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Der Orient · 1841-03-13 · Heft 11 (13.3.1841) · p. Seite 85

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 11 (13.3.1841)
Article
Berlin: specielle Nachlese über die Gesellschaft der Freunde
Date
1841-03-13
Page
Seite 85 (sequence 3)
Language
German
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85 der Gesellschaft der Freunde. Bei allen Teilnehmern gab sich als nächstes Resultat nicht allein daß Gefühl kund, einen ungewöhnlichen, für Körper und Geist behaglichen Genuß höherer Art gehabt zu haben, sondern auch das Bewußtsein, durch die Totalität des Festes einander in vergrößerter Achtung und unparteiischer Schätzung des-sittlichen und geistigen Werthes der Juden näher gekommen zu , sein. — Die lebhaften, wiederholten Versicherungen sämmtlicher Gäste (worunter mehrere Vortragende Geheimräthe aus den Ministerien der Justiz und des Innern) lauteten übereinstimmend in so ehrenvollen Ausdrücken, daß man daraus eine nachhaltige günstige Stimmung für ihre jüdischen Mitbürger folgern , durfte, sowie daß diese gewiß nicht ohne gleichen Einfluß bei künftiger Berathung der Angelegenheiten der Juden bleiben würde. — Wie diese Folgerung aber nicht zu den angenehmen Täuschungen gehöre, sondern eine herrliche Wahrheit sei, erwies sich inzwischen bereits aus dem Inhalte eines sehrwichtigen erfreulichen Briefes, den Hr. Geh.Rath S t r e cksuß seitdem an Hm. Vorsteher Lehmann gerichtet, und welchen dieser, wie ich höre, nächstens mit Bewilligung des Verfassers dem Druck übergeben wird. In diesem Schreiben wiederholt nämlich Hr. Stceckfuß nicht allein, wie sehr ihn jenes Fest erfreut habe, und wie hoch er die Gesellschaft schätze, sondern er versichert auch in ausführlicher Darlegung, wie er die Meinung, welche er früher über die Juden gehabt, durch nähere Kenntniß und Beobachtung derselben berichtigt habe, daher er jetzt die volle bürgerliche Emancipation der Juden des preußischen Staats für eben so nützlich als nothwendig halte!-Sie lesen dies ohne Zweifel mit den freudigsten Empfindungen, und sind mit mir darin einverstanden, daß der Brief, derr ich Ihnen in extenso mittheilen werde, sobald ich ihn mir zu verschaffen im Stande sein werde, wohl eine neue segensreiche Aera in der Geschichte der Juden zu bezeichnen scheint, wenn man die Stellung und Bedeutsamkeit des Bciefschreibers erwägt, der sich durch die offenen ehrenhaften Erklärungen in diesem Schreiben die Hochachtung jedes wahren Menschenfreundes erworben hat. — Erlauben Sie mir noch einige Berichtungen und Zusatze hinsichtlich des hier gestifteten Culturvereins zur Beförderung wissenschaftlicher und künstlerischer Thätigkeit unter den Juden, da die von Ihnen bisher mitgetheilten Nachrichten theils irrig, rheils mangelhaft waren. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gestellt, den genannten Zweck durch folgendes zu erreichen: a) durch Hergebung von Geldmitteln zur Publication solcher Schriften, die ihm vorher im Manuskript überreicht, und nach strenger Prüfung für zur Beförderung würdig erachtet wurden; b) durch Unterstützung von Schriftstellern zu größeren wissenschaftlichen Werken; e) durch öffentliche Preisaufgaben) <!) durch persönliche Empfehlung; e) durch Ankauf von Büchern und Kunstwerken, welche dann unter den Mitgliedern verloost werden; t) durch Stipendien an Studirende und junge Künstler, wenn sie schon Beweise ausgezeichneter Fähigkeiten gegeben. Der jährliche Beitrag ist 5 Thlr., die Zahl der Mitglieder bis jetzt ungefähr 130. Der erste gewählte Vorstand sind Hr. Dr. Zunz (Direktor)- Hr. Dr. Stern (Protokollführer), Hr. Ludw. Lesser (Secretär), Hr. Eommerzienrath I. W. Meyer (Kassirer), Hr. §. Heymann (Kaffen-Controlleur), Hr. A. Rebenstein (Bibliothekar) und die Herren Dr. Auerbach, Dr. Bruck, Phil. Hellborn, Dr. Joel, I. Lehmann, I. Muhr, Dr. Rubo, Dr. Steinthal und Dr. M. Veit als Assessoren. Für heute schließe ich, und werde Ihnen in meinem nächsten Briefe noch die versprochene nähere Auskunft hinsichtlich der Gesellschaft der Freunde zu geben nicht unterlassen. — Dr. —e— WüvzbAvg, 10. Febr. Was man auch immer über unsere Stellungen und Verhältnisse sagen und schreibetmag, soviel bleibt wahr, daß es der Regierung ein großer Ernst um unsre Emporbildung ist, daß sie namentlich auf unsre Schulen und unsre religiösen Institutionen eben die Aufmerksamkeit wendet, welche sie allen andern religiösen Parteien widmet. Dürfen wir uns auch über den Grund hiervon nicht tauschen, nicht annehmen, daß dies aus einer besondern Vorliebe für das Judenthum geschieht, so bleibt sich dies doch rücksichtlich des Erfolgs immer gleich und selbst da, wo wir eine gewisse Aengsilcchkeit wahrnehmen, die jüdischen Verhältnisse zu überwachen, oder so zu leiten, daß sie, wie man vielleicht irrthämlich besorgt, den Charakter und die Integrität des Staates nicht beeinträchtigen möchten, muß sogar diese Besorglichkeit unser Interesse fördern, indem sie unfern Verlangen nach Gleichstellung mit den übrigen Staatsbürgern dadurch Vorschub leistet, daß sie uns den europäischen Institutionen, Gesellschaftsformen rc. größtmöglichst zu nähern bemüht ist. Lauft auch hier und da vielleicht ein Gesetz mitunter, das der alte Argwohn, den man längst entschlafen glaubte, dictirt hat, berührt uns auch vielleicht zu Zeiten eure Verordnuna unangenehm, wo durchzublicken scheint, daß man uns immer noch als Fremde und nicht als Kinder des Vaterlandes betrachtet, so söhnen uns doch hundert andere Beweise von wahrhafter Sorgfalt wieder aus, und wir geben uns der Regierung mit vollem Vertrauen hin. Namentlich für unsre Schulen hat Barem. und namentlich Franken, nicht wenig gethan und dennoch haben wir das, was geschehen ist, nur als eine Grundlage zu betrachten, auf welcher fortzubauen, die Regierung es sich zur Aufgabe gemacht hat. Wir denken hierbei freilich

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