Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1841)
- Article
- Berlin: specielle Nachlese über die Gesellschaft der Freunde
- Date
- 1841-03-13
- Page
- Seite 84 (sequence 2)
- Language
- German
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84 es betheuerte, daß er „Recht und Gerechtigkeit mit Nachdruck üben wolle, ohne Ansehen." Dann schloß sich das sehr gelungene Lied des Hrn. Dr. A. Lowenstein an. Alsdann folgte ein hübscher Toast in Versen von Hm. Dr. Stern, dem Vaterlande gebracht, der allgemeinen Anklang fand, worauf mit Begeisterung ein Lied des zeitigen Secretairs der Gesellschaft, Hrn. Ludwig Lesser (unter dem Dichternamen Ludw. Liber bekannt), gesungen wurde. Spater erhob sich Derselbe, und sprach folgenden sinnreichen Toast für die Hauptstadt, der zugleich das Wesen der Gesellschaft auf sehr treffende Weise charakterisi'rt: „Die beiden Grundpfeiler auf denen unsre Gesellschaft ruht, sind die Freundschaft und die- Wohlthatigkeit, die Freundschaft mit ihrer ausdauernden Treue, mit ihrer liebevollen Anhänglichkeit, mit ihrer sich aufopfernden Hingebung, die Wohlthatigkeit mit ihrem innigen Mitgefühle, mit den freundlichen Worten des Trostes, mit den stillen Gaben der Milde, mit dem kräftigen hilfebringenden Arme. Ihnen beiden verdankt unsre Gesellschaft ihr Leben und Fortbestehen, die Erreichung ihrer edlen Zwecke, den schönsten inneren Lohn in dem erhebenden Selbstbewußtsein des verübten Guten. Was aber ist es, das unsrem Bunde eine besondere glanzende Folie verleiht? — Das ist es unläugbar, daß er gerade hier in Berlin entstand, daß er nun bald seit einem halben Jahrhundert eben hier sich zu entwickeln vermochte. Muß dann nicht unsere Gesellschaft freudig die Stadt Berlin wie eine ältere, ehrwürdige, preisenswerthe Schwester betrachten, unter deren Augen, nach deren Vocbilde zu wachsen und zu wirken ihr vergönnt war? Ja meine Freunde, unfern Blicken kann Berlin nur wie eine größere, erhabenere Gesellschaft der Freunde erscheinen, deren Grundsätze auch die unsrigen sind. — Ist es nicht Berlin, das stets durch ausdauernde Treue zu seinem Fürsten hervorragte, das sich in aufopfernder Hingebung für das Gesammtwohl des Vaterlandes zu allen Zeiten bewährte, das mit unerschütterlicher Anhänglichkeit an Ordnung, Gesetz und Ehre festhielt? Und die Wohlthätigkeit B erlins, wie ist sie weltbekannt, so weltberühmt! Wo, nah und fern, selbst über die Grenzen Preußens hinaus ein Unglück sich kund giebt, wird Berlin immer zu den ersten der Hilfebringenden gezahlt; überall, wo die Wurh der Elemente ihr Zerstörungswerk vollbrachte, war Berlin stets rege an Mitgefühl, unermüdlich in Gaben der Milde und des Erbarmens; in deo That, keine Stadt der Erde hat wohl so. unzählige Beweise von ihrem großherzigen, sich mit jedem Unglück immer mehr steigernden Wohlthätigkeitssinne gegeben, als Berlin. — Darum aber auch müssen wir sie besonders lieben, diese herrliche, ausdauernde, treue, wohlthätige Stadt, darum ihr vor Allem unsre besten Wünsche widmen. Mögest du immerdar sortblühen, o Berlin, in Frieden und Eintracht, beschirmt und beglückt wie bisher von großen, gerechten, weisen Regenten! Möge deine Wohlthat alle Zeit unter der Leitung eines so einsichtsvollen trefflichen Vorstandes, wie er jetzt an deiner Spitze steht, sich erhalten und mehren! Mögen sich alle deine Bürger immer enger und liebevoller, ohne Unterschied der Religion mit einander verbrüdern! Mögest du niemals aufhören, durch Wissenschaft und Kunst, durch Humanität und Geisteslicht zu glanzen! Ja, Freude, Glück und jede Segnung des Friedens für immer Dein, o Berlin, und so stimmen Sie denn nun jauchzend, mit mir ein, meine Freunde: Berlin, die prachtgeschmückte Residenz unsrer Könige, die musterhafte Zierde des Preußmlaudes, die Hauptstadt der Treue, die Mutterloge der Barmherzigkeit, sie gedeihet fort und fort, sie lebe hoch!" — Der tiefe, .gemüthliche Eindruck dieses Toasts erhielt noch ein freundliches Aggregat durch die heitre Stimmung, welche das nun folgende ansprechende Lied „auf die Stadt Berlin" vom Dr. A. Löwen stein bei allen Anwesenden erzeugte. Jetzt nahm der Oberbürgermeister Herr Geh.Rath Kraus nick das Wort, indem ec hervorhob, daß der Ruhm Berlins in dem Ruhm und Werthe seiner Bürger läge, und mit höchst geistreicher Wendung der Rede sich dahin äußerte, daß die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde, deren edle Tendenz er aufrichtig anerkenne, gerade zu den achtbarsten der Bürger Berlins zu zahlen seien. — Der halb nachher vom Vorsteher den „Gaffen" ausgebrachte Trinkspruch veranlaßte den Hm. Geh.Rath Streckfuß zu einer Antwort, ungefähr in folgender Weise: Er fühle sich gedrungen im Namen der Gaste den herzlichsten Dank zu sagen, und spräche er mit freudiger Bereitwilligkeit und Ueberzeuguug das Lob der Gesellschaft aus, indessen ehrenvoller Mitte er sich befände. Ja er müsse bekennen, was ihm wie eine angenehme Pflicht erschiene, daß alle guten und edlen Menschen durch gleiches Streben, durch gleiche Gesinnung mit einander verbunden, die reinere Anschauung erzeugten, welche jeden Unterschied des Glaubens vergessen hieße, da Alle ja ein Gott, eine Sitte beseele. — Die Wirkung, welche diese Worte hervvrbrachten, ist nickt zu schildern; es war der mächtigste, bedeutendste Moment des Festes, diese Aeußerungen aus dem Munde eines Mannes zu hören, der früher sich in seiner Schrift „über die Stellung der Juden^ ganz anders, scheinbar feindselig und intolerant über sie, hatte vernehmen lassen. — Unter den übrigen Erscheinungen des Festes traten noch insbesonders die schöne poetische Tischrede des Hm. C. Hey mann (die Ihr Blatt bereits mitgetheilk) so wie ein Toast des hochgeschätzten Hrn. Joseph Mendelssohn (ältesten Sohnes unsers berühmten Philosophen) hervor, welchen Derselbe höchst treffend auf den Hrn. Polizeipräsidenten improvisirte. — Erst spät in der Nacht endete so dies Fest, ein denkwürdiger Glanzpunkt in der Geschichte