Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1841)
- Article
- Rabbi Samuel Halevy
- Date
- 1841-03-13
- Page
- Seite 88 (sequence 3)
- Language
- German
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88 3. Wie drängte sich die Menschenmasse dort auf dem Gerichthofe in Damaskus, Ln dessen Mitte eine Art von Tribüne errichtet worden. Mehrere Henker, glühendes Eisen in der Hand und andere Folterwerkzeuge, standen dort und auf sie waren aller Augen gerichtet. Jetzt nahete sich ein Zug gebückter Gestalten,, die Augen gen Himmel gerichtet, kummervollen, todesbleichen Antlitzes. Die Menge machte willig Platz und der Zug gelangte ungehindert zu der Tribüne.— Hier war der Fanatismus Ln seiner glühendsten Personifikation dargestellt, vereinigt mit politischer Frechheit und türkischer Grausamkeit. — Vergebens boten die Rabbinen ihre ganze Beredsamkeit auf, den Richter von der Nichtigkeit der Schuld zu überzeugen. Man schleppte Jung und Alt zur Folterbank, ihnen gewaltsam ein Gestandniß zu erpressen. Es war ein Tag des Schreckens und des Jammers, der Himmel selbst hüllte sich in seinem wolkenreichen Mantel und die Sonne schien dos in Strömen dahinfließcnde Blut der Unschuldigen nicht beleuchten zu wollen. — Schon hatten viele ihren Geist aus die schrecklichste Weise, die keine Feder beschreiben mag, weil selbst das mechanische Instrument vor den'grellen Farben zittert, aufgegeben, schon standen vielleicht die Seelen dieser Märtyrer vor dem höchsten Richter, um den Wahnsinn der Menschen im nennzehnten Jahrhundert zu bezeichnen, als man auch unfern frommen Rabbi zum Richtplatze schleppte. — Die schweren Fesseln hatten seinen Körper wohl niedergedrückt, die ungesunde Luft des traurigen Kerkers sein Angesicht gebleicht, aber sein noch glühendes, feuriges Auge, das frei umherschaute, bekundete die innere Seelenruhe, die dem wahrhaft gläubigem Gemüthe in der ungünstigsten Verhältnissen bleibt. Was wollet ihr von mir, sprach er mit dem Tone liebreichen und ernsten Vorwurfes, als er vor seinen harrenden Richtern stand. Warum entrisset ihr mich meiner Familie? warum entweihet ihr das Fest unserer heiligen Religion? — Du stehest vor deinen Richtern Jude, wie erfrechst du dich sie zu fragen, wenn sie Blutschuld zu untersuchen haben, welcher man euch beschuldigt. Uns geziemt zu fragen': Was habt ihr mit dem Pater gethan, der vor wenigen Tagen in eurem Viertel noch gesehen, plötzlich verschwunden? Habt ihr eurem verruchten Gesetze zu genügen sein Blut eurem Feste schon geweihet? Großmächtiger Herr und Statthalter: das heilige Gesetz, das dein Mund gelästert, antwortete der Rabbi entrüstet, wird einst Rechenschaft von dir fordern am Tage des höchsten Gerichtes, und obschon diese Frage nicht aus Eurem Sinne kommt, vielmehr der Wiederhall jener frechen Lügner ist, die, indem sie unsere heilige Religion antasten, eine Rechtfertigung zu finden glauben, uns desto sicherer zu vernichten, so hat Euer Mund doch -gefrevelt gegen Gott. — So du mich aber als Mensch gegen Mensch gefraget, ob jenes Blutgesetz in unserm Glauben geboten, so wisse, daß unser Gesetzgeber, mit der größten Strenge das.Blut verbietet, es ist die Seele, sagt die Schrift und wer Menschenblut vergießet, deß Blut muß wieder durch Menschenhände