Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 10 (6.3.1841)
- Article
- Ueber das Arabische in Dr. Geigers Preisschrift
- Date
- 1841-03-06
- Page
- Spalte 133-134 (sequence 2)
- Language
- German
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133 Prof. Fleischer: Ueber das Arabische in Dr. Geigers Preksschrist: Was hat Mohammed aus rc. 134 in ihren verschiedenen Beziehungen fest, und nur einmal, 'zu Sur. 21, V. 49: Und so gaben wir ja dem Moses und Aaron den Furqänund Licht und Erinnerung für die sich Wahrenden, knüpft er an die beiden, von jener concreten Auffassung ausgehenden Deutungen: die das Wahre und das Unwahre unterscheidende Schrift, und: der durch göttliche Hilfe verliehene Sieg, welcher die Verfechter des Wahren von denen des Unwahren durch die Erhebung jener und die Erniedrigung dieser unte rschied i), noch eine dritte: die Spaltung des Meeres, welche das Wort wieder als abstraktes Verbalnomen gelten laßt, aber vom Comrnentator selbst durch ihre Stellung mit Recht an die äußerste Grenze der Wahrscheinlichkeit verwiesen wird. Mit dieser historisch-sinnlichen Beziehung verwandt ist die von Beidhawi ebenfalls nur einmal erwähnte Uebertragung einer physisch-sinnlichen Bedeutung des Wortes auf Höheres. Au der Stelle Sur. 8, V. 29, nämlich: O die ihr glaubt, wenn ihr euch wahrt vor Gott, wird er euch Furqän2) ertheilen, eure Missethaten sühnend von euch nehmen und euch vergeben, erklärt Beidhawi das fragliche Wort erstens: innereLeitung, durch welche ihr das Wahre von dem Unwahren unterscheiden werdet, oder Sieg durch göttliche Hilfe, mit der oben gegebenen genauem Begriffsbestimmung; dann aber fügt er hinzu: da man das Wort auch vom anbrechenden Tage (eig. von dem aus dem, Nachtdunkel hervorbrechenden und dasselbe zertheilendm Morgenlichte) gebrauche, wie wenn man sage: Ich habe die ganze Nacht hindurch das und das gethan, bis der Furqün sich verbreitete, so könne es auch bildlich bezeichnen die Erlösung aus religiösen Zweifeln, oder die Befreiung von dem in dieser und jener Welt zu Fürchtenden, oder das Herausrreten aus dem Dunkel der Unbekanntheit in das Licht allgemeiner Berühmtheit. Auch hier streift der Commentator, wie oben hinsichtlich des Sieges über die Feinde, an die Geigersche Deutung an, aber wiederum nur durch eine Wendung von einer andern Seite her und durch Vermittlung einer speciell sinnlichen Bedeutung, deren Anwendung auf das kocanische Furqnn von ihm selbst, wie die Erklärung von der Spaltung des Meeres, durch Zurück- 1) Nur so, vom Begriffe des Unterscheidens aus, leidet das Wort eine Anwendung aufSi eg über die Feinde, und die darauf gebauten Erklärungen der arabischen Ausleger begünstigen daher die Meinung Hrn. Dr. G's. bei weitem nicht so sehr, als er glaubt. 2) Won den Men Koranstellerl, in welchen das Wort vorkommt, ist dies die einzige, wo es indeterminirt steht. fttzung an die dritte Stelle als fernliegend und gezwungen bezeichnet wird. So möchte es also wohl immer noch das Sicherste sein, den allerdings weitschlchtigen Begriff auf das Nächstliegende: doktrinelle und faktische Unterscheidung und Entscheidung durch Offenbarung, Wunder und das Gottesurtheil der Schlachten, zu beziehen, wodurch der Einzelerklärung Spielraum genug übrig gelassen wird. Noch ist zu bemerken, daß es auf einem Versehen beruht, wenn Hr. Dr. G. S. 57 sagt: Sur. 2, V. 181, werde der Monat Ramadhan, als Monat der Erlösung, Befreiung von den Sünden, mit diesem Namen (Furqün) belegt. Die Stelle ist wörtlich folgende: Der Monat Ramadhan, in welchem der Koran nieder gesandt wurde als Leitung für die Menschen und klare Zeichen von der Leitung und Scheidung, d. h. nach Beidhawi: der Koran als Leitung für die Menschen durch seine unnachahmliche göttliche Vollkommenheit, und als ein Ganzes deutlicher Anweisungen, welche zur Erkenntniß des Wahren und Rechten hinleiten und es von dem Unwahren und Unrechten unterscheiden, nämlich durch die im Koran ent,; haltenen theoretischen und praktischen Lehren. S. 58 stellt Hr. Dr. G. das im Koran nur einmal, Sur. 107, B. 7, vorkommende als das aus dem Hebräischen entlehnte pjjD dar, wonach es Ob- ■ dach, Zuflucht, bezeichnen soll. Hätten die Araber überhaupt dieses hebräische Wort sich angeeignet, so ist es allerdings nach der Analogie von — Jlttö wahrscheinlich, daß es ln jener Gestalt erscheinen würde; aber was in aller Welt sollte die Araber oder hier besonders Mohammed bewogen haben, eine Sache, für welche die Muttersprache einen Ueberfluß von Ausdrükken darbot, mit einem Fremdworte zu bezeichnen? Ist etwa das Altarabische mit der Ertheilung des Jndigmats so freigebig, daß man seltnere Wörter auf eine bloße Vermuthung hin als hebräische oder aramäische Einwanderer bezeichnen könnte? Aber, sagt Hr. Dr. G„ bas Wort tragt ein sehr ausländisches Gepräge an sich. Worin dies bestehen soll, kann ich nicht errathen, und so lange der Ausspruch unbewiesen bleibt, muß ich ihn für irrthümlich erklären. Ferner bemerkt Hr. Dr. G., das Wort werde von den arabischen Auslegern auf die verschiedenste Weise erklärt und nach deren Vorgänge von Golius in die verschiedensten Bedeutungen gezwängt. Auch dies kann, zumal als Beweis für die fremde Abstammung des Wortes, nicht zugegeben werden, da jene „verschiedensten Weisen" und „Bedeutungen", wie unten gezeigt werden soll, nur verschiedene Beziehungen desselben Grundbegriffes sind, wohl zu unterscheiden von dem Bedeuttmgsquodlibet, welches einem in Vergessenheit gerathenen und nur aus dem Zusammenhänge zu erklärenden Fcemdworte angedichtet zu werden pflegt. Spa- 10*