Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1841)
- Article
- Rabbi Samuel Halevy
- Date
- 1841-03-06
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
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80 zufriedenes gläubiges Gemüth wie das deine, setzte sie fort, kann den bösen Geist sicherlich baldigst verbannen, der dich beunruhigt. Sieh Juda bemerkte sie weiter: ich weiß du liebst mich und der Bund ist lange schon im Stillen geschlossen, obgleich kein eheliches Bündiiiß uns noch verbunden. Dieser Liebe kannte ich mein Alles opfern, nichts, war mir zu theuer ihr zu weihen, und wenn es auch mein junges Leben wäre. Ich liebe dieses Leben mit seinen unzähligen Walten, ich freue mich meines Daseins und danke dem Schöpfer täglich für dies so schöne Leben, das der Allgütige so freudenreich ausschmückte. (Fortsetzung folgt.) Perfoimlchronik und Miseellen. Wie gute Gefühle lächerlich werden können. Das isr. Comite in London, das sich in Angelegenheit der Damaskusgeschichte gebildet, hat den 11. Januar beschlossen, Hrn. Montefiore ein silbernes Tafelservice als Ehrengeschenk für seinen Sieg durch Subscription herbeizuschaffen. Die Verhandlungen waren lächerlicher als der Beschluß, da man in denselben schon über den Superlativ hinausging; aber auch der Beschluß (der Präsident Hr. H. de C a st r o möge es mir verzeihen) war sehr lächerlich; wir haben unsere Gefühle für diese resultatlose That, da der Prozeß nicht revidirt wurde, laut und dankbar genug verkündet, als daß dieser Schacher noch nöthig wäre, unsere Gefühle noch in Silber und Gold umzusetzen. Was sollen wir den Limes sagen, wenn sie uns vorwersen: Bei euch hat der Dank nur einen Werth, wenn er von Silber und Gold begleitet erscheint. Der Harmloseste kann sich aber kaum des Lachens erwehren, wenn er den verhaltnißlosen Klimax der Beiträge - Bestimmungen liest. In London soll kein Beitrag aus mehy oder weniger als fünf Guineen bestehen, das nächste Adoptivkind in Hamburg beschloß, das Quotum auf zehn Thaler zu reducirm; in Magdeburg kündigt die Redaktion der Zeitung des Judenthums .an, daß nicht mehr und nicht weniger als zehn Groschen angenommen werden; aus wie viel müßte die Subscription reducirt werden, wenn sie über Posen, Pintschow bis nach dem Kaukasus wandern sollte? Eine schöne Aufgabe.für Homäopathen. * * * Neue literari sche Erscheinunge n. In Leipzig (bei Heinrich Franke) erscheint so eben die Rhetorik des Aristoteles nach der hebräischen Bearbeitung von Lodros Lodrosi, mit einer ausführlichen Einleitung, den Einfluß des Aristoteles auf die jüdische mittelalterliche Literatur behandelnd, von Dr. G o l d e n t h a l. In Frankf. a. M. gibt Hr° Ginsberg, ein in drückenden Verhältnissen sich befindender Rabbiner aus Ungarn, den noch nie gedruckten Commentar David Kimchi's zur Genesis heraus. Die Redaktion des Orients nimmt mit Vergnügen Subscriptionen auf. — In Wi en erscheint (bei v. Schmid und Busch) von Isaak Reggio ein Brolcgomenon zu Esther, unter dem Titel nriDD nriDN iraft) wir sind auf das Neue darin begierig. — In. Prag (bei Landau) schreitet die treffliche Lalmudausgabe in OcLav rasch vorwärts, und die Vollendung dieses großen Werkes dürste leicht eine Zierde der jüdischen Typographie sein, so wie auch'ein schönes Zeugniß von dem Unternehmungsgeist der Buchdruckereibesitzer abgeben. — * * » * Der Tod Landauers. In Kappel bei Buchau starb am 3. Febr. der Rabbinatsverweser zu Braunsbach M. H. Landauer in 33. Jahre seines Lebens und mit ihm starb eine schöne Hoffnung für' die Ergründung der chaotischen: kabbalistischen Literatur. Seine originellen Schriften: „Iehove und Elohim (1836)" und „Wesen und Form des Pentateuchs (1838)", die ich vorigen Jahres im Orient L.B. Nr. 29 deurrheilt, waren schöne Blürhea seines jugendlichen Streben^ in die Tiefen der Theosophie einzudringen. Gründlich und wissenschaftlich ausgebildet auf den Universitäten zu München und Tübingen ergab er sich den schweren Forschungen dieser steinigten Wissenschaft mit einer Hartnäckigkeit und Leidenschaftlichkeit, wie sie uur der Wissenschaft cigenthümlich ist, und nie werde ich seine begeisterten, trefflichen Mittheilungin aus München 1839 vergessen, die er mir, als mein Ari'Nahem erschienen war, über seine Studien der Kabbala machte, namentlich über den muthmaßlichen Verfasser des Sohar, über seine abschriftlichen Commentare zu Iezira von Sa ad ja Gaon und Jakob den Nissim u. s. w. Indem ich hier in stillem Schmerze dem Freunde dieses redende Denkmal setze, ersuche ich seinen Vater, Hrn. Vorsänger Elias Landauer, seine schriftliche Hinterlassenschaft, da sie nur aus Excerpten und Bruchstücken besteht und zu etwas Ganzem nicht paßt, zur Mittheilung im Oriente eilssende, wo der Druckbogen angemessen honorirt und auch die abschriftlichen Commentare völlig abgedruckt werden sollen. — * * Schulen im Regierungsbezirke Bromberg. Im vorigen Jahre sind im Regierungsbezirke Bromberg sechs katholische, eine evangelische und zwei jüdische Schulen neu gegründet und 18 Schulhäuser erbaut worden. Im Ganzen sind jetzt 622 Schulen., nämlich 228 katholische, 372 evangelische, 19 jüdische und nur noch drei Simultanschulen. Im Jahre 1815 zahlte mau nur 289 Schulen. — * * * Vaterländisches. Dem Redacteur dieser Blätter ist für die Vollendung der großen biblischen Concordanz eine prachtvolle goldene Medaile, begleitet von einem huldvollen königlichen Schreiben Sr. Majestät des Königs von Sachsen, verliehen worden. Nur als neues Merkzeichen des Emancipatwnsfortschritts in Sachsen möge diese Notiz hier einen Platz finden und nur als solche empfehle ich deren Mittheilung andern Blättern. — * * * Am 10. Jan. ward in Schwerin eine Gemeindeschulanstalt eröffnet. Bemer'kenswerth deshalb, weil in Meklenburg das israel. Unterrichtswesen zur Zeit noch sehr im Argen liegt. * * * In Brody haben wohlhabende Juden bei der Strenge dieses anhaltenden Winters 2500 Guld. in Zeit von 8 Tagen gesammelt, dafür^600 Klast., Holz angekaust und dasselbe unter die Armen vertheilt. * * Verlag von C. L» Fritz sche Druck von I. H. Nagel.