vergossen werden; und so ich Unwahrheit gesprochen vor diesem weltlichen Richterstuhle, so will ich verloren sein hier und dort. Der Pascha gab ein Zeichen und in einem Nu lag der alte Mann auf der Folterbank. Schon sollten die Martern beginnen, schon rief der gläubige Rabbi sein Schema Jisrael, um das Grundprinzip der mosaischen Lehre, welches die Einheit Gottes durch diese Worte darthut, noch einmal laut zu rufen, als ein Schrei aus der Mitte der Zuschauer ertönte und ein Weib machte sich Bahn nach der Tribüne hin. — Nahel war es, die muthige Jüdin, die trotz der Widerstrebungen der Henkersknechte ihrem Vater sich in die Arme warf und an seinem Halse weinte. Er sprach ihr Muth ein und segnete sie. Dort sagte er: beim Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs sehen wir uns wieder, bleibe fromm und tugendhaft und Gott wird dich segnen, wie Nahet und Lea. (Fortsetzung folgt.) Personalchronik «nd Miseellen. Montefiore in Paris. Der englische Botschafter, Lord Granville, stellte nach der Revue, welche der König der Franzosen den 21. Febr. hielt, Sir Moses Montefiore dem König und spater der Königin und der königlichen Familie vor. Montefiore überreichte dem König eine Uebersetzung des Ferm ans, den der Sultan über die Rechte der Juden in der Türkei erlassen hat. Der Ferman steht Orient 1840. * * * Jüdische Bevölkerung Posens. Nach der neuesten Zählung hat Posen außer dem Militär 3§,000 Einwohner, worunter 18,000 Katholiken, 11,000 Evangelische, 9,000 Juden und 15 Griechen. * * * Populäre Schriften Liepmannssohn 's in Essen: Consirmationsreden 1823. — Dankrede auf den großen israelitischen Weltweisen zur Säcularfeier 1829. — Gcdachtnißrede auf Dr. J.Jacobsson 1828. — Neujahrspredigt 1830. Volkskalender. Erster Jahrgang. 1830. Der zweite Jahrgang erscheint so eben. —> Vollständige Consirmationshandlungen, auch unter dem Titel: Derech Ascher. 1 Heft. 1836. 4. Der zweite Theil, 18 Bogen stark, erscheint soeben. — Trauungsreden. Erstes Heft. 1836. Das zweite Heft erscheint in Kurzem. —* Liebe, Achtung und Treue. Caputationsrede, 1836. — Gebete und Betrachtungen an dem Grabe verstorbener Eltern, Geschwister und Lehrer, nebst Ordnung einer Todesfeier, lkthographirccm Umschläge und Titelbild 1838. — Bar - Mizwa oder wie die Consirrnationsseier durch Rede, Gesang u. s. w. feierlich und ersprießlich gemacht werden kann 1838. — Zehn Worte des Bundes oder die sogenannten zehn Gebote 1840. — Worte des Trostes und der Liebe.zur Gcdächtnißfeier des unvergeßlichrn Königs Friedrich Wilhelm 1H. nebst Ordnung der Todesfeier. 1840. — * * Der Rechenschaftsbericht des Stuttgarter Waisenvereins von 1840 liefert uns über den zehnjährigen Bestand des Vereins die erfreulichsten Resultate. Der Verein versorgte und bildete 55 Zöglinge, die bei Familien, zumal Lehrern auf dem Lande, untergebracht waren und sind. Entlassen wurden 27 Zöglinge, und zwar 17 Knaben, die bei Handwerkern in die Lehre gebracht wurden und 10 Mädchen, die man bei Dienstherrschaften placirte. Gegenwärtig verpflegt der Verein noch 14 Knaben und 14 Mädchen. 'Die Ausgabe, des Vereins betrug 15,965 Fl. 38 Kr. Als Kapital besitzt der Verein noch 9311 Fl. 45v Äi*. Die Einnahme betrug 25,277 Fl. 23; Kr. Verlag von C. L. Fritz sche Druck'von I. H. Nagel.