' laßt sich vom Fanatismus getrieben ein Jona verleiten, jene nichtige und so oft widerlegte Anklage nebst den türkischen Akten jener dortigen herben Gerichtsbarkeit wiederzukauen, um gegen das gerechtfertigte Israel einen neuen Blitz des Hasses, eine neue Flamme der Bosheit und der Verfolgung unter das Volk zu schleudern. — Zum Glück aber ist diese Broschüre nur ein Stoßseufzer einer verschrobenen Brust, die wieder einmal ein aus allen Eisenmengern zusammengefügtes Lügengespinnst enthält. Ohne die Haltbarkeit der Gründe und Beweise gehörig zu untersuchen, ohne das Wort gehörig durch ein vorangehendes Denken abzumessen, wird vielmehr gedankm- und sinnlos eine Schrift der Oeffentlr'chkeit übergeben, die der Mängel so viele hat, daß Ref. wahr-, lich in Verlegenheit kommt, über dieselbe eine Kritik zu entwerfen und wir müssen ebenfalls der Meinung mancher Gelehrten beistimmen, daß man Flug- oder Ftuchschriften dieser Art ganz ignoriren sollte, weil ein Schweigen über dieselben am sichersten von ihrem Unwerthe zeugt, und darum ist auch mein Wille gar nicht diesem ungereimten und unnützen Merkchen eine kritische Abfertigung zu geben, das fast in jeder Zeile seine Vernichtung in sich trägt. Denn wer die Wahrheit angreift, 3) 2<-j habe indessen das Buch „prophetae retcres pseidoepigraphi partim ex abyssinico Tel hebraico sermonibus latine Tersi von Gfrörer. 1840 noch nicht verglichen. der hat sich selbst sein Urtheil gesprochen, der hat zur Hölle sich verdammt, und das Wort geschändet, dessen sich der sterbliche Mensch zu erfreuen hat. — Spurlos aber soll auch das unbedeutendste wie das strengste Wort nicht vor uns vorübergehend weil unsere Religion, so scheint es fast, in einem ewigen Kampfe ist, und wir können uns nur dadurch als echte Israeliten bethatigen und dem Glauben kein würdigeres Opfer bringen, als wenn wir für die Ehre desselben kämpfen, so lange ein Gottesfunken in uns glüht. — Doch wir vergessen ganz unfern würdigen H. Jona, der den Namen des Propheten wohl nur deshalb angenommen, weil er sich berufen glaubt, den Untergang eines Volkes zu verkünden! — Ob nun derselbe auch von einem Meer-ungeheuer ans Land gespiehen, ob er von Tarsis, oder Spanien kommt, dieses Alles wäre wohl möglich, doch da er nicht zu ahnen scheint, wie der alte Gott der Liebe und Wahrheit immer noch lebt, der kernen Untergang und keine Vernichtung kennt, der das Recht erblühen läßt in dem Lande der tiefsten Nacht, so gleicht er jenem heiligen Propheten nicht, dessen Namen er angenommen. Mit pedantischer Genauigkeit hat H. I. alle Zeitungen durchstöbert und weiß alle Artikel herzuzählen, die für die Anklage des Mordes und das Blutgesetz sprechen, wohlweislich aber von denen zu schweigen, die für die Wahrheit und unser Recht laut wurden. Dabei giebt sich der heilige Mann den Schein der größten Unparteilichkeit, ja er versteckt sich sogar hinter die Maske der Unschuld und fragt ganz naiv, als hätte er die Frage erfunden, als wäre es eine Preisfrage auf der Göttinger Universität: „ob denn der H. Pater Thomas und sein Diener von den Juden ermordet worden und zu welchem Zwecke dieses geschehen sei". Wir verzeihen gern dem weisen Manne seinen Haß gegen das Judenthum, wir verzeihen ihm feine Ein-, griffe in die Rechte der Menschheit, die ihm so fremd sind, als der Talmud und seine Auslegung, aber diese affectirte Unschuld und Unbefangenheit, diese Versündigung gegen den menschlichen Geist, dieses gewaltsame Entfernen von dem eigenen Selbst, must von jedem recht denkenden Menschen verdammt werden. — H, Th iers und H. Rat Li men ton, ersterer ein Sohn der Revolution, dem die an die Juden verübten Grerrelthaten des 19. Jahrhunderts gleichgültige Dinge sind, letzterer ein Vertheidiger der Tortur, ein zweiter Haman, sind ihm die würdigsten Vertreter der Menschenrechte. Mehmed-Ali, der Recht für Gnade gelten ließ, nicht Gnade für Recht, ist ihm ein bestochener Tyrann. — Die Namen eines Merlato, Montefiore, Cremieux,Rothschild u. a., welche die Wahrheit und die Sache ihrer Glaubensgenossen mit heiligem Eifer vertheidigten, sucht er zu verdächtigen, und um auch den wackeren H. Zunz nicht unberührt zu lassen, der sich zum Heile unserer Religion zum Vertheidiger ihres

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