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Der Orient · 1841-03-13 · 11 (13.3.1841) · p. Spalte 145-146

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
11 (13.3.1841)
Article
Ueber den Kanon
Date
1841-03-13
Page
Spalte 145-146 (sequence 1)
Language
German
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Meraturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 11. Leipzig, den 13. März 1841. Ueber den Kanon der jüd. heiligen Schriften, eine kritische Untersuchung. — Lrt. Übersichten. Der große Prozeß gegen die Luden in Damaskus. Eine Fluchschnft von Jona. Benseeb's hebräischer Wurzelschatz, neu herausgegeben v. M. Letteris in Wien. — Orientalin, eine neue Sammlung für jüd. u. oriental. Literatur in Holland, v. Joynboll, Roorda u. Weisers. Dr. Joseph Dernburg's Beitrag zur jüdischen Atterthumskunde. Das Pesnch-Mahl. — Lit. Ankündigungen. Ueber den Kanon. (Fortsetzung.) Sehen wir indessen davon ab, und untersuchen den Inhalt der Bücher. Die Geschichte so wie die Weissagungen reichen gerade bis zum B.au des zweiten Tempels, den Bau und die folgenden Einrichtungen einschließlich. Von dem, was darüber hinausliegt wird nichts erwähnt» Josephus dehnt zwar die Zelt der .Ereignisse bis auf Artaxerxes aus (Cont. Apiom i, 7, 8), allein aus keinem andern Grunde, als weil er die Begebenheiten im Buche Esther unter diesem König spielen läßt; jedenfalls sagt auch er von dem, das darüber hinaus fällt: yeyQccTtrca, [asv EKöroi zov Haft*rjfius xqovov, TUGxecog ö’ov% dftOLGQg?j£icüTca tijg rtQU dvTcov, 8t,a zo prj ysvsG&ai zn\v zcov 7tQOcpr\rcov azQißri öiadoyri^. Es wurden also gleichwohl alle Geschichtsbegebenheiten ausgeschrieben, sie wurden aber nicht den kanonischen Büchern beigegeben. Lassen wir den Grund, den Josephus angiebt, und der nur seine eigene Conjektur ssem kann, für jetzt dahingestellt, und halten uns an der Thatsache. Es wurden nur die Erzählungen und Weissagungen, insoweit sie die Zeit des ersten Tempels, des Exils und des unmittelbar darauf folgenden Baues des zweiten Tempels betrafen, zusammengestellt, alles andere, was nach dem Zeugniß des Ecclej siasten über die Vielschreibern, doch niedecgeschrieben gewesen war, wurde übergangen und der Vergessenheit überantwortet. Nun ist aber doch jedenfalls ausgemacht, daß viele dieser Bücher .oder mindestens doch diejenigen, die nachexilianische Interessen behandelten, zur Zeit des zweiten Tempels verfertigt wurden, zu einer Zeit also, als auch die' gleichzeitigen Begebenheiten, deren Beschcei- | bungen den Kanon nicht schmücken, aufgezeichntt wur- | (ig im Style nicht abhorrirm, und es hätten die Schuf-..! ten, welche Begebenheiten einer jungem Zeit behandelten, damals ebenso als die andern Schriften durch ihr Aller eine Supmorität sich errungen; denn da die Anfertigung beider einerund derselben Zeitangehorte, auch ein gleiches Ansehen, wie die andern einnehmen müßten. Das ist doch wahrlich mehr als Zufall, daß gerade nur diejenigen Bücher aus einer undderselbenZeitsollten reservirtworden sein, die Begebenheiten behandelten, welche bis zu einem gewisse,, Zeitpunkt reichten, alle anderen dagegen verloren gegangen sein sotten. Es ist vielmehr bei diesem Verfahren nothwendig eine Absicht und ein Plan nicht zu verkennen. Der Inhalt derjenigen Bücher selbst, die wir in Händen haben, lehrt uns, daß nicht ein bloßer Zufall über das Loos der Bücher entschied, sondern daß ein bestimmter Grund vorhanden war, der den Büchern ein kanonisches 'Ansehen gab, so daß alle andern, die ein gleichberechtigendes Etwas nicht theilten, derselben nicht beigegeben wurden, und durch die spatem Verbote, sich mit außerkanonischen Büchern zu beschäftigen, WNM LN'NOO 1)f leicht der Vergessenheit anheimsielen. Ferner daß eine Absicht in der Zusammenstellung der biblischen Bücher und in der Ausschließung aller andern anzunehmen sei, läßt sich aus dem Charakter des jüdischen Volkes, das mit solcher Emsigkeit seine Schriften überwachte, mit Sicherheit schließen. Ein Volk, wie dieses, das mit der zähesten Ausdauer das Ueberkommene aufbewahrt, büßt durch Zufall so leicht nicht seine heiligen Monumente ein. 1) Sanhedrin Absch. XI. 11

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