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Der Orient · 1841-03-13 · Heft 11 (13.3.1841) · p. Seite 82

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 11 (13.3.1841)
Article
Bericht ... über die historisch-politische Stellung der Juden daselbst
Date
1841-03-13
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 ten die zwei zu Toledo abgehaltenen Concilien ihr Ausweisung zu entscheiden; auch scheint es, daß die judaisirenden Berber, wie die alten arabischen Geschichtschreiber sie nennen, damals zahlreich und fruchtbar auf dieser Seite waren. Sie ergeben sich wie die Kabylen, in deren Mitte sie wohnen, der Verfeinerung und den Mühen der Heerdenzucht, sie nehmen Antheil an ihren Kriegen und sind daher niemals durch Knechtschaft gechrandmarkt. Man findet sie in der Regentschaft Algier wieder, vorzüglich in den Gebirgen Oraß, ostwärts der Provinz Konstantine. Es ist höchst Wahlschein- Lich, daß sie das Loos der gelulischen, libyischen und numidisehen Bevölkerung getheilt, als sie gemeinschaftlich besiegt und immer weiter durch das Eindringen der Römer, Vandalen und Araber in die Gebirge gestoßen wurden, und diese Gemeinschaftlichkeit des Schicksals in dieser entschwundenen Zeit hat ihnen wohl das Eingeborenrecht unter diesen wahrhaft Eingebornen gegeben. Wüßten wir weniger von dem Zustande der verschiedenen Stämme, welche die Regentschaft bevölkern, so würde dieses hier, je nach Umständen, unserer Politik einen Stützpunkt bieten. Hier das Resultat unserer Untersuchungen über die israelitische Bevölkerung: 1833. 1834. 1838. 1839. Algier . . 5949 — 6065 6065 4) Dran . . . 23/2 — 5637 3364 Bona . . . 124 — 283 421 Bugia . . . — — 10 — Mustaganam — 295 698 406 Konstantine (Fortsetzung folgt.) 3036 Kahira. In Nr. 3 — 6 des Orients habe ich einen großen Aufsatz, über die jüdischen Zustände in Kahira, entnommen aus der Didaskalia vom 4— 6. Januar, vollständig mitgetheilt, und schon dort habe ich als den Grund seiner Ausnahme das Bestreben dieser Blatter angegeben, Alles auf die Zustande des Morgenlandes Bezügliche zur allgemeinen Belehrung zu sammeln. So einseitig jener Aufsatz in vielen Beziehungen auch schien, so enthielt ich mich doch grundsätzlich jeder Widerlegung, da nun einmal das Hauptsächlichste von keinem Gelehrten von seinem Studierzimmer aus, sondern von einem Augenzeugen, und zwar von einem gelehrten gut beobachtenden Augenzeugen gesagt werden mußte. Dieser gut beobachtende, gelehrte Augenzeuge blieb nicht aus; HerrS. Munk in Paris, hat so eben seine trefflichen aus eigener Anschauung hervorgegangenen widerlegenden Bemerkungen Herrn Or. Jost zur Veröffentlichung mitgetheilt, und ich würde es als eine Vernachlässigung gegen meine Leser ansehen, wenn jene trefflichen Bemerkung, deren Bekanntwerdung wir Herrn Dr. Jost 4) Nach der Schätzung von 1838. verdanken, ihnen vorenthalten sollte. Diese Munk'schen widerlegenden Bemerkungen lauten: „ Was die Bibel aus dem Salomonischen Tempel betrifft, welche unserm Beobachter Stoff zu einer pittoresken und piquanten Erzählung giebt, so muß ich zu meiner Beschämung gestehen, daß ich sie nicht berührt, ja daß ich sie auch nicht gesehen, und nicht einmal davon gehört habe, obgleich ich in Kahira sehr viel mit Juden werkehrte, und nach allerlei Antiquitäten umherfragte. Die dortigen Rabbinen sind so dumm nicht, wie sie in des Beobachters Erzählung aussehen; keiner von ihnen will eine Bibel aus dem Salomonischen Tempel kennen; oder sollte ihnen vor meiner Ankunft die imposante Scene der entweihenden Berührung ihren Wahn benommen haben? Ich bin aber eher zu glauben geneigt, wenn nicht die ganze Scene eine schöngeistige Ausschmückung ist, daß irgend ein Synagogendiener unserem Reisenden etwas weis gemacht hat. — Wohl aber kennt die Sage einen von Esra herrührenden Pentateuch, welcher sich ehemals in einer uralten Synagoge zu Mißr befunden habe, und der aus Aberglauben dort soll eingemauert worden sein. Schon gegen Ende des 14. Jahrhunderts erwähnt Makrisi jener Sage, und obgleich sie an sich wenig Werth hat, so führte sie mich doch auf eine intereffante Entdeckung, nämlich auf die der palästinischen Synagoge (p^tfL^ft JIDOd) zu Mißr, deren Benjamin von Tudela erwähnt. Makrisi in seiner vortrefflichen Beschreibung von Mißr und Al-kahira spricht von dieser Synagoge folgendermaßen: „Die Kanißet-Al-Schamijjin in der Stadt Mißr, in der Straße des Kaßr Al-Schema (Kerzenpallastes) ist eine alte Synagoge. Ueber dem Eingänge findet sich eine hebräische in Holz gegrabene Inschrift, welche besagt, daß sie im Jahre 336 nach Alexander erbaut wurde, d. h. ungefähr 45 Jahre vor Mt zweiten Zerstörung des Tempels . durch Titus und etwa 600 Jahre vor der Hedschra. In dieser Synagoge befindet sich ein Exemplar des Pentateuchs, welches sie (die Juden) einstimmig für die Handschrift des Propheten Esra anerkennen, der arabisch Al - Oseir heißt." — Ich ritt mehrmals hinaus nach Mißr, welches, wie Sie aus Maimonides Briefwechsel wissen, zwei Sabbatecw.ge von Kahira entfernt ist, und ich dachte dabei an unfern großen Lehrer, welcher jahrelang täglich desselben Weges dahinritt. (Schluß folgt.) Italien. Italienische Grenze, 25. Febr. Wenn wir an die Juden Italiens denken , so beschleicht uns gewöhnlich eine tiefe Wehmuth; es stehen in der Regel alle trostlosen Zustände vor unsrer Seele, die nur existiren können. Wir vergegenwärtigen uns zuförderst den heruntergekommenen Italiener im Allgemeinen, schließen von seiner gänzlichen Apathie und Theilnahmlosigkeit an der fortschreitenden Kultur des Welrtheils auf die italienischen Juden und erwägen daneben, wie unleidlich und fanatisch und bigott Italien sich gegen jedes dissentirende Glaubensbekenntniß beträgt, so daß wir denn-allerdings auch für Juden, Judenthum und seine Ausbildung nicht viel hoffen. Mit einem Worte, wir denken uns! Italien um ein Jahrhundert zurück, und folglich die

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